Nr. 34
Ich esse gern Brot. Ganz besonders gern esse ich mein Lieblingsbrot. Und noch viel lieber esse ich es, wenn es frisch ist. Dann mache ich mir gern ein paar Scheiben Brot, indem ich sie mit Gehacktem belege, Salz und Pfeffer daraufstreue und schön viel Zwiebelringe obenauf lege. Doch dazu braucht es, wie gesagt, frisches Brot. Mein Lieblingsbrot.
Dieses Lieblingsbrot gibt es nur in der Bäckereiabteilung eines großen Supermarktes weit außerhalb der Stadt. Ich bin also gezwungen, für mein Lieblingsbrot kilometerlange Wege zu unternehmen, um dann voller Vorfreude sabbernd, vor dem Brottresen zu stehen. Mit dummen Gesicht. Weil mein Lieblingsbrot wieder einmal entweder nicht gebacken oder ausverkauft ist. Das ist normal. Oder zumindest fast normal. Ich muß dann jedesmal in den Supermarkt, um mir ein paar Scheiben abgepacktes Lieblingsbrot zu holen, dessen Preis mich jedesmal intensiv nach dem Gold suchen, das darin versteckt sein muß.
Ich bin ja pfiffig und habe schon mal angerufen, bevor ich losgelaufen bin, um mein Lieblingsbrot zu holen. Ja, es wird heute gebacken und ja, man könne mir eines zurücklegen. Also bin ich, meinem Speichelfluß ausweichend, zum Supermarkt weit außerhalb der Stadt gerannt, um mein Lieblingsbrot abzuholen. Die Bäckereiabteilung war leergefegt und an der Information, wo ständig das Telefon klingelte, sagte man mir: oh, das tut mir leid! Also bin ich in den Supermarkt geschlichen, um das vergoldete Brot zu holen.
Einem Tipp zufolge wird mein Lieblingsbrot nur freitags gebacken. Also habe ich mir einen freien tag genommen und bin am Freitag bei Öffnung des Supermarktes in den Laden gestürmt. Ich wollte die Fertigung meines Lieblingsbrotes überwachen und dann unerbittelich endlich einen Laib kostengünstig erwerben. Bis zum frühen Nachmittag tat sich an allen Backautomaten nichts. Der Duft der eingepackten liegenden Nicht-Lieblingsbrote quälte mich und ich bin dann kurz nach draußen gegangen, um mir eine Übergangs-Bratwurst zu kaufen.
Als ich zurück an den Bäckertresen kam, wurde grad das letzte Lieblingsbrot an einen freudestrahlenden Kunden überreicht.
Das hartmetallveredelte Supermarkt-Lieblingsbrot habe ich dann dem Aushilfsbäcker hinter dem Tresen gegen den Kopf geworfen. Jetzt habe ich Hausverbot. Und gestern las ich in der Werbebeilage des Supermarktes weit außerhalb der Stadt, daß sie jetzt mein Lieblingsbrot im Angebot haben. Und jeder Kunde dürfe nur maximal drei Stück mitnehmen.
Freunde, das war ein Fehler. Meine Skimaske und drei der hart gewordenen vergoldeten Supermarkt-Brote liegen hier schon parat.
(c) CeKaDo 2006