Auf ein Neues, oder wie es so heißt

2025, uff.

Da war ja mal gut etwas los, wenn ich mich anhand der Fotos in meinem Handy so richtig erinnere.

Es begann mit dem Jahreswechsel an der Nordsee mit guten Bekannten gemeinsam in einer Ferienwohnung. Deren Vermieterin habe ich dann fairerweise bei der Rückgabe der Wohnung gezeigt, wo sie nachbessern müsste, damit es zukünftig bei booking.com keine miesen Bewertungen gibt. So bin ich und ich fühle mich besser dabei, als wegen irgendwelcher eigenen Blödheiten schlechte Bewertungen zu schreiben. Immerhin war es schön an der Nordsee, auch wenn wir damals nicht ahnen konnten, dass zu Ostern die Bekannte urplötzlich übelst verreckt ist (tut mir leid, anders kann ich es nicht ausdrücken).

Im Januar habe ich das VW Discover Media aus unserem Tiguan rausgeschmissen und ein China-Gerät mit Android testweise eingebaut. Nachdem der Verkäufer jedoch einige technische Mängel bei der Anbindung an das Fahrzeugmenü nicht regeln konnte, bekam ich mein Geld zurück und habe das Teil noch immer im Schrank liegen. Das Gerät braucht einen Golf 7, den der Schwiegersohn hat, das Gerät aber nicht will.

Im Januar waren wir auch im Miniaturwunderland in Hamburg, gemeinsam mit den Kindern und Enkelkindern. Das war wundervoll und ich Opa freue mich riesig über die Freude und das Staunen der Kleinen. Die Enkeltochter hat beim Gang durch die Mönckebergstraße erstmals „Stolpersteine“ gesehen und über die böse Vergangenheit Deutschlands erfahren.

Auch noch im Januar haben wir ein Konzert mit Max Raabe und dem Palastorchester gesehen, was einfach wunderbar war. Seitdem will ich auch mit Hummeln bummeln.

Im Februar hatte ich einen Stand auf einer Buchmesse in Solingen und wenn ich nicht schon damals eine weitere Buchmesse schon gebucht und bezahlt hätte, wäre es auch die erste und letzte gewesen. Ich habe zwar Spaß gehabt aber sozusagen mein Geld verbrannt.

Im März begann der „graue Star“ im rechten Auge unglaublich schnell Einschränkungen zu erzeugen. Ich vereinbarte einen Operationstermin und schob meine Angst vor mir her wie eine Bugwelle. Dennoch besuchten wir Helge Schneider und hatten durchgehend von der ersten bis zur letzten Minute mächtig viel Spaß dabei.

Es kam der April und mit ihm eine eskalierte Schleimbeutelentzündung des linken Ellenbogens. Sofortige Operation nach wochenlangem Salben und dann musste alles schnell gehen. Ich bin dann mit Gipsarm noch fahrfähig gewesen und so ging es in den Spreewald zu sauren Gurken und leckerem Essen.

Im Mai genas der Arm wieder und es ging auf die lange Reise nach Norwegen. Dazu braucht es sicher noch einen besonderen Bericht, doch die Reise hat sich absolut gelohnt. Sowohl von den Erfahrungen her als auch vom Gefühl, „völlig überlandschaftet“ zurückzukommen.

Im Juni wurde ich berühmt. Zumindest lokal und als Stimme für ein vorgelesenes Schild zu einer früheren Zecheneingang in der Region. Immerhin kann man mich nun jederzeit überall hören, wo ich nicht nur Kurzgeschichten erzähle. Ebenfalls im Juni landete ich geplant für viereinhalb Stunden auf dem Operationstisch und ließ mir den verschlossenen Wirbelkanal in der Lendenwirbelsäule wieder befreien. Der Erfolg lässt auf sich warten, das eingesetzte Stück Plastik anstelle der dort auch verlaufenden und leider verletzten Hirnhauthält immerhin die Hirnflüssigkeit, wo sie sein soll.

