Was bleibt ist Unsicherheit

Ich hatte gestern ein Vorstellungsgespräch. Beworben hatte ich mich für eine Tätigkeit als Arbeitsvermittler in einer Maßnahme bei einem sozialen Bildungsträger. Teilzeit, ab sofort, kirchlicher Tarifvertrag, gute Maßnahme und für mich ein bekannter, solider Träger.

Im Gespräch stellte ich fest, dass die Entscheiderinnen für dieses Projekt voller Begeisterung sind und für ihre Arbeit brennen. Ich hingegen habe mich aller gebotenen Begeisterung für meine Arbeit dargestellt und meines Erachtens gut verkauft.

Ich habe noch weitere Bewerbungen laufen, es steht nun seit gestern doch noch ein Gespräch mit der Chefetage an und ich bin mir nicht sicher, ob ich wirklich nahtlos für 1.100 €uro brutto weniger im Monat für 6 Monate und danach für weitere 12 Monate befristet angestellt sein möchte. Im schlimmsten Falle bin ich dann fast 68, wenn ich wieder einen Job suchen müsste. Leichter wird es mit den Jahren sicher nicht.

Nun, man führt jetzt weitere Bewerbergespräche und wird sich melden. Was in mir zurückbleibt, ist die Unsicherheit.

Sport ist noch immer nicht meins

Ich habe Reha-Sport verordnet bekommen. Wegen der üblen Rücken-Operation gab es für mich nach der Physiotherapie und der Akupunktur dann eben auch Sport für Menschen mit Rückenproblemen. Sportler würden über einmal wöchentliches Armekreisen, Beinheben, Dehnen und Körperraufundrunterdrücken lachen. Ich könnte vor Schmerzen schreien und komme nach drei Minuten schon ins Schwitzen.

denke ich an den alten Nazi zurück, der mir in der Realschule in seiner Eigenschaft als Sportlehrer den Sport und das Leben vermiest hat, werde ich wütend. Mein Leben wäre sicher anders verlaufen, hätte man damals schon meinen vermurksten Körper anders zu Aktivitäten gebracht, als mit Anschreien und Beleidigungen, ja sogar mal einer Ohrfeige.

Nun gut, mein Sport bestand dann als Kind und Jugendlicher aus Radfahren, Schwimmen und Judo. Als Erwachsener sanierte ich dann Häuser und fällte Bäume, schleppte die Baumstämme, hackte tagelang Holz und saß zum Ausgleich im Büro.

Heute muss ich mich zu diesem Reha-Sport zwingen, auch wenn es mir letztendlich doch ein klein wenig Spaß macht. Glückshormone habe ich nicht, aber immerhin Adrenalin. Und das ist ja auch etwas, das in Schwung halten kann.

Praktikumsfrage

Ich habe an meinem Hauptarbeitsplatz auf die letzten Arbeitstage hin noch einen Schülerpraktikanten an die Seite bekommen. 16 Jahre alt, 9. Klasse Realschule und mit dem Wunsch, meinen oder einen der Berufe in unserem Betrieb zu erlernen.

Was mir im Vergleich zu meinem Praktikum von vor 51 Jahren auffällt, ist nicht viel. Desorientiertheit zur Berufswahl, wenig Ahnung von dem, wie es im Lande so läuft und überhaupt keine Vorstellung davon, was Arbeit eigentlich ist und welche Bedeutung sie hat. Alles gut, war bei mir auch so.

Doch dieser junge Mensch braucht weder ein Praktikumstagebuch schreiben, noch später ein Referat darüber halten und auch der Klassenlehrer kommt vermutlich nicht zu Besuch in den Betrieb. Und wenn doch, dann unangemeldet und unangekündigt. Wobei ich mich auf die Aktion freue, wenn er am Eingang ohne Termin mit mir erscheint und konsequent vom Sicherheitsdienst abgewiesen wird.

