Wenn man ein Lied erklären muss ist es doof

Wenn man ein Lied erklären muss ist es doof, hieß es mal vor längerer Zeit irgendwo in meinem Erfahrungskreis. Doch meine eigenen Fragezeichen konnte mir auch niemand erklären, wenn ich ein Lied gehört oder ein GEdicht gelesen hatte, dessen Verständnis leider ausblieb. „Was will uns der Künstler damit sagen?“ gilt nicht nur für Bilder, sondern auch für Gedichte und Lieder. Ganz besonders große Probleme habe ich oft mit den Videos zu Liedern. Da höre ich einen richtig guten Song, bin neugierig auf das Video und anschließend völlig verwirrt. Weil die dort gezeigten laufenden Bilder nicht mit dem Text übereinstimmen und im schlimmsten Falle sogar eine völlig andere Deutung dahin klatschen.

In einer Dokumentation über den wunderbaren Herbert Grönemeyer sah ich kürzlich eine Erklärung eines Videoerstellers, dass er sich grundsätzlich nur die Melodie eines Songs anhören würde und nicht den Text. Er habe dann eine Idee und die würde später auch zum Text passen. Öh, das erklärt einiges, wie auch meine Verwirrung beim Anblick vieler Musikvideos. Und ich Dödel mache mir bei meinen hergestellten Liedern einen Kopf darüber, wie Musik, Text und Bilder zueinander passen könnten. Das ist offenbar ein völlig falscher Ansatz, glaubt man den Profis.

Wobei ich jetzt behaupten könnte, dass ein Musikvideo doof ist, wenn man es erst erklären muss, um es zu verstehen. Sicherlich ist Grönemyers Video zu „Mensch“ (das mit dem Eisbären am Strand) hervorragend, keine Frage. Ich wäre jedoch nie auf die Idee gekommen, zum Text dieses Liedes einen Menschen im Eisbärenkostüm zum Strand laufen zu lassen. Vermutlich wäre ich bei Menschenbildern geblieben.

Irgendwann in nächster Zeit werde ich für ein kleines freies Radio eine einstündige Sendung mit meinen Liedern gestalten. Und ich habe mir fest vorgenommen, dass ich zu jedem Song etwas sagen werde. Denn immerhin haben alle meine Texte eine Geschichte, aus der sie entstanden sind und das gehört erklärt, finde ich. Das hat nichts damit zu tun, dass die Texte kryptisch wären oder gar völlig unverständlich. Vielmehr ist es mir wichtig, die Hintergründe zu berichten und vielleicht ein kleines „Aha“ anstelle eines möglichen Fragezeichens anzustoßen. Denn wer vermag schon diese Zeilen richtig zu deuten

„Seelen warten, eingepackt
Bis der erste Atem knackt“?

Sicher wird das nur in dieser einen Sendung erklärt werden. Doch mir ist es einfach wichtig, auch wenn vielleicht nur eine Person diese Sendung hört.

Also, ich bin keineswegs der Meinung, dass Lieder, Texte und Gedichte doof sind, wenn man sie erklären muss. Dafür bin ich häufig selbst einfach zu begriffsstutzig, um es mal norddeutsch auszudrücken. Immerhin leite ich in meinen Lesungen von der einen vorgetragenen Geschichte zur nächsten über, indem ich oft etwas darüber erzähle, wie sie zustande gekommen ist. Was ja auch durchaus eine Erklärung sein könnte.

Kreativkonferenz mit einer Achtjährigen

Gestern Telefonkonferenz zwischen Komponistin und Produzent, sprich Enkeltochter (8) und Opa (66). Wir besprechen ihren Text und ihre Melodievorstellungen, klären die Anweisungen an die Software (Prompts) und die weiteren Schritte bis zur ersten Herstellung der Enwwürfe des gemeinsamen Projekts. Insgesamt dauerte die Konferenz rund 45 Minuten und am Ende erklärt die Achtjährige, dass sie sehr begeistert wäre, wie gut wir gearbeitet hätten und weitergekommen wären.