Den Juli über war ich schwer schmerzhaft daheim und habe überflüssigen Kram aus Schänken und Keller verkauft. Ich machte erste Erfahrungen mit dem Krankengeld.

Der August brachte mir zunächst etwas Mobilität und dann die beiden Augenoperationen. Ich bin nun mit insgesamt sechs künstlichen Dingen im Körper versehen. Drei Brücken in den Zähnen, die beiden künstlichen Linsen in den Augen und das Stück Duraplast in der Wirbelsäule. Der Androidenstatus rückt näher.

Im September habe ich das Auto etwas modifiziert und für die dunkle Jahreszeit Flutlicht für den Kofferraum eingebaut. Großer Spaß, als alles funktionierte. Eine Reise nach Wien musste dann als Härtetest für den Rücken herhalten. Leider kein Bestehen der Belastungsprobe, wie man ärztlicher- und therapeutenseits hinterher feststellte.

Im Oktober dann die zweite und diesmal wirklich letzte Buchmesse. Auch hier wieder viele Kontakte, aus denen nichts geworden ist und verbranntes Geld. Ich entschloss mich, meine Sammlung von 39 Kg Lego Technic-Bausätzen zu verkaufen. Beim Beschluss und den Inseraten ist es auch geblieben. 39 kg sehr gut erhaltenes und vollständiges Material für 200 € zu verkaufen, nein, so schlimm drückt es mich dann doch nicht. wir fuhren kurz an die Nordsee, um für Dezember alles zu erkunden und Tische in Restaurants zu reservieren. Macht man ja auch mal offline, nicht wahr?

Der November brachte mir die Kündigung der bisherigen Wohnwagengarage und die Anmietung einer neuen Garage in gleicher Größe, näher am Wohnort und mit besseren Konditionen. Wir führen nach Venlo, Weihnachtsdekoration einkaufen und müde Füße und schmerzenden Rücken abholen. Wir hatten außerdem das Vergnügen, Jürgen von der Lippe zu erleben. Das war auch schön.

Der Dezember bescherte mir die Aufgabe des Hintergrund-Supports für die Weltrekord-Teilnahme von Liebster, Tochter und Enkeltochter an der längsten Polonäse in Weihnachtsklamotten der Welt. Wir hatten sehr viel Spaß und Opa war im wahrsten Sinne des Wortes die feste Bank für Taschenablage, Kuscheln und Anfeuern. Außerdem fuhren wir an die Nordsee, ich trank heißen Apfelpunsch, aß jede Menge Fischbrötchen und heizte mehrmals täglich den Wohnwagen. Außerdem bekam ich eine Absage zu einer Bewerbung um einen neuen Job und aufgrund meiner sehr zufriedenstellenden Leistungen im Nebenjob eine Gehaltserhöhung. Aber nur im Nebenjob, versteht sich.
Außerdem kauften wir einen neuen Fernseher, der sich nicht mit dem alten Receiver vertrug und der neue Receiver vertrug sich nicht mit dem alten TV-Tarif. Somit ist nun alles neu und den alten Fernseher haben wir an jemanden verschenkt, der sich jetzt über ein riesiges Bild freut, wo vorher nur ein kleiner Bildschirm war. Der alte Receiver ist bei den Kleinanzeigen abgetaucht. Hatte ich erwähnt, dass ich Kleinanzeigen hasse? Entweder tut sich nicht oder die Leute sind doof. Hier ist nun der erstere Fall eingetreten.

Neue Garage, neues Glück?

Ich hatte zu unserem Umzug vor etwas mehr als zwei Jahren eine große Garage für unseren Wohnwagen anmieten müssen. Bis zum Umzug stand der Wohnwagen auf Privatgelände vor dem von uns bewohnten Haus und wurde im Winter zugedeckt, damit der Dreck von den Bäumen und der Straße das gute Stück nicht allzu sehr in Leidenschaft zog.