Nachhaltigkeit geht anders, finde ich. Wie soll dieser Schüler selbst und für die Mitschüler reflektieren, wie das Praktikum war und welche Schlüsse er daraus gezogen hat? Ist das heute Schule im Allgemeinen oder nur eine kleine Besonderheit?

Scotty! Energie!

Wir haben gestern den Wohnwagen gewaschen (also ich in der händischen Waschanlage mit viel zu kleiner Bühne, um gut auch das Dach zu waschen), das Vorzelt nach dem Weihnachts- und Silvesterurlaub endlich wieder in der Garage ordentlich zusammengelegt und verstaut, und letztlich dann auch noch den Wohnwagen wieder eingeräumt und dabei gleich unnötig angeschafften Kram beiseite gelegt. Zudem haben wir noch das geschafft, wovon ich nicht zu träumen gewagt hatte. Wir haben die neue Sackmarkise montiert. Nun ist der Wohnwagen wieder reisefertig, auch wenn noch das Wasser im Frischwassertank fehlt. Das allerdings hat seine Rechtfertigung, weil es ja durchaus noch Frost geben wird und eine gefrorene Warmwassertherme wird platzen. Das ding auszutauschen ist dann nicht nur teuer, sondern auch kein Spaß für dicke Menschen wie mich.

Jedenfalls war ich völlig körperlich erledigt nach dem gestrigen Tag. Die Fibromyalgie brüllte im Körper herum, der Rücken tat sein Übriges hinzu. So war ich gegen 20 Uhr im Bett und habe tatsächlich bis 5 Uhr heute früh durchgeschlafen. Aus purem Widerstand gegen die vermeintliche Wachheit bin ich noch im Bett geblieben und habe so meinen Gedanken halb träumend nachgehangen. Und so kamen mir schwuppdiwupp melodische Gedanken zu einem schon lange wieder einmal in der Schublade liegenden Songtext. Mithilfe meiner Softwares (öh … mehrere Software schreibt man wohl so, obwohl es sich komisch anhört) kombinierte ich dann heute diese Gedanken zu Ende, sampelte hier, packte dort zusammen, drehte hier noch an einer virtuellen Schraube und dort noch ein wenig am Text. Am Ende hatte ich dann doch mehrere Versionen eines Songs erzeugt, die mich alle zufrieden stellten.

Diese Energie, die durch Aufräumen, Leeren, Zufriedenheit und fiesen Schmerzen entsteht, scheine ich öfter zu brauchen, um kreativ produktiv zu werden. Das Gedicht, aus dem der Songtext entstand, existiert schon sehr lange. Wie so viele Texte, die in den virtuellen Schubladen, oder besser Ordnern auf der Festplatte lagern. Es braucht immer ein Herangehen, einen Moment der Idee und dann die Zeit, verbunden mit der Lust, es in diesem Moment zu tun.

Ok, das Video habe ich dahingemalt. Ich hatte keine Lust auf KI-generierte Videos, die entweder gut und kostenpflichtig oder einfach nur doof sind. Also bleibt es beim statischen Bild. Wie geschrieben, ich texte, denke mir eine Melodie aus, sample sie dann bis zum Treffer und am Ende kommt dann etwas heraus oder nicht. In diesem Falle nun das hier:

Ach so, das Vorgängerding in Sachen Texten und dann endlich nach nicht ganz 30 Jahren in der Schublade zu einem fertigen Song zu machen, ist „Colorful World“. Was eigentlich mal als ein Projekt gedacht war und mit der uralten Software „Dance eJay“ in den 90er Jahren versucht wurde, konnte dann 2024 in die Welt gesetzt werden. Allerdings mit KI-Video, was mich nicht so ganz befriedigt. Hier hätte ich mir lustige und viele verschiedene „Küsschen-Bilder“ von allen möglichen Menschen und den Konstellationen dazu gewünscht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Here we go:

Keine Zeit, keine Lust und dennoch …

… fehlt mir das tägliche Bloggen.

In den Anfangszeiten dieses Blogs, damals noch unter der Url tagesblog.de ohne Bindestrich, schrieb ich täglich auf, was ich den Tag über erlebt habe oder was mich bewegte.

