1-Euro-Job(log) vom 17.11.2005

Nach Dienstbeginn habe ich an der Telefonanlage nochmal nachprogrammiert. Die spontane Amtsholung hatte ich irgendwie an zwei von 4 Anschlüssen übersehen. Hmpf, Kinderkrankheit mit Auswirkung auf den Telefonkomfort. Aber in Sekundenschnelle heilbar 🙂

Dann Einkauf für eine Filmnacht der Jungengruppe und für das Café. Alle Einkäufe habe ich dann eingeräumt und den Verkaufskühlschrank im Café wieder aufgefüllt. Endlich ist die gähnende Leere bei den wichtigsten Getränken verschwunden. Übrigens war ich am Anfang total erstaunt und freudestrahlend über den Verkauf von meiner allerliebsten Lieblings-Cola. Eine Cola aus meinen Kindertagen und die dazu gehörende "Brause" der besonderen Art, bekannt aus der verrückten TV-Werbung 🙂

Die von mir lackierte Pinnwand ist fertig und wird morgen an ihren Platz gehängt.

Am Nachmittag nun die Ganztagsgrundschulgruppe und die ersten Tränen flossen heute schon auf dem Schulhof, wo wir die Kinder abholen. Die beiden Jungs vom letzten Mal hatten dann heute den endgültigen Aufstand geprobt, indem sie sich meinem Angebot, sich mal eben hinzusetzen, um über letztes Mal zu reden, ausschlugen und dann wegliefen. Das ist ein klarer Regelverstoß und wir haben sie zu zweit eingefangen und dann bockig vor uns her laufen lassen.

Dem Treibenden der Beiden habe ich dann, während ich ihn festhalten konnte und vor erneutem Weglaufen bewahren mußte, erklärt, daß er allein die Gruppe mit seinem Verhalten auseinanderbringt und ich das nicht dulden kann. Er müsse einfach damit rechnen, daß er ausgestoßen wird. Nachdem die zwei dann vorgelaufen sind (in Sichtweite) und sich der Rest der Gruppe an uns festklammerte (anders kann man es heute nicht sagen), flossen bei beiden Jungs bei der Ankunft im Vereinshaus die Tränen der Wut und Enttäuschung. Zumal sich der dritte Junge und zwei Mädchen, die sonst auch schwer zu beeinflussen sind, auch auf unsere Seite geschlagen hatten.

Beide Jungs haben sich dann ins Café zurückgezogen und das Gespräch mit der Sozialarbeiterin B. gesucht, die dort Vorbereitungen für das Essen traf. Das Gespräch war offenbar sehr intensiv, denn beide Jungen waren hinterher wieder fröhlich UND zugänglich.

Beim anschließenden Spielen hatte ich eine Station, die sie besuchen mußten und es ging wild zu, doch sehr fröhlich und ohne grausame Zerstörungswut-Orgie. Ich hatte noch keine Gelegenheit, mit Frau B. über das Gespräch im Café zu reden. Ich fand es nur gut, daß die beiden das Gespräch gesucht haben und darin offenbar eine Lösung gefunden haben.

Beide kommen aus extrem schwierigen Verhältnissen. In einem Falle stürzte mit Selbstmord des Bruders und anschließender Scheidung der Eltern das ganze Familiengerüst ein und im anderen Falle haben wir ein Kind mit unglaublicher Fantasie und einem riesigen Geltungsbedürfnis als Ausgleich für … ja .. kann man sagen, fehlende Erziehung? Ich weiß es nicht. Das Chaos, das zuhause herrscht, bricht dann offenbar in der Gruppe aus und findet ein Ventil.

Es fällt mir schwer, mit diesen Kindern zu arbeiten. Ich wüßte gern mehr darüber und denke auch darüber nach, einmal einen Kurs über Deeskalation zu belegen. Für mein eigene innere Sicherheit. Mir fehlen einfach erfahrungen im Umgang mit Kindern dieser Art und Altergruppe.

Und ich bin lernfähig und -willig.

Diese zwei Stunden kosten mich enorme emotionale Kraft.

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