Mein Eindruck war, dass wir störungsfrei sehr fokussiert miteinander sprechen konnten und damit für das Kind einen erschreckend frühen Schritt in die spätere Arbeitswelt geleistet haben.

Andererseits ist es wunderbar zu erleben, wie schnell sie verstanden hat, dass es keineswegs damit getan ist, einige Worte einer KI zu fressen zu geben und dann das Ergebnis widerspruchslos zu akzeptieren. Vielmehr will und kann sie den überwiegenden Einfluss darauf nehmen, wie das Ergebnis ihren eigenen Vorstellungen entsprechen soll. Und ich schule sie darin, wie sie das technisch mit den entsprechenden Befehlen umsetzen kann.

Wir haben mächtig viel Spaß dabei, ohne ihre zur Verfügung stehende, geringe Bildschirmzeit zu überziehen.

Cover Bitro Ewentino


Das Bild zeigt das Cover ihres ersten Liedes, das sich unter ihren Freundinnen zum kleinen Hit entwickelt hat.

Viele Themen, kein Stress

Im April waren wir im Urlaub mitsamt Wohnwagen und Familientreffen. Zudem gab es noch eine kurze Rückreise den halben Weg, da eine meiner Schwestern ihren Geburtstag feiern wollte und konnte. Unabhängig vom Wetter und allem sonstigen Gedöns war lediglich die staubehaftete Rückreise etwas außergewöhnlich. Die verbrachte die Liebste auf dem Beifahrersitz nämlich telefonierend mit der achtjährigen Enkeltochter im Auto ihrer Eltern sitzend etwa sechs Kilomter vor uns auf der Autobahn. Das war lustig und ich, der Oppa, brachte auf diese Weise der wissbegierigen Großtochter bei, was die Zahlen auf den blauen Schildern alle 500 Meter zu bedeuten haben. Den Abstand zwischen uns ausrechnen war dann für sie ein Klacks.

Ein weiterer Kurzurlaub, verbunden mit einer Vorstandssitzung meines Nebentätigkeits-Arbeitgebers bracht euns für einige Tage nach Kassel und mich dann im jugendlichen Leichtsinn von ganz unten nach ganz oben auf den Herkules. Drei Tage Nachfolgeschmerzen inklusive.

Seit Anfang Mai arbeite ich wieder. Dieses Mal als pädagogische Fachkraft und Projektleitung für ein Arbeitslosenprojekt als Maßnahme für Bürgergeldempfangende. Hier eine sinnstiftende und fördernde Maßnahme bei einem träger, mit dem ich auf der anderen Seite schon fast 13 Jahre zusammengearbeitet habe. Halbe Wochenstundenzahl, weniger Geld als vorher, aber auch keine Arbeit, die mich an meine Grenzen bringt. Es ist einfach eine hübsche Arbeit für mein Rentnerdasein und ich könnte sie vermutlich noch die nächsten 10 Jahre ausüben. Schauen wir mal.

Das Legoeisenbahnprojket stirbt vermutlich mangels weiterer konkreter Interessenten und Raumgeber. Nun ja, da wird sich etwas anderes auftun. Langsam bin ich es auch mal wieder müde, in meiner Kreativität immer wieder durch andere Leute ausgebremst zu werden und auf sie angewiesen zu sein. „Dann mache ich es eben selbst!“ entstand Anfang der 2.000er Jahre aus Trotz und Anlaß von Lesungen und dummen Verlagen und „Verlagen“. Und es hat sich für mich immer wieder bewährt, nicht lange nach Mitmachenden zu fragen, sondern einfach selbst etwas anzufangen und nach und nach Neugierige mit einzubinden. Wenn ich darauf warte, dass irgendwann einmal alle Interessierten soweit sind, ihre Bedenken und Fragen geklärt zu haben, bin ich schon woanders. Darum nenne ich mich manchmal auch „Initiator“ und nicht irgendwie „Treibende Kraft“ oder „Motor“.

