Der Tod kommt plötzlich

Die Liebste und ich beschäftigen uns schon länger mit der Sache des Versterbens. Man muss einfach schon früh darüber sprechen, damit „die Dinge geregelt sind“, wenn es irgendwann einmal soweit ist. Unsere Erfahrungen zeigen, dass es für Angehörige und Verbliebene schlimm ist, wenn absolut nichts geplant, getan, geregelt ist. Beim Tod eines Angehörigen gibt es unglaublich viel zu tun, schwere Entscheidungen zu treffen und das in einer Situation, in der ein klarer Verstand sicher nützlicher wäre, als eine ohnehin schon emotionsbelastete Situation.

Wir haben uns die diversen Szenarien vor dem Versterben in Gedanken angesehen und sind dann eines Tages (aus Gründen, die in meiner Verwandtschaft liegen) zum örtlichen Notar gegangen. Testamente, Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen waren das Ergebnis dieser beiden Termine und eine große Erleichterung, dass alles klar und deutlich verfügt ist. Was uns noch fehlt, ist das für uns passende Grab. Über das wie sind wir uns einig, es braucht nur noch sozusagen die Buchung der letzten Ruhestätte.

Denn wie ich gerade erlebe, kann es auch ganz anders werden. Die Schwägerin ist im Alter von 57 Jahren in der Nacht aufgewacht, hat merkwürdige Geräusche von sich gegeben und ist aus dem Bett gefallen. Der Bruder hat weder Puls noch Atmung feststellen können und hat die 112 angerufen. Er konnte aufgrund der schlechten Liegeposition nicht mit der Reanimation beginnen und musste auf die alarmierten Ersthelfer aus der Kleinstadt warten. Der anschließend eintreffende Rettungsdienst hat die Reanimation erfolgreich beenden können, doch waren laut späterer Feststellung bereits dreiviertel des Gehirns ohne Funktion, da zu lange der Sauerstoff gefehlt hatte. Die Folge war nun die Abschaltung der Geräte und somit trat der Tod nach einer Woche Intensivstation und Koma ein.

Es gab wohl eine Patientenverfügung und eine Sterbeversicherung, doch aufgrund der persönlichen Lebenssituation der beiden herrscht nun Chaos bei der Planung und in den Handlungen. Unsere Schwester kümmert sich aufgrund örtlicher Nähe und bremst den Bruder immer wieder aus, wenn es um völlig überzogene Wünsche geht. Zumal die finanzielle Situation dort nie gesichert war und eher im Gegenteil jetzt erst richtig die Probleme auftauchen werden. Es hängen auch noch eine Betreuungsregelung für das Kind und ein auf die Verstorbene eingetragenes Eigentum und vieles mehr an diesem Tod. Das alles war vorher nicht besprochen und vor allen Dingen geschrieben. Und da sehen wir alle riesige Probleme auf den Bruder zukommen.

Ich kann daher nur eindringlich dazu raten, sich schon in jungen Jahren darüber Gedanken zu machen, was geschehen soll, wenn man plötzlich handlungsunfähig wird oder verstirbt. Denn das kann von einer Sekunde zur anderen eintreten. Natürlich kann man denken „Was kümmert mich das, ich bin ja tot?“. Doch ich kann sagen, dass es für mich eine große Erleichterung ist, dass meinen Hinterbliebenen „nur“ das Abgeben der Unterlagen an den Bestatter und das Ausräumen meiner Wohnung überlassen ist. Das macht mir das Leben vor dem Tod leichter.

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