Also gut

‚Es gibt Fördermöglichkeiten auch für Menschen wie mich. Sogar in anfassbaren Zahlen. Die laufenden Honorarverträge sind ganz nett, aber eben nicht sozialversicherungspflichtig. Wenn ich mich nun endgültig wieder selbständig machen würde, gäbe es auch Geld (sogar Zahlen sind genannt) und eine Liste der zu erfüllenden Dinge.

Wenn ich kein Geld haben will, geht es natürlich auch so. Uihh, toll. Wußte ich schon.

Mal schauen, ob einer der Honorarverteiler Lust auf monatlich Geld für mich hat. Denn Eines ist heute im Gespräch SEHR klar geworden: Außer Zeitarbeitsfirmen, die Aquisitöre für Neukunden suchen, denen ein sagenhaftes Gehalt von 900 Euro netto zahlen, dafür von der ARGE monatlich 500 Euro kriegen und dann kurz vor Ende der Probezeit die Leute rausschmeißen, gibt es definitiv in Deutschland keine Arbeit mehr. Punkt.

Stellen werden nahezu ausschließlich intern vergeben oder mit Leuten unter 25 besetzt. Weil die weniger Geld verlangen als die Alten. Ist zwar ein Irrtum, aber den korrigiert niemand.

Die Arbeitsangebote auf der Plattform der Arbeitsagentur sind zu mehr als 80 Prozent 400-Euro-Jobs (wovon 120 Euro übrig bleiben), Honorarverträge und Scheinselbständigkeiten oder aber nur Alibi-Ausschreibungen aufgrund von Betriebsvereinbarungen oder gesetzlichen Vorschriften.

Das kann der aufmerksame Kritiker u.a. auch daran erkennen, daß die geforderten Fähigkeiten und Voraussetzungen der Stellen mit den Beschreibungen der Berufe (Berufsbildern) nicht übereinstimmen.

Fazit: Ich bleibe weiterhin im teilweisen Leistungsbezug, übe fleißig Honorartätigkeiten aus und freue mich über meine vielen erworbenen Zertifikate an der Wand. Ich werde weiterhin auch weitere Verträge abschließen, bis ich irgendwann soviel zusammen habe, daß ich auf die öffentlichen Leistungen verzichten kann.

Ich sollte in die Politik gehen.

Dumm ist nur, daß ich eine Aversion gegen Pappnasen und Sesselfurzer habe, die eine große Fresse riskieren, aber noch nie in ihrem Leben auch nur einen Tag auf öffentliche Leistungen angewiesen waren.

Ich glaube, ich wäre wohl ein wenig zu drastisch in meinen Reden. Und ein Nestbeschmutzer!

Aufgrund der Tatsache, daß ich ein Kind zu ernähren habe, das keinen Unterhalt erhält, kann ich mich auf Experimente in Bezug auf reine Provisionstätigkeiten nicht einlassen. So gern ich das auch machen würde. Denn hiesige Call-Center suchen laufend Betrüger Mitarbeiter, die SKL-Lose verkaufen und behaupten, sie hätten die Telefonnummer aus der Datenbank der Lotterie. Den Trick kenne ich. Immerhin kann man mit dieseer Masche Geld bekommen.

Alles in allem bleibt also alles, wie es ist. Kleingeld einholen für anspruchslose Tätigkeiten und monatlich brav abrechnen, damit nichts übrig bleibt. Aber wir Arbeitslosen müssen ja dankbar sein und den Großkotzen jeden Tag die Füße lecken.

Im Übrigen werden keine Umzugskosten gezahlt, wenn es einen Arbeitsvertrag außerhalb des Tagespendelbereichs gibt. Es werden keine Betreuungskosten für Kinder gezahlt. Es gibt nur Geld für den Arbeitgeber. Der Arbeitslose und zukünftige Arbeitnehmer kann schauen, wie er einen Umzug finanziert. Sollte hier eine Abschlußrenovierung und dort eine Einzugsrenovierung erforderlich sein, so hat er die Arschkarte gezogen.

Solche Leistungen gibt es nur für Arbeitslosengeld I-Bezieher. Sollte also ein Arbeitgeber in Süddeutschland auf die glorreiche Idee kommen, mich aufgrund meiner Bewerbung einzustellen, so ist er ein gemachter Mann. Unter der Voraussetzung, daß ich in der Lage bin, eine Mietkaution zu zahlen und den Umzug zu finanzieren. Von täglich 5,91 Euro für 2 Personen.

So macht die Arbeitssuche richtig Spaß, nicht wahr?

Weitere Honorarverträge für seriöse Tätigkeiten gesucht. Ich habe täglich im Schnitt noch etwa 16 Stunden Freizeit. Ich wage es, Angebote unterhalb von 1,50 Brutto Euro die Stunde abzulehnen.

Hoffentlich ist das jetzt nicht arrogant.

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