Ein Klassentreffen nach 50 Jahren organisiere ich derzeit auch noch und da trudeln, dem schleppenden Postweg sei Dank, nach und nach die vor drei Wochen versandten Briefe als unzustellbar wieder ein. Oder als positive Mail-Reaktion derer, die gern mit dabei sein würden. Läuft also.

Was aus dem vorherigen Beitrag vielleicht herausklang war die einfache Tatsache, dass die Sache mit den Rentenzahlungen etwas schwierig ist. Soweit es die Rente der Deutschen Rentenversicherung angeht, so läuft diese bei rechtzeitiger Antragstellung recht unkompliziert. Über die Anpassung der „unproduktiven Renten für unproduktive Rentner“ an das Lohngefüge will ich gar nicht erst anfangen zu erzählen. Das ist eines dieser politisch gewollten Bockshörner, in das sich alle, ausgenommen die Rentenbeziehenden, jagen lassen. Um es kurz auszudrücken: Die arbeitende Bevölkerung erhält einen Ausgleich für Inflation und gestiegene Kosten nach Verhandlung der Tarifpartner in beidseitig zufriedenstellender Höhe. Die Rentenbezieher erhalten aus nicht nachvollziehbaren Gründen eine Steigerung in nicht vollziehbarer deutlich geringerer und nicht ausgleichender Höhe. Das Wort „Schmarotzer-Verwurf“ fällt mir dazu noch einmal ein. Nun ja, vielleicht gründe ich ja eine Rentenbeziehenden-Gewerkschaft. Die DRBG, umgangssprachlich „Verarscht uns nicht“-Gewerkschaft. Das Beruhigende ist aber dabei, dass die Zahl der Rentenempfangenden, addiert mit der Zahl der Studierenden (also der unproduktiven Erwachsenen) bald höher sein wird als die der Bürgergeldempfangenden und Arbeitenden. Da bahnt sich etwas an, wovon noch keiner etwas zu wissen scheint.

Doch egal wie, ich harre der nunmehr dritten Neuberechnung der beiden Zusatzrenten nach der immensen Erhöhung um einen Prozent, der Einigung über die Höhe der Krankenversicherungsbeiträge und der dann neu zuberechnenden Steuereinbehalte. Ich vermute stark, dass viele Rentenbeziehende die durchgehend gleich hohe und regelmäßige Zahlung ihrer Renten häufig nicht mehr erleben. Sarkastisch spreche ich übrigend neben Deutsch, Englisch und anderen Sprachen auch. Ironisch natürlich ebenfalls. Aber das ist ein anderes Thema.

Maßlosigkeit ab sofort

*ironiemodusan*

Vielen herzlichen Dank für die Erhöhung meiner Zusatzrente durch die gesetzlich festgelegte Rentenanpassung in Höhe von 1 Prozent. Diese macht nach Abzug der dann ebenfalls höheren Steuern eine kaum noch zu überschauende Rentenerhöhung von 94 Cent im Monat aus.

Das reicht immerhin für ein besonderes Bäckerbrötchen pro Monat.

Bei wem darf ich mich jetzt persönlich bedanken? Bin ja Neurentner und kenne mich noch nicht so aus mit diesem ganzen Erhöhungsgedöns.

*ironiemodusaus*

Ankunft bei neu

So denn, das „Outing“ über den neuen Arbeitsplatz hat bei den ersten Ex-Kolleginnen und -Kollegen schon stattgefunden.

Und ich muss sagen, dass es sich gut anfühlt, den Blickwinkel auf das nun von mir zu führende Projekt erneut gewechselt zu haben. Demnächst wird dann wohl auch vermutlich mein Name in den offiziellen Kontaktdaten zu sehen sein.
Vollkommen ungewohnt sind für mich die Arbeit in Teilzeit und der Arbeitsweg per Fahrt mit dem öffentlichen Bus.

