Heute früh fühlte ich mich etwas drömelig, wie man so zuhause sagte. Irgendwie anders als sonst und seltsam schwergängig. Die beiden traditionellen und wichtigen Becher Kaffee halfen etwas und ich dachte, den Rest an nötigem Schwung würde mir der kalte Marsch zum Bahnhof geben. So wie üblich.
Doch mir blieb kalt bis in den Zug hinein. Dieser war wie immer zu klein und überfüllt, doch ich bekam noch einen Sitzplatz seitlich zur Fahrtrichtung. Erleichtert klappte ich mein Buch auf und begann zu lesen. Der Zug fuhr an und irgendwie konnte ich mich nicht so ganz konzentrieren.
Wuppertal Hauptbahnhof erwischte mich dann der Migräneanfall mit voller Wucht. Ohne die übliche Vorankündigung, ohne die bekannten Auslöser, ohne die üblichen leisen und besonderen Kopfschmerzen davor. Mir wurde übel, ich mußte das Buch weglegen, etwas aus meiner mitgenommenen Flasche trinken und mich in Fahrtrichtung drehen. Der Zug war jetzt knackevoll und ich kämpfte auf der längsten Strecke zwischen den Bahnhöfen Wuppertal-Vohwinkel und Düsseldorf Hauptbahnhof mit dem vollen Programm, wie ich es kenne.
Übelkeit, die zum Erbrechen führen würde. Durchfall kündigte sich an, Schwindelgefühle, Taubheitsgefühl einer Gesichtshälfte, Sehstörungen, Sprachstörungen und diese fiesen Schmerzen in Wellen von vorn nach hinten. Jedes noch so kleine Geräusch dröhnte mit schmerzvollem Nachklang in mir und ich hoffte nur noch auf den Halt in Düsseldorf. Da ich niemals mit einem unangemeldeten Anfall gerechnet habe, lagen meine Tabletten natürlich dort, wo ich sie sonst brauchte: Zuhause.
Im Bahnhof um kurz vor sieben Uhr hatte noch keine Apotheke auf und ich erwischte noch die Straßenbahn Richtung Arbeitsplatz. Dort angekommen lallte ich gefühlt ein „Morgen“ und ließ erst einmal mein Büro dunkel. Selbst das Leuchten der Maus schmerzte. Als die ersten Kollegen eintrafen, überwand ich mich und fragte nach Schmerztabletten. Drei Angebote zu Ibuprofen schlug ich aus, das wirkt bei mir nicht im Geringsten. Das Angebot über Aspirin nahm ich als Nothilfe dankend an und eine knappe halbe Stunde nach der Einnahme war ich zumindest wieder soweit, daß ich gefühlt deutlich sprechen konnte. Die ausnahmsweise rechts sich gelähmt anfühlende Gesichtshälfte fühlte sich an wie hängend und mein Gang war nach wie vor nicht sicher. Die Übelkeit klang etwas ab und so konnte ich kurz darauf runter zur Apotheke und mir Paracetamol beschaffen.
Die zwei Tabletten wirkten recht zügig und das bekannte Taubheits- und Hitzegefühl trat ein. Gegen 10 Uhr war ich soweit, daß ich nur noch Druck im Kopf hatte und ein Gefühl, wie auf Watte zu gehen. Übelkeit war noch noch da, wenn ich schnelle Bewegungen machte und das konnte ich ja einigermaßen verhindern. Die Sehstörungen waren dann verschwunden, als auch die Hitze einsetzte.
Die letzten Kopfschmerzen sind nach Einnahme einer weiteren Tablette heute Abend endgültig weg und es bleibt ein Rest von Wattegefühl. Unglücklich ist es gelaufen, daß ich fast keine Vorwarnung hatte. Die habe ich sonst und ich kann dann rechtzeitig mit Paracetamol dagegen an kämpfen. Wenn ich den Anfall zuhause bekomme oder nach Hause kann, muß ich mich schlafen legen, alles verdunkelt halten und am besten kühl. Dann ist der Migräneschock meist binnen einer Stunde soweit abgeklungen, daß ich wieder langsam weitermachen kann.
Heute gab es dafür keine Chance. Doch ich habe daraus gelernt und werde künftig nicht mehr ohne Medikament gehen. Auch wenn ich maximal zwei bis drei Anfälle pro Jahr habe, so hat mir das heutige Drama doch sehr zu schaffen gemacht. Alles wäre besser und glimpflicher abgelaufen, hätte ich nur zwei winzige Tabletten bei mir gehabt. Wie peinlich wäre das geworden, wenn ich mich mitten im voll besetzten Zug übergeben hätte …
Das wundert mich auch mit dem Paracetamol. Allerdings muß ich auch mit zwei Stück á 500 anfangen. Aber ich reagiere auf Ibuprofen nicht im Geringsten und selbst solche Dinge wie Tramal und Novalgin wirken nur kurze Zeit. Danach wehrt sich der Körper mit Übelkeit.
Was gegen Rückenschmerzen und Co. hilft, ist Diclofenac, allerdings auch dort nur als Dispers-Version. Die Dragees kommen irgendwie nicht an.
Als Jugendlicher half ebenfalls seltsamerweise nur die Spalt und nichts anderes.
Körperchemie eben *schulterzuck*
Paracetamol hilft bei dir ?
Das finde ich ja schon erstaunlich .
Normalerweise sind die doch fuer "kleinere" Dinge konzipiert.
Aber ist schon besser, wenn du sie immer mit hast.
Gruß orangata
Das haste ja trotz Allem noch Glück gehabt.
Ich habe immer meine wichtigsten Tabletten dabei, Diclo & Ibuprofen. Einmal habe ich sie vergessen, da kam wie es kommen musste, ich brauchte sie. Ich hatte Glück und eine Kollegin konnte aushelfen.
Ich hoffe für Dich, dass die Watte aus dem Kopf verschwindet.
na klasse 😥
Trotz allem hast du noch ein wenig Glück. Ich hänge mindestens 12 Stunden im Anfall.
Ibupruf.en hilft mir auch nicht im mindesten, genauso Paraceta.mol. Früh und hoch genug dosiert klappt es meist mit As.pirin, sonst Nov.algin.
Alles andere wie bei dir, Sehstörungen, Gefühlsstörungen, Geräuschempfindlichkeit und Übelkeit.
Und du kannst "Drömiligkeit" jetzt als Vorzeichen dazufügen