Dann rannte mir die Zeit davon, ich begann die intensive Vollzeittätigkeit mit Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Ich hätte genügend blogbares Material, doch der Datenschutz, Schutz der Persönlichkeit und all diese Dinge hemmten mich. Na klar, es hätten auch weiterhin die Mahlzeiten sein können, Urlaubsberichte und das ganze Blablabla des Lebens drumherum. Doch irgendwie war die Luft raus und, Blogger kennen das, es stellte sich die Frage für wen und aus welchem Grund überhaupt noch bloggen.

Irgendwann im vorletzte Jahr habe ich dann meine ganzen facebook-Äußerungen hier ins Blog übertragen und in täglicher Kleinarbeit zumindest mit vernünftigen Überschriften versehen. Und nun, so kurz vor der erzwungenen und nicht gewollten Rente, habe ich mir überlegt, dass ich doch noch einmal den Versuch starten werde, wieder täglich etwas zu schreiben. Denn immerhin habe ich dieses, diesen Blog einst auch als Tagebuch und Erinnerungsbuch für mich genutzt. Als Rechtfertigung für mein Leben, als geschriebene, erlebte Geschichte für mich und am Ende für die kurze Zeit zwischen dem Moment meines Todes und dem des Löschens, weil mein Provider kein Geld mehr für den Serverplatz bekommt.

Dabei fällt mir die absichtliche oder unabsichtliche Weisheit eines früheren Freundes ein, der seinem Provider in einer Zeit, als es ihm finanziell gut ging, derart viel Geld überwiesen hat, dass er vermutlich noch 20 Jahre nach seinem Tod noch virtuell am Leben bleibt. Es sei denn, der Provider geht pleite. Das digitale Erbe ist so eine Sache, die bei uns hier im echten Leben ungeklärt und in Gesprächen unerwünscht ist. Tod bedeutet gleich Abschaltung des digitalen Seins, abgesehen von den laufenden (kostenlosen) Accounts. Die werden dann sicher irgendwann gelöscht.

Ich gehe da sehr pragmatisch an die Sache heran. Wo ich mir früher ein Grab mit Grabstein, eine ewige Erinnerungsseite und mehr gewünscht hatte, ist es mir inzwischen egal, was von mir übrig bleibt. Die Erinnerung an mich wird bleiben. Und zwar bei denen, die sich gern an mich erinnern. Mehr braucht es nicht. Und für das digitale Leben gibt es letztendlich auch die wayback machine des Internets. Und die NSA vermutlich. Aber das ist eine andere Geschichte.

Nun, wir werden lesen, was aus meinem Vorhaben geworden ist.

Ihr habt doch nen Knall

Wir sind aus diversen Gründen wieder auf der Suche nach einer anderen Wohnung. Etwas dichter zu den Kindern und Enkelkindern und gern 3 Zimmer, Küche, Bad mit Dusche, Balkon oder Terrasse. Stellplatz oder Garage darf auch sein, ebenso wie Erdgeschoss oder erste Etage. Also nichts Ungewöhnliches. Leisten könnten wir uns Vieles, wollen aber nicht.

Es gibt hier in der Region kaum noch eine andere Plattform für die Wohnungssuche als Immobilienscout und Kleinanzeigen. Und es gibt leider einen Mietspiegel. Leider deshalb, weil ich in den vielen Jahren der Erfahrungen mit Vermietern und Mietspiegeln leider erkennen musste, dass sich Vermietende immer gern an dem orientieren, was als höchste Miete im Mietspiegel aufgezeichnet ist. Auch hier gibt es also die Preissteigerungsspirale, ohne dass überhaupt an den Wohnungen irgendetwas wertsteigerndes getan wird.