Schön fühlt sich jedoch die Gelassenheit an, mit der alles vonstatten geht. Da machen sich Alter, Erfahrung, Bekanntheitsgrad und der sichere private Hintergrund schon sehr bemerkbar.

Stichwort Versorgungsausgleich

So langsam werde ich zum Rentenexperten aus eigenen und von anderen nachgewiesenen Erfahrungen.

Heute das Stichwort „Versorgungsausgleich“, der bekanntlich bei Scheidungen stattfindet.

Hinreichend bekannt ist es ja vermutlich, dass die Rentenanwartschaftspunkte bei einer bevorstehenden Scheidung gegeneinander aufgerechnet und die Differenz der in der Ehezeit erworbenen Punkte halbiert und ausgleichend verteilt wird. Das bedeutet im günstigsten oder ungünstigsten Falle, je nach Betrachtungsposition, einen Rentenzugewinn im Alter oder einen Rentenverlust.

Stirbt der ehemalige Partnermensch mit bekommenen Punkten vor Bezug seiner Rente oder kurz danach, können die einst abgegebenen Rentenpunkte wieder zurückgeholt werden. Angeblich soll das automatisch passieren, doch aus eigener Erfahrung empfehle ich einen formlosen Antrag an die Deutsche Rentenversicherung bei Kenntnis des Todes des Ex-Partners/der Ex-Partnerin. So weit, so gut und so einfach.

Das gilt nicht für eventuelle Zusatzrenten wie die aus dem öffentlichen Dienst, eigene Rentenrücklagen, Riestergedöns, Betriebsrenten uvm., von denen im Scheidungsverfahren das Gericht erfahren hat. Für die gibt es nämlich diesen Rückausgleich nicht. Weg ist also weg, bzw. mit ins Grab genommen.

Aber: Zu meiner heutigen Verblüffung musste ich herausfinden, dass bei meinen beiden Scheidungen nur ein Gericht die damals noch ruhende Zusatzrente berücksichtigt hat. Das andere Gericht hat sie im Versorgungsausgleich nicht berücksichtigt, warum auch immer. Vielleicht hat jemand einen Fehler gemacht oder eine Auskunft wurde zu spät erteilt, oder was auch immer. Mir war damals egal, mit welchem Wortgetöse gescheiden wurde, Hauptsache ein Ende war gesprochen und ich konnte wieder neu anfangen.

Was in diesem Falle des Einen Glück und des Anderen Pech ist, da das Urteil schon lange rechtskräftig ist. Auch wenn es nur um den Wert einer Kiste Bier pro Monat geht (einschließlich Pfand).

Also dann Ihr Lieben in Beziehungen: Die Folgen einer Scheidung holen Euch auch nach Jahrzehnten der scheinbaren Ruhe danach immer wieder ein. Entweder als Plus einer zusätzlichen Rente auf Eurem Konto, die Euch immer an das ehemalige Drama erinnert oder als fehlende Kiste Bier am Monatsende.

Die Sache mit dem täglichen Bloggen

Ich hatte mir ja vor einiger Zeit vorgenommen, wieder täglich etwas aufzuschreiben, in den Blog zu bringen. Um es vorweg zu nehmen, es hat nicht geklappt.

Die Gründe sind vielfältig wie das Leben. Manchmal vergesse ich es, häufig geht niemanden an, was in meinem Leben gerade passiert und meistens passiert so viel, dass es ein irre langer Beitrag werden würde.

Ich könnte über den Besuch mit den Enkelkindern und ihrem Vater in der Show der Ehrlich Brothers in Dortmund berichten. Mit dem Schwiegersohn deshalb, weil die Liebste übelst erkrankt ist. Auch das allein wäre schon bloggenswert, gerade meine Sorge um sie. Dann die Sache mit einem neuen Arbeitsplatz ab dem 01.05.2026 und damit dem Ende des vollen Rentnerdasein, das am 01.03.2026 begann. Die weiteren Experimente mit der Musik unter Mithilfe der KI und einem erstaunlichen Ergebnis zu meiner Lebensgeschichte mit diesem missratenen Konstrukt Körper, in dem ich lebe.

