Unmöglich war früher

Wenn mir vor vielen Jahren jemand gesagt hätte, ich würde eines Tages auf der Bühne stehen und anderen Leuten meine selbst ausgedachten Geschichten vorlesen, hätte ich ihn ausgelacht. Wäre dieser Mensch auch noch so dreist gewesen, mich als Rampensau zu bezeichnen, der ohne Vorbereitung mit ausführlicher Niederschrift seiner Worte eine solche Lesung moderiert, sich selbst und andere Künstler ansagt, die Geschichten zwischen den gelesenen Geschichten freihändig und auswendig erzählt …

… oh, ich hätte mich schaudernd und kopfschüttelnd ob dieser perversen Fantasie umgedreht und wäre gegangen.

Der Auftrag, eine „Setlist“, also einen Ablaufplan für eine Lesung mit einem singenden und Gitarre spielenden Komponisten zu erstellen, wäre damals von mir noch weit ins Reich der Science Fiction oder Märchen verbannt worden. Doch heute mache ich genau das und es macht sogar Spaß.

Die aktuelle Setlist für einen Auftritt mit Musiker am 29.08.2025 bringt mein Blut zwar immer noch in ziemliche Wallung wegen des bei mir natürlich noch vorhandenen Lampenfiebers. Doch wäre das nicht mehr, wäre ich vermutlich tot oder derart gelangweilt, dass solche Dinge einfach keinen Sinn mehr machen würden.

In der Vorbereitung der Setlist haben wir uns in Präsenz getroffen, weil ich solche Dinge ungern per Videokonferenz regeln möchte. Als Empath und sonstnochwas fehlen mir dann einfach die feinen Signale des Gegenübers, ob Dinge passen oder nicht. Somit trafen wir uns in Präsenz und legten vorab die Rahmenbedingungen fest. Diese sind natürlich der Ort, die Zeit, die örtlichen Gegebenheiten wie Stromanschluss, Akustik und Bühnenaufbau wie auch die Situation im Publikumsbereich. Bei dieser Veranstaltung ist die Besonderheit, dass es sich um einen überdachten Bereich mit Tischen und Stühlen in einem Freibad handelt. Das heißt, wir spielen draußen und dennoch trocken. Was allerdings bei Regen und Wind für eine deutlich andere Geräuschkulisse sorgen könnte, als wenn nur die Vögel zwitschern und der Nachbar den Rasen mäht (Ich verweise hier gern auf meine Kurzgeschichte „Irgendein Arsch mäht immer den Rasen“ im aktuellen Buch.). Wir entschlossen uns also, mit elektrischer Verstärkung zu arbeiten, auch wenn wir beide das stimmlich sicher nicht brauchen würden, doch die Gitarren kämen dann lautstärketechnisch nicht mit uns mit. Und da wir beide auf akustische Ausgewogenheit abfahren, bleibt die Lösung die Arbeit mit Mikrofon, Verstärker und Boxen.

Ich hatte den Plan, dass wir abwechselnd vorstellen, was wir können. Diesen Plan übernahmen wir einmütig und so wird es also sein, dass ich eine meiner Geschichten lese und mein Partner in Musik eines der Lieder singt und spielt, die er im Repertoire hat. Wir leiten jeweils selbst mit wenigen Sätzen in das folgende Stück ein.

Sowohl meine Geschichten als auch seine Lieder sind eine Mischung aus dem, was wir beide in den letzten Jahren produziert haben. Da das nicht wenig ist, konnten wir zum Glück mit den Liedern auf die Geschichten eingehen und umgekehrt. So wird aus dieser Lesung mit Musik eine kleine Reise durch unser Können und durch die Spannungsbögen mit Lachern dazwischen.

Jetzt üben wir beide jeweils unseren Teil und dank dessen, dass wir uns schon länger kennen und die Setlist eindeutig ist, braucht es keine Generalprobe. Sollte diese Veranstaltung gut ankommen, wäre es natürlich wünschenswert, so etwas öfter miteinander zu unternehmen. Doch wie es so ist, der eine Künstler lebt davon, dass er möglichst viele Auftritte mit möglichst hohen Gagen bekommt und der andere Künstler braucht möglichst gute Auftritte für große Benefizsummen und keine Gage für sich. Das klingt erst einmal wenig kompatibel, kann aber klappen, wenn Veranstaltende Lust darauf haben. Tja, und die gilt es zu finden. Aber das ist ein anderes Thema.