Und dann gibt es die Ausreißer, die echt einen weg haben und vermutlich in ihrer Eigenschaft als Immobilienschaffungsgesellschaft die Preise in den Kleinstädten bewusst nach oben treiben. Denn irgendein Blödi wird schon mieten, weil er es sich leisten kann. Denn in einer Kleinstadt, wo der Mietpreis sonst bei 7,00 € bis 9,00 € pro Quadratmeter incl. Nebenkosten liegt, satte 14,00 € bis 15,00 € zu kassieren, ist nicht nur unverschämt, sondern tödlich für den gesamten Mietmarkt. Da kann noch so sehr auf eine vermeintliche Luxusausstattung mit Vinylboden und Fußbodenheizung hingewiesen werden. Nein, das haben auch andere Wohnungen, die wesentlich günstiger und im Rahmen geblieben sind. Auch die verkehrsgünstige Lage (mitten in der lauten und Dauerpartybehafteten Innenstadt) macht es nicht wertvoller.

Hier braucht es eine Bremse. Für diese Haie und für die Doofen, die sich sich so etwas aus irgendeiner Blödheit oder Not heraus anmieten. Denn schaue ich in die Großstädte rundherum, sind da gerade in den letzten Jahren die Mieten explodiert. Und somit kaum noch bezahlbar. Nicht umsonst steigen die Zahlen der Zwangsräumungen und Obdachlosen stetig.

Auf ein Neues, oder wie es so heißt

2025, uff.

Da war ja mal gut etwas los, wenn ich mich anhand der Fotos in meinem Handy so richtig erinnere.

Es begann mit dem Jahreswechsel an der Nordsee mit guten Bekannten gemeinsam in einer Ferienwohnung. Deren Vermieterin habe ich dann fairerweise bei der Rückgabe der Wohnung gezeigt, wo sie nachbessern müsste, damit es zukünftig bei booking.com keine miesen Bewertungen gibt. So bin ich und ich fühle mich besser dabei, als wegen irgendwelcher eigenen Blödheiten schlechte Bewertungen zu schreiben. Immerhin war es schön an der Nordsee, auch wenn wir damals nicht ahnen konnten, dass zu Ostern die Bekannte urplötzlich übelst verreckt ist (tut mir leid, anders kann ich es nicht ausdrücken).

Im Januar habe ich das VW Discover Media aus unserem Tiguan rausgeschmissen und ein China-Gerät mit Android testweise eingebaut. Nachdem der Verkäufer jedoch einige technische Mängel bei der Anbindung an das Fahrzeugmenü nicht regeln konnte, bekam ich mein Geld zurück und habe das Teil noch immer im Schrank liegen. Das Gerät braucht einen Golf 7, den der Schwiegersohn hat, das Gerät aber nicht will.

Im Januar waren wir auch im Miniaturwunderland in Hamburg, gemeinsam mit den Kindern und Enkelkindern. Das war wundervoll und ich Opa freue mich riesig über die Freude und das Staunen der Kleinen. Die Enkeltochter hat beim Gang durch die Mönckebergstraße erstmals „Stolpersteine“ gesehen und über die böse Vergangenheit Deutschlands erfahren.

Auch noch im Januar haben wir ein Konzert mit Max Raabe und dem Palastorchester gesehen, was einfach wunderbar war. Seitdem will ich auch mit Hummeln bummeln.

Im Februar hatte ich einen Stand auf einer Buchmesse in Solingen und wenn ich nicht schon damals eine weitere Buchmesse schon gebucht und bezahlt hätte, wäre es auch die erste und letzte gewesen. Ich habe zwar Spaß gehabt aber sozusagen mein Geld verbrannt.

Im März begann der „graue Star“ im rechten Auge unglaublich schnell Einschränkungen zu erzeugen. Ich vereinbarte einen Operationstermin und schob meine Angst vor mir her wie eine Bugwelle. Dennoch besuchten wir Helge Schneider und hatten durchgehend von der ersten bis zur letzten Minute mächtig viel Spaß dabei.

Es kam der April und mit ihm eine eskalierte Schleimbeutelentzündung des linken Ellenbogens. Sofortige Operation nach wochenlangem Salben und dann musste alles schnell gehen. Ich bin dann mit Gipsarm noch fahrfähig gewesen und so ging es in den Spreewald zu sauren Gurken und leckerem Essen.

