Gestern war „der große Tag“ mit der Durchführung der geplanten Operation meines Grauen Stars im rechten Auge. Vorweg sei gesagt, dass alles gut verlaufen ist, glaube ich meinen heutigen Eindrücken und den Worten der untersuchenden Augenärzte.
Vor der gestrigen Abfahrt von zuhause musste ich mit vorher ausgehändigte Augentropfen in das zu operierende Auge geben. Kurz nach dem erfolgreichen Einträufeln sah ich auf dem rechten Auge alles doppelt und etwas verschoben übereinander liegend. Das ist eine Herausforderung an Bordsteinkanten und Treppenstufen. Ich bin mit dem Bus zur Augenarztpraxis gefahren und wurde zum Termin in den OP-Bereich hineingerufen. Nach kurzem Abgleich der Daten musste ich meine Wertsachen in ein Schließfach legen und den Schlüssel einstecken. Meine Jacke konnte in einem Garderobenmöbel aufgehängt werden. Noch am Tresen erhielt ich sitzend eine Salbe an das untere Augenlid, weitere Tropfen in das Auge und einen farbigen Klebepunkt über das Auge. Letzterer dient zur Sicherheit, dass auch wirklich das richtige Auge operiert wird. Nebenbei erwähnt: Bei den letzten beiden Operationen erhielt ich ebenfalls Markierungen als Zeichen, welche Seite betroffen, bzw. dass ich das letzte Aufklärungsgespräch erhalten und meine Identität geklärt ist.
Nach diesen ersten Vorbereitungen wurde ich in den Warteraum geleitet und nahm als dritter Patient in der Wartereihe Platz. Wenige Minuten später bekam ich einen Einwegkittel, eine Haube für die Haare und Überzieher für die Schuhe angezogen. Ich musste mich erstmals nicht für eine Operation entkleiden. Die beiden Patienten vor mir wurde abgeholt und währenddessen erschienen immer wieder Patienten mit Augenverband in Begleitung von Personal aus dem OP-Bereich in den Wartebereich hinein. Ich habe in der kurzen Wartezeit die Aufklärung für das Verhalten nach der OP viermal mit angehört.
Dann war ich dran und wurde vom Anästhesisten zu einem der beiden fahrbaren OP-Stühle geleitet, die aussehen wie Frisörstühle ohne Waschbecken. Mit wurde der Blutdruck gemessen, ein Zugang für die Injektion des Narkosemittels gelegt und auch kurz darauf eingespritzt. Ich habe absolut nichts von einer fehlenden Zeit gemerkt. Für mich verging die Zeit in Narkose ohne jeden Bruch im Übergang und ohne jede Wahrnehmung. In dieser Zeit wurde mir rechts unter das Auge ein Medikament gespritzt, dass das Auge lähmt, ohne das andere Auge zu beeinflussen. Wie gesagt, von der Spritze weiß ich absolut nichts und sehe nur heute den kleinen Bluterguss unter dem Auge.
Mitsamt dem Stuhl fuhr man mich in den Operationssaal und mein Gesicht wurde abgedeckt. Ich konnte mit dem linken Auge nur noch durch die Gaze hell und dunkel unterscheiden. Das rechte Auge war blind und gefühlt einfach nicht da. Witzig war, dass der operierende Arzt Anweisungen gab, die Augen auf und zu zu machen und ich den Befehl vom Gehirn gab, das linke Auge auch gehorchte und das rechte es offenbar auch tat. Es fehlte nur die optische und sensorische Rückmeldung, die man so gewohnt ist. Da war ja rein gefühlsmäßig kein Auge mehr.
Ich fühlte an der Wange eine Flüssigkeit laufen und der Operateur erklärte mir, dass nun die alte Linse entfernt sei. Dann berichtete er, dass die neue Linse eingefügt sei und kurze Zeit darauf, dass alles gut gelaufen wäre und ich jetzt wieder zurückgebracht würde. Während dieser recht kurzen Zeit hörte ich nur die leise Musik im Operationsraum und ein leises Sirren des Lasers. Ich spürte keine Manipulationen, sah nichts und fühlte lediglich Flüssigkeit an der Wange.