Mit dem Umzug in eine Etagenwohnung in einem Wohngebiet gab es zwar ab dann einen Stellplatz für das Auto, jedoch keinen Platz mehr für den Wohnwagen. Die Suche nach Stellplätzen in Hallen, Scheunen und anderen geschlossenen Gebäuden gestaltete sich sehr schwierig. Entweder kam man nur nach Voranmeldung an den Wohnwagen heran oder man stand in einer großen Halle, wo jedermann rangieren konnte wie er es brauchte. Mit allen Konsequenzen für Rempler und einen verschobenen Wohnwagen. Das wollte ich alles ebenso wenig, wie ein Abstellen auf einer Freifläche, die unbewacht war. Was im Übrigen alle Freiflächen waren, auch wenn mit Kameraüberwachung geworben wurde, die dann auf Nachfrage „leider defekt“ war.

Am Ende mietete ich bei einem Lageranbieter einen Lagerraum, ebenerdig mit Rolltor und 24/7-Zugang. Damals noch für deutlich unter 300 € monatlichen Kosten, stiegen diese jedoch in den vergangenen zwei Jahren auf deutlich über 300 e monatlich. Was die Nachbarschaft angeht, habe ich alles durch. Vom bulgarischen Privat-Paketdienst mit ungezählten LKW, die meine Zufahrt blockierten und für Rattenbesuch sorgten, bis hin zur privaten Kfz.-Werkstatt gegenüber, die abgemeldete Schrottfahrzeuge in die Bewegungsflächen stellte. Dagegen waren die Jungs mit ihren getunten Autos fluffig und lustig, vor allen Dingen aber sauber und höflich. Nachdem nun erneut Raten meine Lagereinheit durchkreuzten, um die Nachbarlager zu besuchen, wurde es Zeit für einen neuen Standort für den Wohnwagen, das eingelagerte Klemmbaustein-Sammelwahnsinnskistengestapel und die Saisondekoration der Liebsten.

Die heute ab morgen angemietete neue Garage ist ebenfalls in einem Lagerpark, niegelnagelneu aufgebaut und sorgt mit ihren Mietbedingungen hoffentlich für etwas mehr Struktur und Ruhe im Großen und Ganzen. Abgesehen davon spare ich jetzt rund 100 € monatlich und 15 Minuten Fahrtstrecke, was mir beides gut gefällt.

Die Kamera werde ich dennoch wieder aufstellen, um zu kontrollieren, welche Tierchen da eventuell ein und aus gehen. Bislang hatte ich keine Schäden am eingelagerten Zeug zu verzeichnen, doch das ist ja keine Garantie für die Zukunft.

Jedenfalls ziehen der Wohnwagen und die Kisten voller Klemmbausteine in den kommenden Tagen um und irgendwie freue ich mich auf das Neue. Auch wenn die neue Lager weder größer noch kleiner ist oder anderen Luxus mehr bietet. Allein die Veränderung bereitet mir Freude. Was nun mal gar nicht so schlecht ist.

Der Rücken kann noch nicht entzücken

Status-Update zur gesundheitlichen Situation:
Ich darf inzwischen alles machen, was die Genesung des Rückens nicht beeinträchtigt. Also alles, was nicht schmerzt.

Es bleibt somit beim stetigen Wechsel zwischen gehen, stehen und sitzen. Kurze Wege sind inzwischen möglich, einige Minuten stehen ebenfalls.

Die beiden mittendrin von mir geplanten und durchgeführten Augen-Operationen sind gut gelaufen. Hier soll ich einige Wochen nicht schwer heben, darf jedoch aufgrund des guten Verlaufs ab morgen wieder Autofahren. Ich brauche für die Nahsicht eine Brille mit 1,0 Dioptrin Ausgleich und für die Fernsicht nichts mehr. Die Brille trage ich also beim Autofahren nur, weil sie in den Führerschein eingetragen ist. Sonst kostet es nämlich Geld, sollte ich doch mal ohne Brille erwischt werden. Das wären dann immerhin 25 € und man könnte seitens der Polizei verfügen, dass ich das Auto stehen lassen und mit dem Bus heimfahren müsste. Die Umschreibung des Führerscheins ist bei mir aufgrund der vorhandenen Klassen mit einem augenärztlichen Gutachten verbunden, das ich erst in etwa sechs Wochen beauftragen kann. Die Umschreibung selbst kostet mich ein neues Passbild, die Kosten für das Gutachten und 34,70 € an Gebühren der Führerscheinstelle.