So sieht es übrigens aus, wenn ich mit meiner Kritzelei handschriftlich während der Besprechung mitschreibe und daraus hinterher etwas Vernünftiges entstehen soll.

Ach so, weil danach gefragt wurde, soll hier natürlich die Veranstaltung auch beworben sein:

„Gebratene Ente mit Gesang“
29.08.2025 , Beginn 19.00 Uhr
Freibad Eckbusch
Am Jagdhaus 100
42113 Wuppertal
Eintritt frei

Fotoalben

Ich habe mich gestern daran gewagt, meine alten Fotoalben aufzulösen. Fotoalben sind diese dicken Wälzer, in die man früher gedruckte Fotos eingeklebt hat. Davon besaß ich fünf Stück, die ich sogar nach Themen sortiert befüllt hatte. Das war mir schon entfallen. Die Bilder waren inzwischen leider alle mit einem nicht unerheblichen Rotstich versehen, obwohl sie dunkel und trocken in ihren Alben gelagert waren. Die vor einiger Zeit lose in einem Schuhkarton aufbewahrten Bilder hingegen sind farblich nach wie vor einwandfrei. Am besten erhalten sind tatsächlich die Fotos aus den frühen 60er Jahren. Noch in schwarzweiß, dafür jedoch scharf und kontrastreich, wie für die Ewigkeit geschaffen. Offenbar ist die Qualität zwischen den 60er der Nachkriegsaufbauzeit und den 80ern, der Zeit des Beginns der Konsum-ohne-Grenzen-Gesellschaft doch deutlich gesunken. Doch zurück zu den Alben.

Ein Album war voller Bilder aus meiner Zeit beim Deutschen Roten Kreuz, oben in der Lüneburger Heide. Immerhin habe ich in diesem Verein (in drei Teilvereinen) mehr als 20 Jahre meiner Freizeit, in hauptamtlichen Urlaubs- und Krankenvertretungen und in der Notfallrettung verbracht. Das waren schon anstrengende und schöne Zeiten, an die ich heute mit dem romantischen Blick aus der Ferne gern zurückblicke. Den damals ständigen Zank und Streit mit doofen Vereinsleuten schiebe ich gern in den Hintergrund der Erinnerungen. Zum Erhalt aussortiert habe ich wenige Bilder, die mich zeigen und zwei Bilder meines ersten Krankenwagens, den ich gern gefahren habe. Das war ein VW-Bus T3 als Zwei-Tragen-KTW.

Ein weiteres Album beinhaltete Bilder vom ersten und einzigen Urlaub mit einer Freundin in den frühen 80ern in Österreich, gemeinsam mit ihrer Mutter. Bis auf ein Bild eben jener Freundin habe ich alles entsorgt. Ich werde diesen Urlaubsort wohl in diesem Leben nicht mehr aufsuchen und auch die Freundin nicht. Die ist inzwischen 76 Jahre alt und wer weiß, ob sie noch lebt. Manchmal habe ich noch Gedanken daran, weil sie die erste richtige Freundin war und wir immerhin nicht ganz vier Jahre miteinander verbrachten. Aber was hat das heute noch für eine Bedeutung?

Noch ein Album enthielt gemischte Bilder aus wilden Fotografierereien, die ich bis auf zwei Bilder mit mir entsorgt habe. Mit den Menschen, die abgebildet sind, habe ich seit mehr als 40 Jahren keinen Kontakt mehr und ich weiß teilweise nicht einmal mehr die Namen. Also abschließen und loslassen.

Dann war da noch das Album mit den Kinderbildern in schwarzweiß und farbig. Die habe ich fast alle dem Album entnommen und werde sie wohl auch digitalisieren. Wobei auch da ein Jugendfoto von mir dabei war. Es stammt von einer Silvesterparty zum Jahreswechsel 1977/1978. Ich fand Fotos von mir doof und wir hatten dem damals üblichen Alkohol schon gut zugesprochen. Mehr sollte man dazu nicht sagen, abgesehen von der späten 60er und frühen 70er Jahre-Möblierung im Hintergrund vielleicht.