Es gibt also viele Themen, die ich sehr ausführlich behandeln könnte. Es fehlt die Zeit zum Schreiben und eigentlich sollte ich mir überlegen, nicht doch das Projekt Bloggen als Podcast mal ernsthaft anzugehen. Ich könnte lieber erzählen als schreiben. Doch dann wäre wieder mein Anspruch an die Qualität der Aufnahme und das war es dann wohl. Und eigentlich kann man sich Sätze mit dem Wort „eigentlich“ sparen.

Nun ist doch noch ein Beitrag darüber entstanden, weshalb keine Beiträge kommen. Oder zumindest weniger als geplant.

Dem alten weißen Mann ist es egal

Mein Menschenbild und meine Einstellung zur Gleichberechtigung haben sich mit meinen Lebensjahren verändert. Ich schicke gleich vorweg, dass meine heutige Welt so bunt ist, dass ich die meiste Zeit des Alltags nicht mehr wahrnehme, ob der Mensch in meiner Nähe weiblich, männlich, schwul, dunkelhäutig oder was auch immer ist. Dagegen nehme ich Ausstrahlung wahr, Besonderheiten in den Bewegungen, Lächeln und eben die Feinheiten, die sonst im Alltagsdröhnen nicht beachtet werden.

Als Kind bin ich mit dem männlichen Frauenbild der 60er Jahre aufgewachsen, wurde zum Scheidungskind, habe niemals ein Muttergefühl erlebt und wurde mit einem Vater groß, der sich selbst als gefühlskalt und ausschließlich sachlich bezeichnete. Dass er meine Mutter und damit seine Ex-Frau bis aufs Blut hasste und sein Leben lang zumindest mit Verachtung und Diskreditierung verfolgte, hat er wohl nur sich selbst gegenüber rechtfertigen können.

Meine letzte Ehe vor dieser verlief in Chaos und Gewalt. Eine Frau, die schlimme Dinge tat, sich selbst in ihren Minderwertigkeitskomplexen als großartig darstellte und daheim blutige Narben an mir und meiner Psyche erzeugte. Ich war draußen im Berufsleben der Starke, begann Männer zu verachten und daheim wurde ich immer mehr zu einer weichen Masse ohne jede Greifbarkeit. Frauen wurden für mich zu einem unerfüllten Wunschtraum, nachdem insgesamt vier vorherige Beziehungen ebenfalls chaotisch verliefen. Dagegen wurde mein Männerbild immer deutlicher, die Ablehnung der Männlichkeit an sich immer klarer.

In einem langen Reifungsprozess über eine einige Jahrzehnte hinweg, an dem meine berufliche Arbeit mit Menschen, denen es schlecht geht, sehr beteiligt war, veränderte sich mein Geschlechterbild. Ich bin heute der festen Überzeugung, dass jeder Mensch gleichermaßen das Recht hat, alle Dinge zu erlernen und zu tun, soweit sie andere Menschen nicht in eben diesem beeinträchtigen. Das heißt im Umkehrschluss auch, dass niemand das Recht hat, eine andere Person aufgrund irgendeiner Eigenschaft, wie dem Geschlecht oder der Herkunft, zu diskriminieren oder zu benachteiligen. Das gilt für mich in allen Lebensbereichen. Ich käme als alter weißer Mann niemals auf die Idee, die Kompetenz und Arbeit der Handwerksmeisterin anzuzweifeln, die in unserem früheren Wohnhaus die Heizungsanlage betreut hat. Ebenso wenig kommt mir der Gedanke, dass eine meiner früheren Kolleginnen die männlichen Kunden anders behandeln würde als die weiblichen. Da die letzte Arbeitsstelle zudem in einem internationalen Team war, gilt das auch für die Tatsache der Herkunft, die mir völlig egal ist. Für mich ist es lediglich hochinteressant zu wissen, wie diese Menschen aufgewachsen, geflüchtet oder sich dorthin entwickelt haben, wo sie nun sind. Ich bin eben neugierig und will wissen und verstehen.

