
Aus besonderen Gründen habe ich gestern viel Zeit im Auto verbracht und dabei WDR 2 gehört. Unter anderem lief eine Sendung mit Jörg Thadeusz, der einen Autor und sein Buch vorstellte. Darin geht es um das Ergebnis dessen, was der Autor bei Gesprächen mit seinen Eltern vor ihrem Tod über deren Kindheit und junges Leben erfahren konnte. Das hat mich über meine eigenen Interviews nachdenken lassen.
Ich hatte die Eingebung, meinen Großvater väterlicherseits und in Teilen meine Mutter über deren Eltern, Geschwister und Leben zu befragen. Meine Intension war damals die Klärung meiner eigenen Geschichte als unweigerliche Fortführung des ungeklärten Chaos in meiner Familie. Wie sich später herausstellte, hatte meine Großmutter väterlicherseits vieles erzählt, jedoch nicht immer vollständig nachvollziehbar erklärt.
So bin ich immer wieder auf die Suche gegangen und es wuchs daraus meine Ahnenforschung mit all den kleinen und großen Geschichten rund um das, was meinen Vorverfahren geschehen ist. Da ist die Vertreibung der Hugenotten auf Großmutters Seite. Kriegserlebnisse mit Gefangenschaften bei meinem Großvater. Die Evakuierung meines Vaters mit Entfremdung von seinen eigenen Eltern. Der tragische Tod eines noch jungen Großonkels, das Gerücht über eine außergewöhnliche Krankheit eines anderen Großonkels, der öffentlich dokumentierte Streit eines Vorfahren im Mittelalter und viel andere Vorgänge mehr habe ich nach und nach gefunden. Die Quellen werden immer mehr und die Ergebnisse sind oft recht erstaunlich. Weitere Andeutungen gilt es nicht zu vergessen und zu recherchieren.
Ich bin froh, damals gefragt zu haben und wünsche mir, ich hätte noch mehr Menschen aus meiner Vergangenheit befragt und Notizen gemacht. Erste Kontakte zu anderen Forschenden in der Familie habe ich knüpfen können. So erweitert sich immer mehr mein Familienbaum in Richtung Wurzeln und Krone. Dieses Wissen hilft mir, mit beiden Beinen fest auf dem Boden zu stehen. Ich weiß, woher ich komme und welche Erlebnisse und Zeiten meine Ahnen hinter sich gelassen haben. Es ist nicht nur spannend, seinen Wurzeln zu entdecken, sondern auch ein Stück „Ankommen“ und das Gefühl von Heimat. Wo auch immer diese ist. Meine Wurzel liegen in Deutschland und Frankreich, meine verwandtschaftlichen Verbindungen sind über die ganze Welt verteilt. Das macht etwas mit mir und ich kann nur jedem Menschen und gerade den jungen Leuten empfehlen, sich rechtzeitig um die Frage nach dem „Woher komme ich“ zu klären. Redet mit Euren Angehörigen über ihre Geschichte und die ihrer Vorfahren. Redet mit ihnen, bevor es zu spät ist. Daten bleiben vielleicht erhalten und nachvollziehbar, die Geschichten darum nicht.