Ich mache fleißig morgens, mittags und abends komische Beckenbewegungen, die an liegendes Lambada-Tanzen erinnern. Dabei überlege ich, ob das nicht mal eine eigene Show wert wäre.

Der Humor ist geblieben, auch wenn ich noch unter Schmerzmitteln stehe.

Es wird

Status-Update:

Ich konnte gestern bereits 750 Meter Strecke zart bergauf und bergab mit zwei Unterbrechungen (einmal stehen bleiben und einmal zwei Minuten hinsetzen) gehen. 15 Minuten an der Bushaltestelle stehen, um auf den Bus zu warten, war dann doch noch nicht drin und ich musste mich immer wieder mit dem dicken Pummelhintern anlehnen.

Um nicht allzu sehr die Nerven meines Arbeitgebers und der Kollegen zu strapazieren und mich nicht so überaus stark zu langweilen, habe ich letzte Woche dann auch die erste von zwei Operationen zur Entfernung des Grauens Stars hinter mich gebracht. Wenn ich sowieso krankgeschrieben bin und nutzlos in der Gegend herumrekonvalesziere, kann ich auch diese Operationen gleich mitmachen lassen.

Ich bin jetzt also langsam, atemlos wie immer und habe ein Auge wie ein Bernhardiner. Nicht so plüschig umrahmt, aber so blutig unterlaufen.

Fast jeden Tag ist aktuell irgendein Arzt- oder Therapietermin und ich mache drei Kreuze, wenn ich das alles hinter mir habe.

Erfahrungsbericht Katarakt-OP – Tag 5

Nach der erfolgten Katarakt-Operation (Entfernung Grauer Star im rechten Auge) erlebe ich Dinge, über die mir vorher niemand Auskunft geben konnte.
Ich bin bekanntlich Brillenträger und trage schon sehr lange eine Gleitsichtbrille. Das heißt, ich bin ich der Weite kurzsichtig und in der Nähe weitsichtig.

Nun habe ich bei der Wahl der künstlichen Linse im rechten (und bald auch im linken) Auge eine solche mit scharfer Sicht in der Ferne gewählt, damit ich im günstigsten Falle nur noch eine Lesebrille oder eine Gleitsichtbrille mit dem Nachsichtbereich unten und Fensterglas oben benötige.

Nach den Messungen am Dienstag dieser Woche habe ich auf dem rechten Auge bereits eine Sehkraft von 60 Prozent ohne Brille. Damit liege ich schon jetzt über der Sehkraft, die ich vorher hatte und die durch die Brille ausgeglichen wurde. Und hier beginnt die seltsame Sache.

Gehe ich momentan ohne Brille durch mein Leben, sehe ich mit dem rechten Auge in der Ferne alles scharf und mit dem linken alles unscharf. Setze ich die Brille auf, erblicke ich mit dem rechten Auge alles unscharf und mit dem linken Auge scharf. Das ist nur ein vorübergehender Zustand, denn die Sehkraft des operierten rechten Auges soll sich stetig verbessern. Dieser Prozess soll ca. 6 Wochen dauern, es braucht also Geduld. Der scharfe Sichtbereich beginnt bei etwa 40 cm Entfernung vom rechten Auge, wobei der scharfe Sichtbereich des linken Auges bereits bei 30 cm Entfernung endet. Es gibt also einen Bereich, der aktuell nicht scharf abgebildet wird. Das sorgt im Hirn für etwas Verwirrung, wird sich jedoch irgendwann von allein erledigen.