Im Raum mit den Frisörstühlen durfte ich wieder aufstehen, wurde in den Warteraum geführt und bekam die Aufklärung zu hören und ein Medikament zur sofortigen Einnahme, den OP-Bericht für Hausarzt und entsendenden Augenarzt, eine Notfallnummer der Operateurs („Anrufen, wenn etwas Schlimmes ist“) und ein Rezept für Augentropfen, sowie eine weitere Tablette für die Einnahme am Abend (Antibiotikum zur Verhinderung einer Infektion).
Mit Augenverband und einem Kunststoffschutz darüber bin ich in Begleitung der Liebsten mit dem Bus nach Hause gefahren. Ich war etwas platt, mir liefen die Tränen aus dem rechten Auge und ich hatte oben rechts ein Fremdkörpergefühl, dass mich im Normalfalle zum Herausreiben gezwungen hätte. Das ging nun nicht und war auch absolut verboten. So schaute ich noch etwas Fernsehen, was erlaubt war , hatte keinen Appetit und ging um 19.00 Uhr schlafen. Gegen 01.00 Uhr wurde ich wach, musste zur Toilette und öffnete unwillkürlich das rechte Auge und konnte durch den Verband zwischen hell und dunkel unterscheiden. Ich konnte also sehen. Beruhigt und mit Fremdkörpergefühl ging ich wieder schlafen und habe auch bis 05.00 Uhr zum Weckerklingeln gut geschlafen. Der Verband war durch die Tränen völlig durchnässt und der Augenschutz aus Kunststoff voller Kondenswasser. Den Schutz soll ich mir die nächsten Wochen noch vor dem Schlafengehen über das Auge kleben, damit ich mich nicht unwillkürlich verletze oder das Auge reiben kann.
Heute fuhr ich mit dem Bus zu meinen Augenarzt, der Verband wurde entfernt und die ersten Tests ergaben schon jetzt eine Sehkraft von 60 Prozent auf dem rechten Auge. Das reicht noch nicht zum Autofahren, lässt mich aber mit meiner Brille schon extrem scharf und hell sehen, was vorher nicht mehr möglich war. Decke ich jetzt das rechte Auge ab, ist die Sicht mit dem linken Auge allein deutlich dunkler als mit rechts allein.
Ich habe aktuell noch einen kleinen Bluterguss neben der Pupille, wie bei einer Bindehautentzündung. Das wird sich jedoch nach Angabe der Ärzte schnell wieder geben. Der Bluterguss unter dem Auge, von der Spritze verursacht, wird sicher auch in den nächsten Tagen verschwinden.
Insgesamt ist jetzt meine Angst weg und ich brauche nur noch Ruhe, darf mich nicht bücken oder schwer heben, kein Fitness machen und nicht Radfahren, da mir etwas ins Auge fliegen könnte. Ich darf keine Seife oder Shampoo ins Auge bekommen und muss eben den Augenschutz in der Nacht tragen. Das ist alles erträglich, vergleiche ich es mit dem Zustand vorher, wo der dicke Fettfleck im Sehbereich des rechten Auges zu starken Einschränkungen führte und ich auch erst jetzt bemerke, wie auch schon die Sehkraft des linken Auges beeinträchtigt ist. Die Erblindung ist schleichend und nur der Fettfleck hat mich davor bewahrt, dass ich irgendwann durch die Gewöhnung an das schlechte Sehen große Fehler gemacht hätte.
In einer Woche wird noch einmal kontrolliert, ob alles gut ist und in zwei Wochen ist das linke Auge dran. Dann wieder Nachkontrolle, erneute Kontrolle beider Augen, danach wieder links und nach insgesamt etwa sechs Wochen kann ich mir eine passende Brille machen lassen. Oder ich benötige nur noch eine Lesebrille. Das wird sich zeigen.
Ich schreibe diesen Bericht für mich und für alle diejenigen Lesenden, denen eine solche Operation empfohlen wurde und die Angst davor haben. Denn die hatte ich auch. Nun nicht mehr.
Sieht schlimm aus und Bilder mit der Selfie-Cam des Handys ja sowieso.

Und ich bin rechts nicht rasiert, weil da heute früh noch zwei Pflasterstreifen zur Fixierung des Augenschutzes klebten. Immerhin bin ich ja auch schon ein alter Mann und gehe heute nicht mehr aus dem Haus. 🙂