Schon zu einem früheren Zeitpunkt meiner vielen Entrümpelungsaktionen hatte ich Fotoalben aufgelöst und einen großen Teil der enthaltenen Grausamkeiten entsorgt. Dennoch habe ich mich bei allen Fotos immer wieder neu den folgenden Fragen gestellt:

  • Kennst du die Menschen im Bild noch?
  • Hat das Foto einen wirklichen Erinnerungszweck auch noch in 10 Jahren?
  • Wem möchtest du später dieses Bild zeigen oder schenken?
  • Ist der abgebildete Gegenstand für die Nachwelt interessant?

Viermal nein bedeutet, dass das Bild entsorgt werden muss. Selbstverständlich nehme ich mir vor, meine Fotos noch zu digitalisieren. Meine externe Festplatte hat schon einen großen Teil früherer Bilder von diversen Kameras und Handy, aber auch bereits gescannte Fotos geordnet im Speicher lagern. Im Grunde müsste ich auch hier mal durchsehen, was nach den obigen Kriterien tatsächlich noch Bedeutung hat. Doch da stoße ich immer wieder an meine Grenzen der Geduld und Überwindung. Abgesehen davon besitze ich noch Ordner auf dieser Festplatte, die ich nicht anschauen möchte, weil ich weiß, dass die Erinnerungen Schmerzen bereiten. Einige Verluste und die eine und andere Wut sind noch nicht vollständig überwunden. Das braucht Zeit und Verarbeitung durch noch einige meiner Kurzgeschichten.

Übrig geblieben ist jetzt nur ein voller Schuhkarton. Der lagert jetzt im Büroschrank und wartet auf die nächste Aktion. Oder auf das Herausholen und den Enkelkindern zeigen. Frei nach den Worten „Schau mal, das war mein Hund, meine Oma, ich als Baby, mein erstes Auto, usw.“. Und irgendwann, wenn ich gestorben bin, wird jemand diesen Schuhkarton in den Müll werfen und was bleibt, ist dann nur noch die Erinnerung an mich als verblassende Bilder im Kopf, manchen blöden Spruch und ein Gefühl.

Ersthelfer mit Lehren daraus

Unfall mit Senior und EBike.
Auf dem Rückweg von der Physiotherapie bin ich auf einsamer und abschüssiger Landstraße auf einen Mann Ü70 gestoßen, der neben seinem EBike aus vielen Wunden stark blutend saß. Sein Freund hatte, ebenso wie er selbst, nichts dabei. Nicht einmal ein Taschentuch.
Ich legte Druckverbände an, stellte seine zeitlichen und örtliche Desorientierung fest und bat eine weitere eingetroffene Helferin um den Notruf.
Der Mann war mit hoher Geschwindigkeit an einem Müllwagen vorbeigefahren und als dieser nach Beladung wieder anfuhr, erschrak der Radler und machte eine Vollbremsung. Das Vorderrad blockierte und er überschlug sich nach Zeugenaussage mehrfach.
Der Fahrradhelm hatte sich in Stirn und Nacken gepresst und Wunden verursacht. Ohne Helm wäre der Kopf des Mannes geplatzt.

Mein Fazit und Rat:
1. Helm
2. Fahrtraining mit EBike
3. Fahre nie schneller, als du noch sicher anhalten kannst
4. Lerne nicht nur fahren, sondern trainiere auch Notfallmanöver ( siehe 2.)
5. Hab immer irgendetwas dabei, was deine Identität feststellen lässt.

Ich brauche jetzt einen neuen Verbandkasten und lege Reinigungstücher mit hinein.

Alphabet des Schicksals

Nächste Woche beginnt die erste Physiotherapie meines Lebens. Um die erste Reha-Kur-Dings meines Lebens bin ich ja mal wieder elegant drumherum gekommen worden.
Irgendwie schleicht sich bei mir rückblickend auf mein Leben das dunkelblau marmorierte Gefühl ein, dass ich für egal was es ist
a) zu alt bin
b) zu jung bin
c) nicht kaputt genug bin
d) zu kaputt bin
e) noch zu früh bin
f) zu spät bin
g) nicht qualifiziert genug bin
h) überqualifiziert bin
i) zu männlich bin
j) nicht männlich genug auftrete
k) die Frage nicht verstanden habe
l) zu viel auf die Frage geantwortet habe.