Durch die Einblutungen in die Bindehaut des rechten Auges (was vorher auch niemand erzählt hat, obwohl ich dadurch aussehe wie mit den Augen eines Bernhardiners versehen) habe ich ab und an noch im äußeren Sichtfeld Effekte wie den Blick durch Wellen. Insbesondere schnelle Augenbewegungen sind noch nicht so perfekt wie vorher und schmerzen etwas. Doch auch das wird von Tag zu Tag besser.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht und ganz besonders, was das rechte Auge macht, wenn das linke Auge in der übernächsten Woche operiert ist. Das wird noch eine spannende Angelegenheit. Ich werde berichten.

Himmel, ist das langweilig

Achtung, das wird ein Meckerbeitrag.

Ich darf aktuell nicht
– mich bücken
– Lesen
– etwas tragen
– Autofahren
– lange durch die Gegend laufen (bergauf tut ohnehin weh und nach bergab kommt bergauf)
– Staubsaugen
– Basteln
– mehr als vom Hals ab duschen
– Schwimmen (höhö, kommt mir gelegen)
– viel vor dem Bildschirm sitzen.

Ich darf vielmehr
– alle 2,5 Stunden Augentropfen einträufeln
– Fernsehen
– mit Augenklappe schlafen
– Essen
– Trinken
– Telefonieren

Ich fühle mich etwas nutzlos und ausgebremst. Und wenn mir jetzt noch einmal jemand sagt, dass das alles ja auch wieder vorbeigeht, dann schreie ich. Wobei das den Augendruck erhöhen könnte und wohl ebenfalls verboten ist.

Ich überlege, ob ich mir Geschichten ausdenke und in Text-to-speech einspreche. Mir fällt außer langweilig aber nichts ein. Immerhin darf ich heute zur Physiotherapie fahren. Mit dem Bus, was ich überhaupt nicht leiden kann. Ich hoffe auf neue Übungen und weitere Schritte zu mehr Beweglichkeit des Rückens. Fahrzeit sonst: 20 Minuten mit dem Auto. Fahrzeit mit dem Bus: 58 Minuten oder 25 Minuten mit 26 Minuten Wartezeit. Yeah, gelobt sei der ÖPNV.

Tschüss Auge

Die Überschrift klingt übel und ist auch nicht so ganz korrekt. Als Satiriker bin ich jedoch Übertreibungen gewohnt und erkläre meist nach der Provokation, was gemeint ist. So also auch hier.

Ich werde am Montag am rechten Auge operiert. Meine Augen haben sich den „Grauen Star“ eingefangen oder besser gesagt, ihn entwickelt. Früher sind die Menschen daran erblindet und im Alter hilflos geworden. Heute schneidet man mit einem Präzisionslaser-Roboter die defekte Linse unter der Hornhaut heraus und setzt eine passende künstliche Linse ein. Der Rest ist Heilung und Gewöhnung.

Der Graue Star sieht von innen so aus, dass ich zunächst nur bemerkte, dass ich ungern bei Regen in der Dunkelheit Auto fahre. Die Blendungen wurden stärker und mit der Zeit bekamen die Rücklichter und die Scheinwerfer der entgegen kommenden Fahrzeuge einen „Heiligenschein“, also einen Kranz aus Licht. Das betraf und betrifft nur das rechte Auge. Autofahren darf man damit noch, denn solange noch insgesamt 70 Prozent Sehkraft vorhanden sind, ist auch versicherungstechnisch alles im grünen Bereich.

Was ich nur empfand und empfinde, ist das lästige Gefühl, nicht richtig scharf sehen zu können und ich bemerke die Überlastung des linken Auges durch den stetigen Versuch des Ausgleichs des erkrankten Auges. Ich habe viel früher als sonst „müde Augen“ und bekomme Schmerzen. Das muss geändert werden.

