Scotty! Energie!

Wir haben gestern den Wohnwagen gewaschen (also ich in der händischen Waschanlage mit viel zu kleiner Bühne, um gut auch das Dach zu waschen), das Vorzelt nach dem Weihnachts- und Silvesterurlaub endlich wieder in der Garage ordentlich zusammengelegt und verstaut, und letztlich dann auch noch den Wohnwagen wieder eingeräumt und dabei gleich unnötig angeschafften Kram beiseite gelegt. Zudem haben wir noch das geschafft, wovon ich nicht zu träumen gewagt hatte. Wir haben die neue Sackmarkise montiert. Nun ist der Wohnwagen wieder reisefertig, auch wenn noch das Wasser im Frischwassertank fehlt. Das allerdings hat seine Rechtfertigung, weil es ja durchaus noch Frost geben wird und eine gefrorene Warmwassertherme wird platzen. Das ding auszutauschen ist dann nicht nur teuer, sondern auch kein Spaß für dicke Menschen wie mich.

Jedenfalls war ich völlig körperlich erledigt nach dem gestrigen Tag. Die Fibromyalgie brüllte im Körper herum, der Rücken tat sein Übriges hinzu. So war ich gegen 20 Uhr im Bett und habe tatsächlich bis 5 Uhr heute früh durchgeschlafen. Aus purem Widerstand gegen die vermeintliche Wachheit bin ich noch im Bett geblieben und habe so meinen Gedanken halb träumend nachgehangen. Und so kamen mir schwuppdiwupp melodische Gedanken zu einem schon lange wieder einmal in der Schublade liegenden Songtext. Mithilfe meiner Softwares (öh … mehrere Software schreibt man wohl so, obwohl es sich komisch anhört) kombinierte ich dann heute diese Gedanken zu Ende, sampelte hier, packte dort zusammen, drehte hier noch an einer virtuellen Schraube und dort noch ein wenig am Text. Am Ende hatte ich dann doch mehrere Versionen eines Songs erzeugt, die mich alle zufrieden stellten.

Diese Energie, die durch Aufräumen, Leeren, Zufriedenheit und fiesen Schmerzen entsteht, scheine ich öfter zu brauchen, um kreativ produktiv zu werden. Das Gedicht, aus dem der Songtext entstand, existiert schon sehr lange. Wie so viele Texte, die in den virtuellen Schubladen, oder besser Ordnern auf der Festplatte lagern. Es braucht immer ein Herangehen, einen Moment der Idee und dann die Zeit, verbunden mit der Lust, es in diesem Moment zu tun.

Ok, das Video habe ich dahingemalt. Ich hatte keine Lust auf KI-generierte Videos, die entweder gut und kostenpflichtig oder einfach nur doof sind. Also bleibt es beim statischen Bild. Wie geschrieben, ich texte, denke mir eine Melodie aus, sample sie dann bis zum Treffer und am Ende kommt dann etwas heraus oder nicht. In diesem Falle nun das hier:

Ach so, das Vorgängerding in Sachen Texten und dann endlich nach nicht ganz 30 Jahren in der Schublade zu einem fertigen Song zu machen, ist „Colorful World“. Was eigentlich mal als ein Projekt gedacht war und mit der uralten Software „Dance eJay“ in den 90er Jahren versucht wurde, konnte dann 2024 in die Welt gesetzt werden. Allerdings mit KI-Video, was mich nicht so ganz befriedigt. Hier hätte ich mir lustige und viele verschiedene „Küsschen-Bilder“ von allen möglichen Menschen und den Konstellationen dazu gewünscht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Here we go:

Keine Zeit, keine Lust und dennoch …

… fehlt mir das tägliche Bloggen.

In den Anfangszeiten dieses Blogs, damals noch unter der Url tagesblog.de ohne Bindestrich, schrieb ich täglich auf, was ich den Tag über erlebt habe oder was mich bewegte.

Dann rannte mir die Zeit davon, ich begann die intensive Vollzeittätigkeit mit Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Ich hätte genügend blogbares Material, doch der Datenschutz, Schutz der Persönlichkeit und all diese Dinge hemmten mich. Na klar, es hätten auch weiterhin die Mahlzeiten sein können, Urlaubsberichte und das ganze Blablabla des Lebens drumherum. Doch irgendwie war die Luft raus und, Blogger kennen das, es stellte sich die Frage für wen und aus welchem Grund überhaupt noch bloggen.

Irgendwann im vorletzte Jahr habe ich dann meine ganzen facebook-Äußerungen hier ins Blog übertragen und in täglicher Kleinarbeit zumindest mit vernünftigen Überschriften versehen. Und nun, so kurz vor der erzwungenen und nicht gewollten Rente, habe ich mir überlegt, dass ich doch noch einmal den Versuch starten werde, wieder täglich etwas zu schreiben. Denn immerhin habe ich dieses, diesen Blog einst auch als Tagebuch und Erinnerungsbuch für mich genutzt. Als Rechtfertigung für mein Leben, als geschriebene, erlebte Geschichte für mich und am Ende für die kurze Zeit zwischen dem Moment meines Todes und dem des Löschens, weil mein Provider kein Geld mehr für den Serverplatz bekommt.

Dabei fällt mir die absichtliche oder unabsichtliche Weisheit eines früheren Freundes ein, der seinem Provider in einer Zeit, als es ihm finanziell gut ging, derart viel Geld überwiesen hat, dass er vermutlich noch 20 Jahre nach seinem Tod noch virtuell am Leben bleibt. Es sei denn, der Provider geht pleite. Das digitale Erbe ist so eine Sache, die bei uns hier im echten Leben ungeklärt und in Gesprächen unerwünscht ist. Tod bedeutet gleich Abschaltung des digitalen Seins, abgesehen von den laufenden (kostenlosen) Accounts. Die werden dann sicher irgendwann gelöscht.

Ich gehe da sehr pragmatisch an die Sache heran. Wo ich mir früher ein Grab mit Grabstein, eine ewige Erinnerungsseite und mehr gewünscht hatte, ist es mir inzwischen egal, was von mir übrig bleibt. Die Erinnerung an mich wird bleiben. Und zwar bei denen, die sich gern an mich erinnern. Mehr braucht es nicht. Und für das digitale Leben gibt es letztendlich auch die wayback machine des Internets. Und die NSA vermutlich. Aber das ist eine andere Geschichte.

Nun, wir werden lesen, was aus meinem Vorhaben geworden ist.