Ich könnte das auflistende Alphabet vollständig füllen. Doch vermutlich bin ich

m) zu langatmig erklärend
n) nicht ausführlich genug erklärend.

Wer es bis hierhin durchgehalten hat, wird vermutlich Gleiches denken und fühlen. Herzlich willkommen.

Warum ich Dinge manchmal lieber wegwerfe

Ich hatte schon mehrfach über meine Erlebnisse mit Kleinanzeigen und Co. berichtet. Kürzlich musste ich jedoch aus ökologischer Verantwortung heraus wieder mal einige überflüssig gewordene Dinge aus unserem Haushalt abgeben. Da ich mich weigere, gut erhaltene und nützliche Gegenstände einfach wegzuwerfen, in der Mülltonne zu entsorgen oder zum Recyclinghof zu bringen, bleibt nur das Angebot, diese noch guten Stücke zur Abholung oder manchmal für kleines Geld in den gängigen Anzeigenportalen anzubieten.

Was ich immer wieder bereue und wo ich ebenso immer wieder in meiner Annahme bestätigt werde, dass die Menschheit eines Tages wegen ihrer vollständigen Verblödung aussterben wird. Damit meine ich keineswegs den 3. Weltkrieg, sondern ganz simpel ein massenhaftes Versterben daran, dass Mann und Frau zu dumm sein wird, die einfachsten Grundregeln des Überlebens in dieser Welt einzuhalten. Und damit meine ich nicht nur die „Smobys“, diese Smartphone-Zombies, die ohne hinzuschauen über die Straße laufen oder hinter Lenkrad ihres fahrenden Autos WathsApp-Nachrichten lesen und schreiben als Priorität für ihr eigenes Leben und das der anderen Verkehrsteilnehmer gesetzt haben.

Nein, ich erlebe auch jüngere und mittelalte Menschen gleichermaßen, denen vor Einfahrt der Regionalbahn einfällt, dass sie auf dem falschen Bahnsteig stehen und mal eben schnell noch vor dem Zug die Gleise überqueren. Das Laufen gegen geschlossene Glastüren des Discounters, weil heute ein Feiertag ist, könnte dagegen noch lustig wirken. Die allseits eingetretene fehlende Lösungskompetenz bei scheinbar unvorhersehbaren Problemen seit geschenkt. Doch ich will zurück zu den Kleinanzeigen.

Die Vorgeschichte ist der Fund einer Baumwurzel, die ich als Beispiel hier aufzeigen möchte. Diese Wurzel habe ich von unserem damals bewohnten Privatgrundstück geborgen, mühsam gereinigt und viele Jahre trocken gelagert, bis sie von der Liebsten zum Adventsgesteck umgestaltet wurde. Das war sie einige Adventszeiten und nach unserem Umzug in eine kleinere Wohnung wurde sie einfach zu groß und landete abgeschmückt im Keller. Sie war nun zu schade für die Biotonne und so bot ich sie in einer Facebook-Gruppe an, deren Ziel es ist, in der Region Dinge vor dem Sperrmüll zu retten und kostenlos an andere Interessenten abzugeben. Die Betonung liegt auf kostenlos. Wobei auch das einige Gruppenmitglieder nicht verstanden haben und sehr schnell nach Aufgabe ihrer Anzeige die Gruppe wieder verlassen müssen. Doch das sei nur am Rande und der Vollständigkeit in Sachen Blödheit erwähnt.