Natürlich operieren die Augenärzte gern und noch lieber für viel Zuzahlung. Wobei ich jetzt sagen muss, dass die von der Krankenkasse finanzierten Leistungen bei Weitem nicht für eine vernünftige Diagnose und später normales Sehfeld ausreichen. Wundern tut mich das nicht, wissen wir doch alle, dass Krankenkassen grundsätzlich nur die zum Überleben notwendigen Maßnahmen bezahlen. Alles andere ist Luxus, auch wenn der Luxus dem früheren Zustand entspricht.

Ich wurde also beim Augenarzt umfangreich und mit einer Mappe für das Lesen daheim über alle Vorgänge und Risiken zur Operation aufgeklärt. Wer sich gern gruselt und Horror liebt, dem empfehle ich diese Lektüre als Betroffenen. Bei mir ist jedoch der Leidensdruck derart hoch, dass die Angst vor der Operation darunter bleibt. Für im Moment rund 480 € plus 60 € für die etwas bessere Linse haben ich nun eine umfangreiche Untersuchung an insgesamt 10 Geräten hinter mir (das tut übrigens tatsächlich nicht weh und ist hochinteressant). Ein Gespräch mit dem zuständigen Anästhesisten habe ich ebenfalls hinter mir und der gute Mensch hat mich in 10 Minuten mehr beruhigt, als alle anderen davor.

Geplant ist der folgende Ablauf:
Ich werde am Monat in der Praxis eintreffen und muss natürlich mit dem Bus anreisen. Mit Autofahren ist dann erst einmal eine Weile nichts. Bevor ich daheim losfahre, gebe ich mir vorher ausgehändigte Augentropfen ins Auge. In der Praxis angekommen, wird mir ein Zugang gelegt (das sind diese Dauernadeln im Handrücken, worüber Infusionen gegeben werden) und ein Medikament gegeben, das mich in einen relativ kurzen Schlummer versetzt. In der Zeit des Schlafens wird neben (!) mein Auge ein Medikament eingespritzt, dass meine Augenmuskulatur des rechten Auges für 24 Stunden lähmt. Das linke Auge bleibt beweglich und unangetastet. Danach liege ich für 10 Minuten unter einem Laser, werde nichts spüren und nur Licht sehen. Anschließend bekomme ich einen Verband über das Auge und muss warten, bis sich mein Kreislauf wieder in gewohnten Bahnen stabilisiert hat. Das war es dann auch schon für diesen Tag.

Am Dienstag fahre ich wieder in die Praxis, mir wird der Verband entfernt und ich erhalte das erste Mal die den Heilungsprozess unterstützenden Augentropfen. Die muss ich dann in den kommenden Tagen selbst auftragen, damit der Tränenfluss auch wieder in die Gänge kommt. Meine volle Sehschärfe erreiche ich innerhalb von etwa zwei Wochen. Das bedeutet, dass ich bis dahin meine Brille nicht tragen kann und auf dem linken Auge eben nur wenig scharf sehen werde. Da sich dort ebenfalls schon der Graue Star bemerkbar gemacht hat, wird zwei Wochen nach der Operation am rechten Auge auch das linke Auge operiert. Der Plan ist dann, dass ich Ende August meine volle Sehkraft habe und nur noch für die Nahsicht eine Brille brauche. Ob ich das über eine Gleitsichtbrille regele oder mir eine Lesebrille beschaffe, kann ich heute noch nicht sagen.

Ich werde mich also am Montag von meinem bisherigen Sehen und meinem seit Geburt bei mir gebliebenen Auge verabschieden und habe dann ein weiteres Ersatzteil in meinem Körper. Als alter Science Fiction-Fan grüße ich alle Cyborgs. Solche Linsen wie in den Filmen sind übrigens für den allgemeinen Markt noch nicht verfügbar. Ich habe nachgefragt. 🙂

