Es gab einen Fisch für mich

Am letzten Tag habe ich methodisch didaktisch korrekt „Fishing for compliments“ mit den heutigen zwei Gruppen aufgearbeitet. Für die besondere Situation in der Gedankenkette „Bewerbung – Vorstellungsgepsräch – Selbstbewußtsein“ habe ich versucht, meinen Teilnehmern unter obigem Motto etwas Selbstbewußtsein zu geben. Und das ging so:

Einleitungsmoderation:
Das kommende Geschehen „Fishing for compliments“ wird erklärt. Wir Menschen neigen dazu, Lob abzutun und scheinbar bescheiden auf ein offenes Lob oder ein Kompliment herumzueiern und machen unsere gute Arbeit oder eine gute und komplimentbehaftete Eigenschaft klein. Wir sagen sehr oft Sätze wie „Ach, das war doch einfach!“ oder „Das war doch keine Mühe für mich.“ oder „So gut ist es nun auch wieder nicht“. Damit geschehen unschöne Abläufe, die den Lobenden beschämen und uns selbst in schlechtes Licht setzen. Das wollten wir heute einmal ändern.

Erklärung:
Ich habe mir auf ein DinA4-Blatt zehn Fische gedruckt und das Papier zu kleinen Karten mit jeweils einem Fisch zerschnitten. Für jeden Teilnehmer waren mindestens so viele Fische vorhanden, wie es Teilnehmer gab. Jeder Teilnehmer bekommt einen Packen Fische.
Nun habe ich sie (Zugegeben, da haben sie laut aufgestöhnt!) mit dem Auftrag belastet, sich eine halbe Stunde Zeit und Ruhe zu nehmen und sich etwas auszudenken, was sie in fünf Minuten den anderen Teilnehmern vorn an Stelle des Dozenten berichten, erklären, zeigen oder erzählen möchten. Das Thema ist beliebig, es darf alles genutzt werden, was irgendwie vorhanden ist.
Jeder Teilnehmer sollte also vorn stehen müssen und rund fünf Minuten etwas machen. Die restlichen Teilnehmer sollen dem armen Einzelkämpfer vorn am Ende seiner Aktion einen Fisch geben. Auf die Rückseite dieses wurden ausschließlich die positiven Dinge notiert, die dem Fischgeber aufgefallen sind. Negatives und Kritik waren heute ausnahmsweise verboten.
Als Moderator war ich der einzige im Raume, der keinen Fisch bekommen sollte und auch seine Fische nur mündlich verteilen würde.

Ablauf:
Es haben sich alle Teilnehmer in den verschiedensten Formen eingebracht. Vom Magier bis zur Amazonasreise, vom Motorradclubvorsitzenden bis zu Modedesignerin mit Comediantalent war alles dabei. Wir haben viel gelacht, gelernt und es wurden sehr viele Fisch verteilt, die dankbar aufgenommen wurden. Nach jedem Vortrag habe ich den Teilnehmer vor versammelter Mannschaft positive Wahrnehmungen mitgeteilt. Danach wurden die Fische zu „fliegenden Fischen“, denn sie kamen auf den nun glücklichen Teilnehmer im wahrsten Sinne des Wortes von allen Seiten. Es war übrigens nicht erlaubt, mehr des Dankes (oder anderes) zu sagen als eben „Danke!“. Das war fast der zweitschwerste Teil.

Zusammenfassung:
War die Befindlichkeit der Teilnehmer anfangs eher schlecht und nach Beginn der Moderation die Laune im Keller, so herrschte am Ende eine völlig gelöste und fröhliche Atmosphäre. Die Gruppe war miteinander in engeren Kontakt gekommen und die Fische wurden immer wieder gelesen und bestaunt. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, allen Teilnehmern heute einen starken Motivationsschub in Richtung Selbstbewußtsein und Reflektion gegeben zu haben.

Und dann gab es einen Regelverstoß am Ende des Tages.

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Denn auch ich bekam wider allen Regeln und entgegen meiner Erwartung einen Fisch von jemandem, von dem ich es niemals erwartet hätte, in dieser Form auf mich zuzugehen:

Fishing for compliments - Dozentenkompliment

Da ging mir das Herz über! Danke 😀

3 Gedanken zu „Es gab einen Fisch für mich“

  1. Aber denk dran Cheffe: nur Danke sagen!

    Das hast Du sehr gut gemacht.
    Im Rahmen meiner Psychotherapie hab ich das auch mal gemacht. Ich sollte meine Arbeitskollegen bitten, von mir mehrere positive Adjektive aufzuschreiben.
    Boah ey, damit hatte ich nicht gerechnet. Tat aber sehr gut.
    Ich habe die ganzen Zettel noch in meinem Schatzkästchen.

    Ich denke mir, dass wohl gerade bei Menschen, die schon lange, lange Zeit arbeitssuchend sind, die Aufrichtung des positiven Selbswertgefühls sehr, sehr wichtig ist und bestimmt wohl auch schwer.
    Um so wichtiger für Deine Klienten, dass sie die Möglichkeit hatten, Dich als Dozenten haben zu können.

  2. Das letzte Hemd hätte ich auch nicht genommen. Und wenn ich, so wie hier, erfahren hätte, es wäre der letzte Bonbon gewesen, dann wäre es ganz sicher nicht meiner geblieben 🙂

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