Ich inserierte also mit Bildern der Wurzel, gab die Maße an, erklärte die Abgabe gegen Abholung und bat darum, mir eine private Nachricht zu senden. Da diese in den Nachrichtenanfragen bei Facebook häufig nicht signalisiert werden, bat ich auch um einen Kommentar im Beitrag, dass mir eine PN gesandt wurde. So wäre ich dann in der Lage mit dem jeweiligen Menschen zu kommunizieren. Ich teilte aufgrund leidiger Erfahrungen auch mit, dass ich auf Nachrichten mit vollen Sätzen und Anrede voll abfahre und Drei-Wort-Nachrichten geflissentlich ignorieren werde. Auch der ungefähre Abholort war von mir genannt. Und ganz wichtig sei zu erwähnen, dass ich schrieb „Solange die Anzeige sichtbar ist, ist der Artikel auch noch zu haben!“

Ich muss wohl nicht erwähnen, dass es viele Kommentare in der Form „Habe Interesse“ ohne jede PN gab. Auch solche mit mehr Worten und ohne PN kamen vor, waren jedoch eher selten im Vergleich zu den Vollpfosten-Kommentaren mit zwei Worten. Doch es gab dann auch erfolgreiche Kontaktaufnahmen, die mich innerlich in die Schreibtischkante beißen ließen. Die zumeist erste Frage lautete „Ist der Artikel noch zu haben?“ Aaaaaaaaahhh!

Danach folgte die Frage „Wie teuer ist die Wurzel?“ Nein, sie ist nicht teuer, auch nicht preiswert, sie ist kostenlos abzuholen, wie es im Beitrag erwähnt ist und du Knallfrosch weißt schon, in welcher Gruppe du bist?

Ich erspare mir weitere Schilderungen der Fragen nach Angaben, die schon im Beitrag ausführlich erwähnt wurden. Auch der Abholort war Inhalt, ebenso wie die ungefragte Mitteilung und Frage, ob ich auch versenden würde, weil man keinen Führerschein habe und aus Bayern käme. Ernsthaft, ich erfinde das nicht. Die Menschen sind inzwischen wirklich so dumm.

Doch dann bekam ich einen vielversprechenden Kontakt und wir vereinbarten einen Abholtermin am gleichen Abend, nachdem ich meine vollständige Adresse mitgeteilt hatte. Eine halbe Stunde vor dem vereinbarten Termin erhielt ich die Nachricht, dass der Ehepartner länger arbeiten müsse, der Mensch selbst keinen Führerschein besäße und somit leider einen anderen Termin brauche. Wir vereinbarten eine Uhrzeit für den nächsten Tag. Doch man ahnt es schon, oder besser, man ahnt es nicht, denn es folgte am anderen Tag die Frage, was überhaupt die Wurzel kosten solle. Bevor mein Kopf auf den Tisch schlug, schrieb ich noch das Wort „Nichts“ und ging dann erst einmal weinend auf meinen Balkon. Die dort unsere Balkonblumen besuchenden Hummeln wurden mir ob ihrer einfachen Intelligenz und Problemlösungskompetenzen deutlich sympathischer als die Menschheit am anderen Ende meiner Kupferleitung ins Internet.

Was soll ich sagen, eine halbe Stunde vor dem neuen Termin folgte die Absage mit der Begründung, dass kein Auto zur Verfügung stünde. Das ist übrigens auch die gängige Ausrede bei angebotenen dingen gegen Bezahlung. Abgesehen von „Der Geldautomat hat gestreikt“, „Ich habe nur 50 € vom Geldautomaten bekommen“, „Der Mann / die Frau hat meine Bankkarte mitgenommen“, „Wir haben gerade einen platten Reifen festgestellt“, „das Kind hat Fieber“ und der Klassiker „der Hund musste schnell zum Tierarzt“.

Letztendlich bin ich alle Dinge bisher noch losgeworden, obwohl ich leider auch sehr viel entsorgt habe, weil ich einfach nicht mehr die Energie aufbringen wollte, mich mit diesen dummen Menschen zu beschäftigen. Ich halte mich selbst nicht für überragend intelligent. Doch irgendwie komme ich mit meiner sozialen und praktischen Dusseligkeit noch so gut durch das Leben, dass mich solche Knalltüten immer noch mächtig aufregen.

Eigentlich möchte ich die überflüssigen Dinge in unserem Haushalt einfach in die Tonne werfen und mir so einen Haufen Stress ersparen. Doch ich weigere mich, als „Boomer“ dem zu folgen, das wir als Kinder gelernt haben, die Wegwerfgesellschaft zu gründen und zu pflegen. Ich möchte noch etwas wieder zurück zum Guten wenden. Ob es auch andere Menschen machen, kann ich nicht bewerten, doch wo anders soll ich anfangen, wenn nicht bei mir selbst?