Natürlich schaue ich als nicht schwuler, alter, weißer Mann auch gern hübsche Menschen an. Ich erfreue mich ultrakurz an ihrem Anblick und das war es. Ich starre nicht, ich pfeife nicht hinterher, ich lade nicht zum Kaffee ein und ich zwinge ihnen keine Gespräch auf, ebenso wenig wie ich sie berühre. Das darf niemand und schon gar nicht in meinem Alter. Ich bemühe mich um Freundlichkeit gegenüber den Kassierenden an der Supermarktkasse, lache über die Doofen, die bei einer Kassenöffnung von ganz hinten in der Schlange an diese rennen und ärgere mich über dumme Autofahrende. Wie die geneigte Leserschaft sicher feststellt, benutze ich die deutsche Sprache verallgemeinernd wie spezifisch.

Für mich darf jeder Mensch arbeiten, anziehen, lieben und leben wie er oder sie oder wie auch immer will. Es ist mir egal. Solange andere nicht darunter leiden müssen. Verhält sich jemand dagegen, gehört er bestraft. Und dazu braucht es nicht nur Gesetze, sondern auch gesellschaftliche Akzeptanz der absoluten Gleichberechtigung.

Natürlich kann ich keine Kinder gebären. Erstens wegen meines Alters und zweitens aufgrund fehlender biologischer Voraussetzungen. Dennoch habe ich das Recht, als Nichtgebärender akzeptiert zu werden. So wie Frauen, die sich gegen eigene Kinder entschließen. Andererseits habe ich nicht das Recht, meine vielleicht andere Körperchemie dafür einzusetzen, einen Menschen zu missbrauchen, nur weil ich es kann. Ich denke, dass gehört zur Menschlichkeit und zur Eigenschaft als soziales Wesen.

In Gesprächen über Sexualität bezeichne ich mich immer als lesbisch und ernte damit Verwunderung. Vielleicht wird es Zeit, auch diese Bezeichnungen aus unserem Sprachgebrauch zu streichen. Es täte gut, wenn wir nicht mehr zwischen uns diversen Unterschieden Unterschiede machen könnten. Aus meiner Sicht können Worte wie „hetero“ und „Ausländer“ ohnehin aus dem Sprachgebrauch verschwinden. Sie sind in einer vernünftigen und respektvollen Welt nicht notwendig.

Wenn aktuell gerade die Sache Ulmen / Fernandez zum Anlass genommen wird, wieder einmal gegen Männer als Urheber allen weiblichen Übels zu agieren, kann ich nur sagen, dass im Falle dessen, wenn es sich wirklich zu zugetragen hat, der Mensch Ulmen ein Arschloch ist. Unabhängig davon, ob er männlich oder was auch immer ist. Dass zudem die meisten Kriegstreibenden dieser Welt Männer sind, heißt nur meines Erachtens nur, dass diese Typen machtgeile Irre sind und es auch wären, wenn sie weiblich und an der Macht wären. Ich bin mir sicher, dass im Falle dessen, dass die religiöse Entwicklung nicht das Patriarchat sondern das Matriarchat zur Grundlage hätte, wir alle aktuellen Probleme der Gleichberechtigung umgekehrt erleben würden. Ich habe in meinem Leben Frauen nicht als grundsätzlich friedvoller erlebt als Männer. Nur anders erzogen und entwickelt. Und das sollte sich nun schleunigst ändern. Die Zeit ist mehr als reif dafür.

Die Sache mit der KI in der Musik

Aktuell wird sehr hitzig über die Nutzung von künstlicher Intelligenz in der Musik diskutiert. Es scheint mir, als würden sich erneut die Fronten aufbauen und verstärken. Ja, sogar vielleicht schon bekämpfen. Denn erste Berichte von Ausschlüssen aus den Charts bei „Feststellung einer KI-Nutzung bei einer Chart-Platzierung“ gehen schon die Runde.

