Es war einmal

Ich dachte mal, ich "kann das nicht". Das Schreiben. Ich fühlte mich zu blöd dafür. Beredet bin ich, lesen kann ich auch, nur schreiben eben nicht. Es fehlte mir "das Geheimnis". Bis ich in einem Seminar mit völlig anderem Thema der Barbara begegnete. Und die brachte es auf den Punkt:

Das Geheimnis heißt "Spannungsbogen". Ein liegender Bogen baut sich langsam auf und steht an seiner höchsten Stelle unter großer Spannung. Fast bis zum Zerbrechen.

Bei einer Metapher oder einem Märchen gibt es fast immer eine bestimmte Reihenfolge, die der Schreibende einhalten mag.

Es beginnt mit der Beschreibung des "Ist-Zustandes", führt die Folgen des Handelns bis ins Übertriebene und bis hinein ins Chaos, das als logische Folge eigentlich nur noch den schlimmen Tod oder das schlimme Ende haben kann. Hier ist der Spannungsbogen am stärksten gekrümmt. Und auch die Geschichte ist am unwahrscheinlichsten. Dann kommt die Rettung und binnen kürzester Zeit naht das gute Ende. Natürlich mit einer kleinen Lehre zum Schluß.

Nun kennt nahezu jeder Autor das Problem des "weißen Blattes" und wer ein Märchen oder eine Metapher schreiben möchte, der hat vielleicht schon ein kleines Grundgerüst im Kopf.

Mir hilft es, wenn ich mit dem Chaos beginne. Das Chaos ist der spannendste Moment und der ist recht einfach zu entwickeln, denn das Chaos ist in uns und wir befürchten es in vielen alltäglichen Situationen. Oder erleben es sogar 😉

Aus dem Chaos folgt der Wunsch der nahezu magischen Rettung, nämlich das "was wäre wenn". Damit haben wir Mitte und Ende schon geschaffen. Es fehlt noch der Anfang und der ist nun leicht sozusagen "rückwärts" zu entwickeln. Der Zustand vor dem Chaos, das Fehlverhalten unserer Figur.

Bei Märchen und Metaphern ist es erlaubt, die Haupt- und Nebenfiguren als fremde Menschen, Tiere oder gar reine Fantasiegestalten zu beschreiben. Das macht es dem Leser einfach, sich mit Abstand zu identifizieren. Das Leben einer solchen Figur darf gern auch in fantasievoller Umgebung stattfinden.

Märchen und Metaphern sind allgemein recht kurz. Sie überlassen dem Lesenden viel Freiraum bei der gedanklichen Ausgestaltung seiner Figuren und ihrer Umgebung. Es macht viel Sinn, wenn in wenigen kurzen Sätzen beschrieben wird, wie unsere Märchenfigur lebt und wer sie ist. Sinnvoll ist es auch, den "alten Maulwurf" beispielsweise nicht explizit zu beschreiben, sondern es dem Leser zu büerlassen, sich einen alten, dunkelbraunen, schmutzigen, stinkenden, blinden Maulwurf mit Brille vorzustellen. Wer als Autor seinen Lesern viel freien Raum für eigene Fantasie lässt, wird weniger mit Fehlern konfrontiert.

Ganz sicher ist es manchmal wichtig, das "blaue Trägerkleid mit weißen Tupfen" zu beschreiben. Doch es muß nicht wirklich jede Haarsträhne auf dem Haupt einer jungen Frau einzeln beschrieben werden 🙂

Märchen und Metaphern entstehen aus gemachten Erfahrungen. Jemand hatte Erlebnisse, die er gern weitergeben würde. Was liegt da näher, als diese Erfahrungen und Lehren in ein Märchen zu kleiden.

Das war nun ein dicker Punkt, entstanden aus den Lehren von Barbara und meinen Erfahrungen. Vielleicht fängt ja nun doch jemand unter Euch mit dem Schreiben an. Eine gute Gelegenheit, ein Märchen "loszuwerden" gibt es HIER.

Viel Spaß!

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