Doch zurück zum Aussterben aus Blödheit. An anderer Stelle schrieb ich schon einmal über die Verniedlichung mütterlicher Bezeichnungen für an sich klare Benennungen. Das Wort „Kita“ für die Kindertagesstätte, „Pubi“ für den pubertierenden Teil unserer Jugend und viele andere Verkleinerungen in Worten zeigen nicht nur den Willen nach Abkürzungen, sondern ganz besonders den Abgang der Ernsthaftigkeit. Das geht einher mit dem vehementen Auftreten von Müttern in den ersten zehn Schulklassen, wenn es darum geht, dass die Kinder gefälligst lernen und nicht nur spielen sollen. „Der Paul ist doch noch klein. Wieso soll der in der zweiten Klasse Hausaufgaben machen? Der will doch noch spielen und das darf er auch.“ Jawohl, und wenn der Paul dann das Abitur machen soll, setzt der Stress mit dem Ernst des Lebens in der Klausurphase so richtig ein.

Gleiches gilt auch für den Erwerb des Führerscheins. Denn wir wissen inzwischen, dass die Durchfallendenquote die Zahl der bestandenen Prüfungen bei weiterem überschritten hat. Abgesehen von der völlig blöden Tatsache, dass viele Fahrschulen die praktischen Fahrübungen erst nach bestandener Theorieprüfung beginnen, können die heutigen Eltern ihren Kindern nicht einmal mehr die Verkehrsregeln erklären, geschweige denn das richtige Verhalten im Straßenverkehr üben. Denn sie haben selbst keine Ahnung mehr und nehmen am Straßenverkehr nur noch mit Reflexen teil, wie ich leider immer wieder erlebe. Die Kinder sitzen im Auto und haben das Datengerät vor der Nase, damit sie nicht die Eltern von ihren eigenen WhatsApp-Nachrichten hinterm Steuer ablenken. Die sind ja noch klein. Wer denn nun, lautet meine Frage.

Gerade beim Autofahren fällt mir die Vollkommenheit der allgemeinen Verdummung sehr auf. Unabhängig von der herrschenden Rücksichtslosigkeit, die ich in meiner Kurzgeschichte „Irgendein Arsch mäht immer den Rasen“ im aktuellen Buch „Gebratene Ente“ beschrieb, sei nur ein kleines Beispiel galoppierender Dummheit genannt. Die Situation ist bekannt, es herrscht eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf einer beliebigen deutschen Straße und der Verkehr fließt entsprechend mehr oder minder regelkonform. Dann kündigt sich in den meist mitlaufenden Apps ein stationäres Geschwindigkeitsmessgerät, im dummen Volksmund „Blitzer“ genannt an. Beim Anblick des Geräts am Straßenrand tritt das gemeine Blödvolk am Steuer des Wagens auf die Bremse und schleicht mit Schrittgeschwindigkeit am Gerät vorbei, um kurz dahinter wieder Vollgas zu geben und die zulässige Höchstgeschwindigkeit zu überschreiten. Gern findet dieser Vorgang mit deutlich heftigerem Bremspedaldruck vor den mobilen Geräten statt. Immer in der fälschlicherweise gedachten Gewissheit, nicht erfasst worden zu sein. Abgesehen von diesem absolut dummen und gefährlichen Verhalten wissen diese Idioten nicht, dass die Geräte sie schon erfasst haben, bevor sie sie überhaupt gesehen haben. Einzig die Tatsache, dass ein vorausfahrendes Fahrzeug regelkonform die Geschwindigkeit eingehalten hat, rettete sie vor dem Auslösen des roten Blitzes.

Ich komme immer wieder zu dem Schluss, dass die Menschen unterhalb der Boomergrenze unglaublich viel Wissen zur Verfügung bekommen, dieses jedoch im Alltag nicht anwenden können, weil die Denkkapazität ihres Gehirns von Kindheit an auf ein Niveau deutlich unterhalb der Leistungsfähigkeit der Eltern gehalten wurde. Weil diese zwar gern keine Handwerker, sondern studierte Kinder haben möchten, doch Angst davor haben, dass ihre Kinder irgendwann mal schlauer sind als sie selbst. Boomer kennen noch den Spruch „Meine Kinder sollen es später einmal besser haben als ich.“ Leider ist damit etwas anderes getan, als gemeint war.