Das erinnert mich doch sehr an die Ablehnung der Beatles, die vehemente Ablehnung deutscher Coversongs von internationalen Hits, die Nutzung westlicher Musik durch das Amiga-Label der DDR, das Verbot von durch Synthesizer erzeugten Klängen in der britischen Popmusik durch die Gewerkschaft, die anfängliche Verachtung von Samples der DJs und DJanes, und so weiter und so weiter. Da geht es letztendlich immer darum, dass bisherige Musiker und Künstler ihre Arbeit nicht geschätzt und bezahlt sehen. Und es geht darum, dass junge Menschen den alteingesessenen Künstlern einen neuen Weg zeigen, Kunst zu erzeugen und unter die Leute zu bringen. Es ist also der ewig schon bekannte Konflikt zwischen Alt und Jung, so scheint es mir.

Doch was genau macht denn nun die KI in der Musik? Macht sie etwas anderes als der Künstler, der stets vollmundig erklärt, seine Kindheitsidole wären die Rolling Stones und Deep Purple gewesen? Oder macht sie etwas anderes als der DJ, der aus vielen Soundschnipseln und seinem wenigen Text einen Chart-Hit baut? Nein, sie macht es ebenso, denn die KI greift auf „Erfahrungen“ zu und baut daraus entsprechend der Befehle des Menschens, der vor der Software sitzt, etwas Neues zusammen. Das ist wie ein großer Haufen LEGO-Steine, aus dem man sicher entsprechend einer mit Copyright geschützten Anleitung genau das dort gezeigte Modell oder etwas eigenes aus eigener Fantasie, Gesehenem oder Erlernten schaffen kann. Habe ich viel Erfahrung, viel Erlerntes und viele Steine, kann ich viel Neues schaffen, obwohl ein grauer Vierer immer ein grauer Vierer bleibt.

Es kommt bei alledem, wie schon die GEMA in ihrer Stellungnahme zur KI schon richtig schreibt, auf die Schöpfungstiefe an. Schreibe ich einer KI „Erschaffe ein Lied“, hat das keine Schöpfungstiefe und ich genieße kein Recht an dem Produkt (auch wenn aktuell das Ganze mit einer kommerziellen Pro-Version der KI noch anders aussieht). Gebe ich der KI jedoch einen eigenen Text vor, weise sie mit Befehlen zu bestimmtem Verhalten an und korrigiere sogar noch die entstandenen Werke, um sie weiter zu bearbeiten, dann habe ich ein eigenes Produkt geschaffen. Und dieses hat aus meiner Sicht und Erfahrung die gleichen Rechte und Verdienste wie ein auf der Gitarre selbst gezupftes Lied, dessen Noten von Hand auf das Papier gebracht wurden.

Wenn ich als schreibender Autor für meine Texte, die ich mir alle selbst ausdenke, ein Programm wie Microsoft Word und eine Rechtschreibprüfung nutze, das Ganze dann zur pdf-Datei exportiere, auf einen Server in den USA hochlade, um daraus mittels einer weiteren Software ein gedrucktes Buch herstellen zu lassen …
… dann mache ich beinahe ebenso viele Fehler in den Augen von Martin Luther, der seine Bibelübersetzungen von Hand hat schreiben lassen. Und später ebenfalls drucken liess.

Wir werden um elektronische Musik nicht mehr herumkommen und wenn sie uns gefällt, warum auch nicht? Die „handgemachte“ Musik wird nicht sterben, darüber mache ich mir keine Sorgen. Alles wird nebeneinander existieren können und nur die Hörenden werden entscheiden, was sie hören möchten. So wie damals, als die Alten die Beatles verteufelten und die Jungen sie vergötterten. Heute sind sie Kult. Wie die DJs und DJanes der Techno-Zeiten und auch ein Ennio Morricone, der ohne jeglichen Protest elektronische Zutaten einsetzte.