Im Mai genas der Arm wieder und es ging auf die lange Reise nach Norwegen. Dazu braucht es sicher noch einen besonderen Bericht, doch die Reise hat sich absolut gelohnt. Sowohl von den Erfahrungen her als auch vom Gefühl, „völlig überlandschaftet“ zurückzukommen.

Im Juni wurde ich berühmt. Zumindest lokal und als Stimme für ein vorgelesenes Schild zu einer früheren Zecheneingang in der Region. Immerhin kann man mich nun jederzeit überall hören, wo ich nicht nur Kurzgeschichten erzähle. Ebenfalls im Juni landete ich geplant für viereinhalb Stunden auf dem Operationstisch und ließ mir den verschlossenen Wirbelkanal in der Lendenwirbelsäule wieder befreien. Der Erfolg lässt auf sich warten, das eingesetzte Stück Plastik anstelle der dort auch verlaufenden und leider verletzten Hirnhauthält immerhin die Hirnflüssigkeit, wo sie sein soll.

Den Juli über war ich schwer schmerzhaft daheim und habe überflüssigen Kram aus Schänken und Keller verkauft. Ich machte erste Erfahrungen mit dem Krankengeld.

Der August brachte mir zunächst etwas Mobilität und dann die beiden Augenoperationen. Ich bin nun mit insgesamt sechs künstlichen Dingen im Körper versehen. Drei Brücken in den Zähnen, die beiden künstlichen Linsen in den Augen und das Stück Duraplast in der Wirbelsäule. Der Androidenstatus rückt näher.

Im September habe ich das Auto etwas modifiziert und für die dunkle Jahreszeit Flutlicht für den Kofferraum eingebaut. Großer Spaß, als alles funktionierte. Eine Reise nach Wien musste dann als Härtetest für den Rücken herhalten. Leider kein Bestehen der Belastungsprobe, wie man ärztlicher- und therapeutenseits hinterher feststellte.

Im Oktober dann die zweite und diesmal wirklich letzte Buchmesse. Auch hier wieder viele Kontakte, aus denen nichts geworden ist und verbranntes Geld. Ich entschloss mich, meine Sammlung von 39 Kg Lego Technic-Bausätzen zu verkaufen. Beim Beschluss und den Inseraten ist es auch geblieben. 39 kg sehr gut erhaltenes und vollständiges Material für 200 € zu verkaufen, nein, so schlimm drückt es mich dann doch nicht. wir fuhren kurz an die Nordsee, um für Dezember alles zu erkunden und Tische in Restaurants zu reservieren. Macht man ja auch mal offline, nicht wahr?

Der November brachte mir die Kündigung der bisherigen Wohnwagengarage und die Anmietung einer neuen Garage in gleicher Größe, näher am Wohnort und mit besseren Konditionen. Wir führen nach Venlo, Weihnachtsdekoration einkaufen und müde Füße und schmerzenden Rücken abholen. Wir hatten außerdem das Vergnügen, Jürgen von der Lippe zu erleben. Das war auch schön.

Der Dezember bescherte mir die Aufgabe des Hintergrund-Supports für die Weltrekord-Teilnahme von Liebster, Tochter und Enkeltochter an der längsten Polonäse in Weihnachtsklamotten der Welt. Wir hatten sehr viel Spaß und Opa war im wahrsten Sinne des Wortes die feste Bank für Taschenablage, Kuscheln und Anfeuern. Außerdem fuhren wir an die Nordsee, ich trank heißen Apfelpunsch, aß jede Menge Fischbrötchen und heizte mehrmals täglich den Wohnwagen. Außerdem bekam ich eine Absage zu einer Bewerbung um einen neuen Job und aufgrund meiner sehr zufriedenstellenden Leistungen im Nebenjob eine Gehaltserhöhung. Aber nur im Nebenjob, versteht sich.
Außerdem kauften wir einen neuen Fernseher, der sich nicht mit dem alten Receiver vertrug und der neue Receiver vertrug sich nicht mit dem alten TV-Tarif. Somit ist nun alles neu und den alten Fernseher haben wir an jemanden verschenkt, der sich jetzt über ein riesiges Bild freut, wo vorher nur ein kleiner Bildschirm war. Der alte Receiver ist bei den Kleinanzeigen abgetaucht. Hatte ich erwähnt, dass ich Kleinanzeigen hasse? Entweder tut sich nicht oder die Leute sind doof. Hier ist nun der erstere Fall eingetreten.

