Ich gebe es ja ehrlich zu: Es ist ein himmelweiter Unterschied zwischen der bisherigen Selbständigkeit unter teilweise Hochdruck und dem, was ich jetzt mache.
Bislang habe ich zwar auch viel und oft lange gearbeitet, doch jetzt gehen die Stunden in gefühlten Minuten vorüber.
Es macht auch nach einem Monat noch immer Spaß und ich schlafe tiefer und fester. Ich gehe früher zu Bett und ich vermute mal, ich nehme sogar ab.
Mein Kopf arbeitet unter Volldampf und es tut mir gut.
Zum ersten Mal nach mehr als 5 Jahren ist am 3. eines Monats noch Geld da, über dessen Ende ich mir keine Sorgen machen muß. Klar, ich kann nicht prassen und es mit vollen Händen ausgeben. Dazu ist es nach wie vor zu wenig. Doch es herrscht nicht die leidige Not, bereits am 3. eines Monats nur noch 150 Euro für Essen, Trinken und Kleidung zu haben.
Ich bin nach wie vor sehr froh über den Schritt in die Insolvenz. Der größte Vorteil ist es, jetzt keine Schulden mehr machen zu können (und zu wollen!). Das Konto bleibt immer im Haben und mein Konsumverhalten hat sich drastisch verändert. Es wird nichts mehr (ein)gekauft, das nicht bezahlt werden kann und nötig gebraucht wird.
Auch der Druck der Gläubiger ist dadurch verschwunden. Kein Geschiebe mehr auf dem Konto und eine Stelle nimmt alle Zahlungen entgegen, die über den unpfändbaren Betrag hinausgehen. Von dort aus werden alle Gläubiger befriedigt und niemand wendet sich an mich.
Es wird mich niemals wieder auf dem Kreditmarkt geben, soviel ist sicher. Die Banken, die mir damals mit viel Engagement die Finanzierung für mein damaliges Haus ermöglicht haben, bekamen längst ihr Geld über dne Rückversicherer wieder. Was sie jetzt bekommen, ist sozusagen der Bonus für die Bearbeitung und die fehlenden Zinsen. Das Finanzamt bekommt zur Zeit in regelmäßiger Schönheit meine Steuererstattungen zugeschustert, so daß wir auch da Freunde bleiben.
Ich kann nur jedem Arbeitslosen mit Schulden raten, sich an die örtliche Schuldnerberatung zu wenden und reinen Tisch zu machen. Es erleichtert ungemein. Denn eines ist klar: Den Druck der Schulden würde ich zusätzlich zu den drei Arbeitsstellen nicht aushalten! Irgend etwas würde da zerbrechen.<