Deshalb auch meine schon lange gern immer wieder erwähnte Theorie, dass wir im Zusammenhang mit der erneut auftauchenden Diskussion über die Wehrpflicht keine Sorge über die Kriegsteilnahme unserer Söhne und Enkel haben müsse. Denn sollte es wirklich so sein, dass ein junger Mann in einem Graben liegt und ein gegnerischer junger Mann schießt auf ihn, wird er seiner Mami eine WhatsApp über den bösen Gegenüber-Schützen schicken und Mami wird zu ihrem Sohn eilen und den gegnerischen General zur Rechenschaft ziehen. Schließlich ist ihr Junge noch klein und auch wenn er schon viele Jahre Erfahrungen mit Ego-Shootern vorweisen kann, bedeutet das noch lange nicht, dass man ihm eine echte Kugel in den Kopf jagen darf. Die Armee der Mütter, die ihre Kleinen beschützen, wird den 3. Weltkrieg regeln. Vorausgesetzt, sie finden den Weg ohne Navigationsgerät, haben einen Führerschein, der Gatte das Auto nicht braucht oder der Hund gerade nicht zum Tierarzt muss. Oder nicht noch zufällig gerade der Einkauf im Aldi wegen des Sonderangebots von letzter Woche erledigt werden muss, falls es noch zu haben ist.

Deshalb würde ich manchmal lieber Dinge wegwerfen. Weil ich der festen Überzeugung bin, dass wir uns selbst ausrotten werden und meine kleinen Bemühungen umsonst sind. Bundesweit betrachtet.

Forrest Gump hat gesagt, seine Mama hat gesagt „Dumm ist nur, wer Dummes tut.“ Ein Kollege von mir hat mal gesagt „Dumme Menschen machen mich traurig.“. Mir machen sie Zahnschmerzen, weil ich so oft in meine Schreibtisch kante beiße.

In diesem Sinne, bleibt intelligent. Das weiß ich, weil ihr bis hierhin gelesen habt.

Das dauert

Alle zwei Tage ins Krankenhaus zur Wundkontrolle. So langsam habe ich mehr Termine während der AU als in gesunden Zeiten.
Es tritt auch noch 12 Tagen noch Flüssigkeit aus. Offenbar jedoch nichts Ernstes, denn ich habe keine neurologischen Ausfälle oder eine Entzündung.

Ich mache jeden Tag beim Pflasterwechsel Fotos vom abgenommen Pflaster und die Liebste fotografiert die Wunde. Diese sieht nicht ungewöhnlich aus und scheint sich gut zu schließen. Doch im unteren Bereich tritt eben noch immer „Wundwasser“ aus, was auf einen nicht abgeschlossenen Heilungsprozess des Schnitts hinweist. Die Fotos erspare ich den geneigten Lesenden an dieser Stelle.

Ich bin einfach nur ungeduldig.

Gestern dachte ich so vor mich hin

Als ich gestern vor der Garage so vor mich hin wartete, dachte ich so vor mich hin, dass ich mir eigentlich mal wieder neue Geschichten ausdenken und diese aufschreiben könnte.

Doch was soll ich sagen? Ich bin momentan völlig leer, habe nichts Besonderes auf Halde liegen und auch keine Idee vorzuweisen, die auszuformulieren gäbe. Das fühlt sich seltsam an, zumal das neue Buch nun auch bald wieder ein Jahr alt ist und sich wie üblich nicht verkauft, solange ich keine Werbung mache. Wobei mich der ausbleibende Verkauf auch nicht belastet, weil es normal ist, dass sich meine Produkte außerhalb von Lesungen wie Blei in den Regalen bewegen.