Ich zitiere Cicero, der vor unserer Zeitrechnung aussprach „O tempora, o mores!“, was im Asterix frei mit „Andere Zeiten, andere Sitten!“ übersetzt wurde. Was auch falsch ist, aber im heutigen Sprachgebrauch niemand mehr weiß.

Der Tod kommt plötzlich

Die Liebste und ich beschäftigen uns schon länger mit der Sache des Versterbens. Man muss einfach schon früh darüber sprechen, damit „die Dinge geregelt sind“, wenn es irgendwann einmal soweit ist. Unsere Erfahrungen zeigen, dass es für Angehörige und Verbliebene schlimm ist, wenn absolut nichts geplant, getan, geregelt ist. Beim Tod eines Angehörigen gibt es unglaublich viel zu tun, schwere Entscheidungen zu treffen und das in einer Situation, in der ein klarer Verstand sicher nützlicher wäre, als eine ohnehin schon emotionsbelastete Situation.

Wir haben uns die diversen Szenarien vor dem Versterben in Gedanken angesehen und sind dann eines Tages (aus Gründen, die in meiner Verwandtschaft liegen) zum örtlichen Notar gegangen. Testamente, Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen waren das Ergebnis dieser beiden Termine und eine große Erleichterung, dass alles klar und deutlich verfügt ist. Was uns noch fehlt, ist das für uns passende Grab. Über das wie sind wir uns einig, es braucht nur noch sozusagen die Buchung der letzten Ruhestätte.

Denn wie ich gerade erlebe, kann es auch ganz anders werden. Die Schwägerin ist im Alter von 57 Jahren in der Nacht aufgewacht, hat merkwürdige Geräusche von sich gegeben und ist aus dem Bett gefallen. Der Bruder hat weder Puls noch Atmung feststellen können und hat die 112 angerufen. Er konnte aufgrund der schlechten Liegeposition nicht mit der Reanimation beginnen und musste auf die alarmierten Ersthelfer aus der Kleinstadt warten. Der anschließend eintreffende Rettungsdienst hat die Reanimation erfolgreich beenden können, doch waren laut späterer Feststellung bereits dreiviertel des Gehirns ohne Funktion, da zu lange der Sauerstoff gefehlt hatte. Die Folge war nun die Abschaltung der Geräte und somit trat der Tod nach einer Woche Intensivstation und Koma ein.

Es gab wohl eine Patientenverfügung und eine Sterbeversicherung, doch aufgrund der persönlichen Lebenssituation der beiden herrscht nun Chaos bei der Planung und in den Handlungen. Unsere Schwester kümmert sich aufgrund örtlicher Nähe und bremst den Bruder immer wieder aus, wenn es um völlig überzogene Wünsche geht. Zumal die finanzielle Situation dort nie gesichert war und eher im Gegenteil jetzt erst richtig die Probleme auftauchen werden. Es hängen auch noch eine Betreuungsregelung für das Kind und ein auf die Verstorbene eingetragenes Eigentum und vieles mehr an diesem Tod. Das alles war vorher nicht besprochen und vor allen Dingen geschrieben. Und da sehen wir alle riesige Probleme auf den Bruder zukommen.

Ich kann daher nur eindringlich dazu raten, sich schon in jungen Jahren darüber Gedanken zu machen, was geschehen soll, wenn man plötzlich handlungsunfähig wird oder verstirbt. Denn das kann von einer Sekunde zur anderen eintreten. Natürlich kann man denken „Was kümmert mich das, ich bin ja tot?“. Doch ich kann sagen, dass es für mich eine große Erleichterung ist, dass meinen Hinterbliebenen „nur“ das Abgeben der Unterlagen an den Bestatter und das Ausräumen meiner Wohnung überlassen ist. Das macht mir das Leben vor dem Tod leichter.