Fotoalben

Ich habe mich gestern daran gewagt, meine alten Fotoalben aufzulösen. Fotoalben sind diese dicken Wälzer, in die man früher gedruckte Fotos eingeklebt hat. Davon besaß ich fünf Stück, die ich sogar nach Themen sortiert befüllt hatte. Das war mir schon entfallen. Die Bilder waren inzwischen leider alle mit einem nicht unerheblichen Rotstich versehen, obwohl sie dunkel und trocken in ihren Alben gelagert waren. Die vor einiger Zeit lose in einem Schuhkarton aufbewahrten Bilder hingegen sind farblich nach wie vor einwandfrei. Am besten erhalten sind tatsächlich die Fotos aus den frühen 60er Jahren. Noch in schwarzweiß, dafür jedoch scharf und kontrastreich, wie für die Ewigkeit geschaffen. Offenbar ist die Qualität zwischen den 60er der Nachkriegsaufbauzeit und den 80ern, der Zeit des Beginns der Konsum-ohne-Grenzen-Gesellschaft doch deutlich gesunken. Doch zurück zu den Alben.

Ein Album war voller Bilder aus meiner Zeit beim Deutschen Roten Kreuz, oben in der Lüneburger Heide. Immerhin habe ich in diesem Verein (in drei Teilvereinen) mehr als 20 Jahre meiner Freizeit, in hauptamtlichen Urlaubs- und Krankenvertretungen und in der Notfallrettung verbracht. Das waren schon anstrengende und schöne Zeiten, an die ich heute mit dem romantischen Blick aus der Ferne gern zurückblicke. Den damals ständigen Zank und Streit mit doofen Vereinsleuten schiebe ich gern in den Hintergrund der Erinnerungen. Zum Erhalt aussortiert habe ich wenige Bilder, die mich zeigen und zwei Bilder meines ersten Krankenwagens, den ich gern gefahren habe. Das war ein VW-Bus T3 als Zwei-Tragen-KTW.

Ein weiteres Album beinhaltete Bilder vom ersten und einzigen Urlaub mit einer Freundin in den frühen 80ern in Österreich, gemeinsam mit ihrer Mutter. Bis auf ein Bild eben jener Freundin habe ich alles entsorgt. Ich werde diesen Urlaubsort wohl in diesem Leben nicht mehr aufsuchen und auch die Freundin nicht. Die ist inzwischen 76 Jahre alt und wer weiß, ob sie noch lebt. Manchmal habe ich noch Gedanken daran, weil sie die erste richtige Freundin war und wir immerhin nicht ganz vier Jahre miteinander verbrachten. Aber was hat das heute noch für eine Bedeutung?

Noch ein Album enthielt gemischte Bilder aus wilden Fotografierereien, die ich bis auf zwei Bilder mit mir entsorgt habe. Mit den Menschen, die abgebildet sind, habe ich seit mehr als 40 Jahren keinen Kontakt mehr und ich weiß teilweise nicht einmal mehr die Namen. Also abschließen und loslassen.

Dann war da noch das Album mit den Kinderbildern in schwarzweiß und farbig. Die habe ich fast alle dem Album entnommen und werde sie wohl auch digitalisieren. Wobei auch da ein Jugendfoto von mir dabei war. Es stammt von einer Silvesterparty zum Jahreswechsel 1977/1978. Ich fand Fotos von mir doof und wir hatten dem damals üblichen Alkohol schon gut zugesprochen. Mehr sollte man dazu nicht sagen, abgesehen von der späten 60er und frühen 70er Jahre-Möblierung im Hintergrund vielleicht.

Schon zu einem früheren Zeitpunkt meiner vielen Entrümpelungsaktionen hatte ich Fotoalben aufgelöst und einen großen Teil der enthaltenen Grausamkeiten entsorgt. Dennoch habe ich mich bei allen Fotos immer wieder neu den folgenden Fragen gestellt:

  • Kennst du die Menschen im Bild noch?
  • Hat das Foto einen wirklichen Erinnerungszweck auch noch in 10 Jahren?
  • Wem möchtest du später dieses Bild zeigen oder schenken?
  • Ist der abgebildete Gegenstand für die Nachwelt interessant?

