… und man soll seine Zimmerpflanzen nicht nur regelmäßig gießen und düngen, sondern auch mit ihnen reden.
Man sagt, wie wären empfindsame Wesen, die schnell auch mal eingeschnappt sind und sich weigern, so richtig schön zu wachsen und zu blühen. Wenn man sie nicht richtig hegt und pflegt.
Ok, das mit dem empfindsam sein kann ich bestätigen. Sie sind unglaublich schnell beleidigt, wenn ich mal das Gießen für einige Wochen vergesse oder die Jalousie mal einen Tag lang nicht hochziehe. Außerdem mögen sie den Kater nicht und wenn ich sie mal umdrapiere, geht das Gezicke los.
Also habe ich mich lang genug geärgert und mich dann entschlossen, keine Zimmerpflanzen mehr zu haben. Aus, Basta, Schluß mit dem grünen Geärgere in meiner Wohnung. Doch es kam anders. Der Kater vermisste seine stummen Spielgefährten und irgendwie fehlte die Farbe grün in meiner Wohnung. Und jemand, mit dem ich reden kann.
Somit beschaffte ich mir eines schönen Tages beim Holländer auf dem Jahrmarkt gleich zwei Bündel voller Grünpflanzen zum Preis von werweißwieviel Gärtnerpflanzen. Schließlich war es scheißegal, wieviele davon letztendlich durchkamen, es zählte die Masse und der Preis. Bei einigen Pflanzen weiß ich bis heute nicht wie sie heißen. Die Biester stellen sich ja nicht vor.
Ich dekorierte also meine Wohnung und goß Wasser in die Töpfe, woraufhin zwei Pflanzen rein profilaktisch schon mal eingingen. Mistviecher, grüne, elendige! Feiglinge, die sich meiner Zuwendung durch Selbstmord entzogen. Meine Verachtung äußerte sich darin, daß ich sie nicht sofort nach der Feststellung des Todes in der Biotonne entsorgte, sondern sie noch zwei Wochen an Ort und Stelle stehen ließ. Den anderen Pflanzen zur Warnung.
Und überhaupt, ich begann mit meinem Pflanzen zu reden. Jeden Sonntagabend, wenn die Woche endete. Dann gab es einen Mannschaftsappell und ich stellte in mühevoller Arbeit alle Töpfe in Reih und Glied auf dem Wohnzimmerfußboden auf. In Dreierreihen standen sie dort. Die Kleinen vorn, die Großen hinten.
Was folgte, war die wöchentliche Ansprache an die geballte Grünkraft in meiner Wohnung. Taktisch klug ermahnte ich sie, in den kommenden Tagen Anstrengungen besonderer Art zu leisten und ein Wachstum von mindestens zwei Zentimetern nachzuweisen. Weiterhin schrie ich sie an, sie hätten gefälligt zu blühen (bzw. saftig grüne Blätter zu entfalten), wenn sie den Appell der kommenden Woche noch erleben wollten. Denn eines wurde ihnen von mir an jedem Wochenende deutlich gemacht: Der Schwächste in der Pflanzenriege wird ausgesondert. Mit dem Küchenmesser gekappt, enttopft und der Biotonne zugeführt. Gnadenlose Todesstrafe für den schwächsten unter ihnen. Jede Woche eine Leiche vor Ende des Appells! Sehe ich ein Zittern, so weiß ich um den Erfolg meiner Ansprache. Tod und Verderben für den, der nicht spurt und sich anstrengt. Besonders hartnäckige Verweigerer im Wachstum, diejenigen, die ewige Zweite und Verpisser sind und sich immer nur kurz vor dem Zerstören bewahren können, werden an den Pranger gestellt. Sie erhalten einen Sonderplatz in der prallen Sonne und müssen zwölf Wochen ohne Wasser überleben. Danach haben sie genau eine Woche Zeit, um zu zeigen, was sie leisten wollen. Wenn nicht, Rübe ab und Biotonne!
Die hinterbliebenen Pflanzen strengen sich seit Beginn meiner besonderen Aufmerksamkeit an wie blöde. Sie wachsen, blühen, grünen und recken sich schier gegen den Himmel. Sie versuchen sich gegenseitig zu übertreffen und manch ein Besucher lobt mich ob meines grünen Daumens. Auch werde ich oft beim Anblick meiner prachtvollen Zimmerpflanzen nach meinem Geheimnis gefragt.
Nun, das ist ganz einfach zu erklären. Ich rede mit ihnen 
Brauchen Sie noch einen Pflanzen-Coach?
Hallo Carsten,
auch ich möchte gerne meinen Senf dazu abgeben, wenn’s denn genehm ist? *schmunzel*
Ich habe auch keinen grünen Daumen und alles grünt auch nicht bei mir. Das mit dem Reden ist ja nicht schlecht, habe ich auch schon oft gemacht. Vorallem auf Drohungen reagieren Blumen wunderbar, dann fangen sie tatsächlich an sich zu regen, ist schon echt komisch.
Aber ich habe es mir auch vereinfacht, gerade was das gießen anbelangt. Ich habe alle meine Blumen umgetopt in Seramis. Ich weiß nicht ob dir das was sagt, das sind kleine Granulatkörnchen, die das Wasser speichern und an die Wurzeln der Pflanzen abgeben. Beim Umtopfen lässt man die Erde des Wurzelballens an der Blume und setzt sie dann in Seramis. Ich gieße nur alle 2 Wochen meine Blumen und das geht wunderbar.
Gut es gibt immer ein paar Blumen, die bei mir nicht gedeihen, bzw. vielleicht auch das umtopfen in Seramis nicht mögen, dass sind unter anderem Alpenveilchen, Weihnachtssterne, Azalleen und der Gummibaum. Was wiederum sehr gut bei mir gedeiht, sind Usambaraveilchen und der Gliederkaktus, die züchte ich immer aus den Blättern neu. Geht wunderbar.
Weiterhin viel Freude an deinen Grünpflanzen.
@ Tidora: Nun ja, wenn meine Pflanzen wüßten …. 😉
@ Maike: Die Idee ist sogar noch älter, sie stammt aus einem Science Fiction der 60er Jahre und findet sich überall wieder. Doch ich mag Terry Pratchett sehr und das Buch fehlt mir noch in meiner Sammlung. Insofern lege ich jetzt für den, der mich immer wieder (neben einigen anderen Autoren) inspiriert, noch eine virtuelle Pflanze mehr drauf :biggrins:
Das klingt genau wie aus dem Buch von Terry Pratchett und Neil Gaiman "Ein gutes Omen" (S. 286)
a wird genau das gleiche beschrieebn ;), der Dämon Crowley droht seinen Pflanzen auf die selbe Art und Weise.
Kam mir gleich bekannt vor, die Variante.
*lach
Ich stelle mir Sie gerade als Drill Sergant vor.
👿
Nehmen Sie noch "Rekruten" an ?
Viele Grüße
Tidora