Aber diese Geschichtenlosigkeit ist schon seltsam. Ich könnte etwas über Ärzte und Krankenhäuser schreiben, doch da ist alles so problemlos verlaufen, wie es nur möglich ist. Es gab einfach nur geringe Reibungspunkte und keinen Anlass für Satire. Dann wäre da nur noch die ohnehin mit mir schwanger gehende Idee des Schreibens über den Zustand der Gesellschaft in Deutschland und die herrschende Unmenschlichkeit. Das wird dann aber keine Satire, sondern böses Draufschlagen und Pieksen in Wunden. Ob das jemals jemand lesen würde, bleibt dahingestellt. Ob ich damit etwas bewirken würde ebenfalls.

Wobei ich sagen (und schreiben) muss, dass mich die meist fröhlichen Überzeichnungen alltäglicher Eskalationen mehr zum Geschichtenschreiben reizen als das Böse an sich. So wird es also dabei bleiben, dass ich weiterhin mit offenen Augen und anderen Sinnen durch das Land und meine absehbaren Lebenstage wandele und die eine oder andere Idee auffange. Ich sollte mir nur jetzt, in Anbetracht der vermutlich nicht mehr allzu langen Restlebenszeit, angewöhnen, diese Ideen sofort zu notieren. Wobei ich diesen Vorsatz auch schon wieder mehr als 20 Jahre mit mir herumschleppe. Aber irgendetwas ist ja immer.

Spinalkanaldekompression

Kleines Update zur gesundheitlichen Situation.
Ich bin nach der Operation zur Entfernung zweiter Spinalkanalstenosen relativ zufrieden. Es wurde nach Entfernung des Nahtmaterials am letzten Freitag erneut genäht (ohne Betäubung, aus Versehen aber Aua, kann ich sagen), da nach Angabe des Arztes noch viel Wundflüssigkeit aus der Narbe ausgetreten ist.
Meine Mobilität ist mit Schmerzen verbunden, jedoch schon jetzt besser als vorher. Ich muss lernen, dass ich jetzt geraden Rückens gehen kann, langsamer gehen muss und vor allen Dingen stehen kann, ohne dass ich innerlich vor Schmerzen schreie.
Die Fibromyalgie möchte gern jeden Schmerz als „kenne ich ja und unterdrücke ihn“ einordnen, doch das darf derzeit nicht geschehen, wenn ich jemals weniger Schmerzen haben will.
Einige Muskelgruppen sind noch nicht ansprechbar, leider insbesondere die im Beckenboden. Ich spreche es glatt aus: Ich bin nicht inkontinent, doch ich brauche die pressenden Muskeln des Unterbauchs für Entleerungen. Das ist nicht nett und braucht jetzt Übungen und Zeit.
Ich darf bis auf weiteres nichts tragen, soll im stetigen Wechsel zwischen gehen, stehen, liegen und sitzen normal leben. Was auch immer sich die Ärzte als normal vorstellen.
Man erklärte mir, dass es noch ein langer Weg in die vollständige Heilung sei. Ich hingegen will alles, jetzt sofort und gleich, ausprobieren und machen und was geht, das geht eben. Es ist schwer, diesen Einschränkungen Folge zu leisten. Der Verstand sagt mir „Hör auf die Doktoren, mach sutsche!“ Mein Gefühl sagt „Alter, friss Schmerzmittel wie immer und gib Gas!“

Dazwischen stehe ich und muss entscheiden, was ich aushalte und was ich in meine körperliche Zukunft investiere. Immerhin trage ich jetzt ein Implantat an einer wichtigen Stelle meines Körpers und das macht mich etwas unsicher. Wie gut hält es Belastungen aus und hält es den Rest meines Lebens? Für den (dem Arzt nach recht unwahrscheinlichen) Fall, dass sich das Transplantat von der Dura, der Hirnhaut im Wirbelkanal löst, würde ich Kopfschmerzen, Schwindel und andere Ausfälle erleiden. Das würde mich dazu berechtigen und verpflichten, unverzüglich mit Alarm in die Klinik geflogen zu werden, da dann Liquor, d.h. Hirnflüssigkeit austritt und Infektionen des Hirn eintreten können.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich genug bremsen kann, ohne das Gefühl zu bekommen, nicht zu genesen und wieder stark, schnell und fröhlich durch die Gegend zu laufen. Die Zeit wird es zeigen, denke ich.