Nr. 14 läuft

Es ist der 2. Dezember und ich kann glauben, dass ich wieder einen „Akustischen Weihnachtskalender“ in die Welt gesetzt habe.

Es ist inzwischen der vierzehnte seiner Art und somit mein am längsten überlebendes Projekt, neben dem, selbst am Leben zu bleiben. Ich kann es kaum fassen, dass mir noch immer einige wahrhaft sehr treue Schreibende und Sprechende Jahr für Jahr ihre weihnachtlichen Beiträge zusenden, damit ich sie veröffentliche. Ich bin überrascht, irritiert und ein wenig stolz darauf.

Sehr zufrieden bin ich mit der irgendwann vor einigen Jahren mit vielen Mühen erfolgte Umstellung der Website von Nucleus CMS zu WordPress. Da laufen die Beiträge doch im eingebundenen Audio-Player doch einfacher und komfortabler als noch mit dem externen Gedöns. Über die Anfangszeit mit einem gemieteten CMS eines anderen Anbieters und seinem eingeschränkten und verhunzten WordPress will ich gar nicht mehr reden oder nachdenken.

Nein, alles läuft und die Besucherzahlen sind hübsch, ebenso die Kommentare. Auch wenn der Kalender nicht im Webring aufgenommen wurde, weil zu speziell und temporär zu eingeschränkt, wird er doch anderweitig fleißig verlinkt.

Dieses „No Budget“-Projekt ist mein kleiner und heimlicher Erfolg der letzten beiden Jahrzehnte. Mal schauen, wie lange es noch läuft.

Hier geht es entlang, wer möchte: https://www.erbsenprinz.de

Lasst euch nur Zeit, ihr Pappnasen

Ich möchte vorweg schreiben, dass ich es absolut nicht leiden kann, in ein Kaufhaus zu gehen und dort Bekleidung für mich einzukaufen. Das ist die Hölle, was diese Suche, die Anproben und dieses Nichtfinden angeht. Nicht umsonst kaufe ich als zufriedener Kunde meine Schuhe schon seit sehr vielen Jahren in der JVA Remscheid, meine Jeans und die Meerschweinchen-Zelte, die als Unterhosen bezeichnet werden, bestelle ich bei einem bekannten Bekleidungshandel und die Hemden, wie auch die Unterhemden kauft die Liebste.

Doch nun stand nach weit mehr als 10 Jahren des dauerhaften Tragens der Kauf einer wasser- und windfesten Funktionsjacke an. Das Geschäft, in dem die aktuelle Jacke damals gekauft wurde, ist nicht mehr. Meine in Norwegen spontan gekaufte Ersatzjacke ist schön, befriedigt jedoch nicht ganz die gewünschte Windfestigkeit für den Winter. Also suchte ich online nach einer passenden Jacke.

Was mich richtig aufregt, sind die verschiedenen Auffassungen von Bekleidungsgrößen. Wo laut Maßtabelle eine 3XL passen sollte, lachte ich mich halb tot, weil ich nach der Lieferung und der folgenden Anprobe wie eine Wurst in praller Pelle aussah. Jacke Nr. 2 in 4XL eines anderen Herstellers bot den gleichen Anblick, nur mit viel zu langen Ärmeln. Wobei mir diese Jacke aufgrund ihrer Funktionalität, Dichtigkeit und der Reflektoren sehr gut gefiel. Also schickte ich beide Jacken an die unterschiedlichen Vertriebe wieder zurück und bestellte bei einem dritten Versandhändler die schöne Jacke in 5XL. Weil der Händler mit der 4XL-Jacke keine in 5XL auf Lager hatte. Bei beiden zurück gesandten Jacken bat ich um Erstattung des Kaufpreises.

