Grönemeyer – Gelsenkirchen

Ich muß ehrlich gestehen, mir sind über 50 Euro für eine Konzertkarte ja grundsätzlich zuviel. Wenn ich mir dann allerdings diese durchorganisierte Logistik für Menschenmassen anschaue und die Zahl der Einsatzkräfte zu meiner Sicherheit betrachte, dann glaube ich schon, daß der Mann da unten auf dem Laufsteg wohl eher einen der kleinsten Teile verdient.

Die Anfahrt zur Veltins-Arena gestaltete sich problemlos und wir waren ja zeitig zur Öffnung der Arena dort. Die Gastronomie war bereits im Hochbetrieb und ich hätte mir lediglich auf den Karten und an der Arena eine bessere Ausschilderung unseres Sitzblocks gewünscht. So kam ich als Mann nicht umhin, insgesamt dreimal nach dem Weg zu fragen. Wobei das Sicherheitspersonal absolut kompetent und superfreundlich war. Denn ohne Fragen hätten wir uns vielleicht an die kilomterlange Schlange vor dem Einlaß zum Innenraum angestellt.

Noch vor unserem Eingang wurde uns von einem Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes eine "Knappenkarte" für 10 Euro verkauft. In der Arena braucht man kein Bargeld, man lädt diese Chipkarte an kleinen Kassen auf und zahlt dann per Knopfdruck an den Ständen. Getränke kosteten pro 0,4 l 3,40 Euro = 3,40 Knappen. Ärgerlich war, es durfte doch fotografiert werden. Herbert Grönemeyer stellte sich später auf der Bühne sogar extra in Positur und machte seine Witze über Foto-Handies. Allerdings denke ich schon, daß es später Ärger mit der Veröffentlichung gibt. Im Laufe des Tages werden wir vielleicht ja noch Schatzens Fotos vom Handy sehen, wenn die was geworden sind.

Wir saßen in schwindelnder Höhe, fast oben an der Decke. Das ist, mangels Geländer und eben der großen Höhe, dann doch im ersten Moment sehr irritierend und nichts für Menschen, die nicht schwindelfrei sind.

Die Akteure waren winzig und Gesichter nicht mehr zu erkennen. Der Videowürfel in der Deckenmitte war abgeschaltet, dafür lief um eine Sekunde verzögert, ein Live-Video aus verschiedenen Kameraperspektiven auf einer Leinwand im Bühnenhintergrund.

Insgesamt spielte Herbert Grönemeyer mit Band und Streichern knappe 3 Stunden incl. vieler Zugaben. Die neue CD "12" hat er fast durchgespielt, obwohl dann natürlich die Kracher aus alten Zeiten nicht gefehlt haben. "Männer", "Musik nur wenn sie laut ist", "Halt mich" und natürlich "Bochum", wo er vorab das Steigerlied brachte und die gesamte Arena zu dieser Ruhrpott-Hymne aufstand, als wäre es das Deutschlandlied.

Das Publikum war textsicher, selbst bei den neuen Liedern und dort gab sich der Herbert sehr überrascht. Bei den bekannten Stücken brachte er selbst manchmal nur 10 Worte, den Rest übernahm das Publikum. Es war seinem Gesicht auf der Leinwand anzusehen, daß er in so manchen Sekunden von diesen Menschenmassen überwältigt war, die ihn feierten. Und das war einfach herrlich, diese Natürlichkeit zu erleben!

Der Profi zeigte sich in einem Moment, als er mit seinem Lied begann und die Band und er auseinanderspielten. Er brach ab und stoppte alles. Und begann neu.

Der Anblick dieser schier unendlichen Menschenmasse für einen einzigen Menschen war traumhaft. "Zeit, das sich was dreht" aus zigtausenden von lauthals singenden Kehlen zu hören, war einfach umwerfend schön.

Unsere Abreise dauerte ewig und wir waren doch sehr sehr müde, als wir wieder zuhause waren. Doch ich kann sagen, es hat sich richtig dolle gelohnt. Ich würde es wieder so wollen! Jederzeit 🙂

Ach so: Was ich richtig geil fand, war der Moment, als Herbert Grönemeyer sich grinsend und fast entschuldigend daran machte, seinen allerersten Hit zu singen. Kennt Ihr den noch?

:))

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