Viermal nein bedeutet, dass das Bild entsorgt werden muss. Selbstverständlich nehme ich mir vor, meine Fotos noch zu digitalisieren. Meine externe Festplatte hat schon einen großen Teil früherer Bilder von diversen Kameras und Handy, aber auch bereits gescannte Fotos geordnet im Speicher lagern. Im Grunde müsste ich auch hier mal durchsehen, was nach den obigen Kriterien tatsächlich noch Bedeutung hat. Doch da stoße ich immer wieder an meine Grenzen der Geduld und Überwindung. Abgesehen davon besitze ich noch Ordner auf dieser Festplatte, die ich nicht anschauen möchte, weil ich weiß, dass die Erinnerungen Schmerzen bereiten. Einige Verluste und die eine und andere Wut sind noch nicht vollständig überwunden. Das braucht Zeit und Verarbeitung durch noch einige meiner Kurzgeschichten.

Übrig geblieben ist jetzt nur ein voller Schuhkarton. Der lagert jetzt im Büroschrank und wartet auf die nächste Aktion. Oder auf das Herausholen und den Enkelkindern zeigen. Frei nach den Worten „Schau mal, das war mein Hund, meine Oma, ich als Baby, mein erstes Auto, usw.“. Und irgendwann, wenn ich gestorben bin, wird jemand diesen Schuhkarton in den Müll werfen und was bleibt, ist dann nur noch die Erinnerung an mich als verblassende Bilder im Kopf, manchen blöden Spruch und ein Gefühl.

Ersthelfer mit Lehren daraus

Unfall mit Senior und EBike.
Auf dem Rückweg von der Physiotherapie bin ich auf einsamer und abschüssiger Landstraße auf einen Mann Ü70 gestoßen, der neben seinem EBike aus vielen Wunden stark blutend saß. Sein Freund hatte, ebenso wie er selbst, nichts dabei. Nicht einmal ein Taschentuch.
Ich legte Druckverbände an, stellte seine zeitlichen und örtliche Desorientierung fest und bat eine weitere eingetroffene Helferin um den Notruf.
Der Mann war mit hoher Geschwindigkeit an einem Müllwagen vorbeigefahren und als dieser nach Beladung wieder anfuhr, erschrak der Radler und machte eine Vollbremsung. Das Vorderrad blockierte und er überschlug sich nach Zeugenaussage mehrfach.
Der Fahrradhelm hatte sich in Stirn und Nacken gepresst und Wunden verursacht. Ohne Helm wäre der Kopf des Mannes geplatzt.

Mein Fazit und Rat:
1. Helm
2. Fahrtraining mit EBike
3. Fahre nie schneller, als du noch sicher anhalten kannst
4. Lerne nicht nur fahren, sondern trainiere auch Notfallmanöver ( siehe 2.)
5. Hab immer irgendetwas dabei, was deine Identität feststellen lässt.

Ich brauche jetzt einen neuen Verbandkasten und lege Reinigungstücher mit hinein.

Alphabet des Schicksals

Nächste Woche beginnt die erste Physiotherapie meines Lebens. Um die erste Reha-Kur-Dings meines Lebens bin ich ja mal wieder elegant drumherum gekommen worden.
Irgendwie schleicht sich bei mir rückblickend auf mein Leben das dunkelblau marmorierte Gefühl ein, dass ich für egal was es ist
a) zu alt bin
b) zu jung bin
c) nicht kaputt genug bin
d) zu kaputt bin
e) noch zu früh bin
f) zu spät bin
g) nicht qualifiziert genug bin
h) überqualifiziert bin
i) zu männlich bin
j) nicht männlich genug auftrete
k) die Frage nicht verstanden habe
l) zu viel auf die Frage geantwortet habe.

Ich könnte das auflistende Alphabet vollständig füllen. Doch vermutlich bin ich

m) zu langatmig erklärend
n) nicht ausführlich genug erklärend.

Wer es bis hierhin durchgehalten hat, wird vermutlich Gleiches denken und fühlen. Herzlich willkommen.