So erhielt ich dann von einem der beiden Händler die Nachricht über den Eingang und die nun folgende Bearbeitung der Retoure. Eine Erstattung des Kaufpreises würde baldigst, jedoch frühestens binnen 14 Tagen erfolgen. Der zweite Händler bog die Palme noch viel weiter nach unten, indem er eine Rückerstattung des Kaufpreises, abzüglich von 5 € Gebühren, nach spätestens 30 Tagen versprach. Beides sind übrigens gestandene deutsche Unternehmen und keine Fake-Shops. Zudem kaufe ich nie in diesen Black-Irgendetwas-Wochen.

Ja sage mal, geht es noch? Nun verhungere ich nicht gleich wegen insgesamt 350 € für zwei Jacken. Aber es ist nun einmal ein Haufen Geld von mir, den andere in den Händen behalten, um damit was genau zu machen? Im Zeitalter der Online-Shops und digitalen Kontoführung sollte doch eine Rückerstattung binnen einiger weniger Tage möglich sein.

Man mag über Amazon schimpfen wie man will. Doch hier bringe ich eine Reklamation in die Packstation und wenn ich wieder daheim bin, ist mein Geld auf dem Konto, spätestens jedoch am anderen Tag. So geht Retourenbearbeitung, Ihr Pappnasen.

Ich scheue mich allerdings auch nicht, nach einigen Tagen die Rückzahlung anzumahnen. Auch wenn das sicher gegen alle AGB, Gewohnheiten und die angekündigte Bearbeitungszeit spricht. Und es mag vielleicht wenig tolerant sein, wenn ich keine Rücksicht auf vielleicht kleine Betriebe nehme, die sich gegen die Großen durchsetzen müssen. Alles gut, doch eine so lange Zeit der Rückerstattung von vorn herein auch anzukündigen, zeugt für mich von mangelnder Organisationsbereitschaft. Abgesehen davon war ich lange genug selbständig und bei Retouren und Reklamationen gab es sofort das Geld zurück. Denn auch das gehört zur Kundenbindung.

Dankbar

Gestern hat das Auto nach den neuen Sommerreifen im Frühjahr nun auch neue Winterreifen bekommen.
Die Aktion an sich war bemerkenswert unspektakulär.
Was mich jedoch immer wieder dankbar und zufrieden sein lässt, ist die schlichte Tatsache, dass ich die knapp noch dreistellige Rechnung ohne Erschrecken und Not einfach bezahlen konnte. Das Trauma aus der Zeit vor 20 Jahren hat sich so tief in die Seele eingebrannt, dass ich noch heute glücklich über diesen kleinen Luxus bin.

Die Werkstatt suche ich auch bereits seit 20 Jahren auf und gestern kam das Gespräch auf eben diese schlechten Zeiten. Verrückt ist, dass ich noch heute, auch wenn es überhaupt nicht nötig und üblich ist, ein reines Guthabenkonto führe. Das irritiert bei jedem Beratungsgespräch die Mitarbeitenden in der Bank und führt zu seltsamen Versuchen, mir einen Disporahmen einzuräumen. Kostenlos versteht sich, harhar. Nein danke, nie wieder.

Und die einzigen Kredite, die ich seit dieser Zeit jemals wieder bedient und pünktlich bzw. vorzeitig abgezahlt habe, waren eben dieses Auto und nach dem Umzug die neue Einbauküche. Wobei uns inzwischen Beides gehört.

Ich habe aus diesen üblen Zeiten gelernt. Dennoch bin ich jeden Tag dankbar, dass ich heute so unbeschwert durch das Leben gehen kann, ohne bei jedem Brief im Postkasten zusammen zu zucken.