… kommt neulich nach Hause und berichtet, daß während des Unterrichtes eines der Fenster im Klassenraum rausgefallen ist und auf einen der Schüler gefallen ist.
Wer Schulen und insbesondere alte Schulen kennt, der weiß wie groß diese Fenster sind. Der Schüler erlitt eine Gehirnerschütterung und wurde als Sofortmaßnahme von seinen geschockten Klassenkameraden, darunter auch mein Kind, unter dem Fenster hervorgezogen.
Der Hausmeister wurde alarmiert und das Fenster notdürftig mit Holzplatten verschlossen. Weiterhin geschah nach außen hin nichts. Keine Mitteilung an die Eltern, nichts.
Wenige Tage später kippt das nächste Fenster aus den Angeln und wird in letzter Sekunde von der Klassenlehrerin noch gehalten. Schüler alarmieren den Hausmeister und der verschließt das Fenster und schließt den Griff ab. Weitere Maßnahmen erfolgen scheinbar offensichtlich nicht.
Daraufhin bin ich geplatzt und habe dem Bürgermeister der Stadt als verantwortliche Baubehörde eine gemeine Email geschrieben.
Ich zitiere:
Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,
mit Entsetzen habe ich feststellen müssen, daß ganz offensichtlich im XXXXXXXXX Gymnasium Baumängel herrschen, welche Leib und Leben der Kinder gefährden. Meine Tochter besucht die Klasse 7 XXX und dort ist am 22.11.2006
im Raum M42 unmittelbar nach der 5. Unterrichtsstunde ein Fenster aus der Befestigung gefallen und hat den Schüler Felix XXXXXXX verletzt. Dank dem schnellen Handeln der Mitschüler ist es bei leichten Verletzungen geblieben.
Das betreffende Fenster ist ohne jegliches Zutun der Schüler plötzlich in den Raum gefallen.
Weiterhin drohte am gestrigen Tage ein weiteres Fenster in den
Unterrichtsraum zu fallen und konnte nur durch schnelles Handeln der Klassenlehrerin Frau XXXXXX gemeldet und erst am heutigen Tage gesichert werden.
Trotz der nun ständig drohenden Gefahr erheblicher Verletzungen werden die Kinder weiterhin in diesem Klassenraum unterrichtet. Ich sehe dort die Auswirkungen von exzessiven Sparmaßnahmen in der Bauunterhaltung und bin nicht bereit, mein Kind weiterhin der Lebensgefahr auszusetzen.
Ich fordere Sie daher auf, mir binnen kürzester Frist mitzuteilen
– ob Untersuchungen zu diesem Vorfall eingeleitet wurden
– ob eine Dienstpflichtverletzung des Sachbearbieters im Bauamt vorliegt
– ob eine weitere Gefährdung der Kinder ausgeschlossen ist
– inwieweit angemessene Instandsetzungsarbeiten unverzüglich in Auftrag gegeben wurden und binnen kürzester Frist ausgeführt werden
– wer die verantwortliche Person für die Prüfung und Wartung der Fenster ist
und
– aus welchem Grunde die Schüler weiterhin im gefährdeten Bereich unterrichtet werden müssen.
Der Klassenraum befindet sich meiner Meinung nach in einem Zustand, der höchstens einer Obdachlosenunterkunft nach der Räumung entspricht. Ich habe im XXXXXXX Gymnasium bereits mehrere Klassenräume zu Gesicht bekommen und ich bin entsetzt über die baulichen Zustände an dieser Schule. In
Klassenkonferenzen wird fortwährend seitens des Lehrerkollegiums argumentiert, daß alle Instandsetzungsmaßnahmen an fehlendem Geld scheitern.
Wenn damit jedoch nunmehr mit einer Gefahr für Leib und Leben der Kinder zu rechnen ist, tendiere ich dazu, notwendige Maßnahmen als Betroffener zu erstreiten.
Ich bitte Sie, diese Worte ernst zu nehmen und hoffe, daß mir der Schritt in die Öffentlichkeit erspart bleibt.
Mit freundlichem Gruß
Carsten Koch
Diese wohlgesetzten Worte haben scheinbar Wirkung gezeigt. Denn am anderen Morgen war der Klassenraum gesperrt und die Technischen Betriebe besichtigten mit dem Hausmeister die Fenster.
Ich erhielt die folgende Antwort per Mail und heute per Brief:
Sehr geehrter Herr Koch,
Nach Rücksprache mit den Technischen Betrieben Schwelm /AöR und dem Gebäudemanagement kann ich Ihnen mitteilen, dass der Klassenraum M42 bis zur vollständigen Behebung aller Mängel ab Freitag, 01.12.2006, gesperrt ist. Die Reparatur/Erneuerung des defekten Fensters wurde von den TBS umgehend am Donnerstag, 23.11.2006, in Auftrag gegeben. Ein Versäumnis der Sicherungspflicht kann ich nicht erkennen, da sämtliche Fenster erst im vorigen Jahr von der Fachfirma, die die Fenster auch eingebaut hat, überprüft und bei Bedarf instandgesetzt wurden. Ab Dienstag, 05.12.2006, werden die beschädigten Fenster repariert und mit zusätzlichen Sicherungen versehen, um eine weitere Gefährdung auszuschließen.
Ich hoffe, Ihre Fragen zufriedenstellend beantwortet zu haben und versichere Ihnen, dass selbstverständlich alle notwendigen Maßnahmen ergriffen wurden bzw. werden, um eine Gefährdung der Schulnutzer/Innen auszuschließen.
Mit freundlichem Gruß
gez.
Dr. XXXXXX XXXXXXXX
In der Schule hat sich nunmehr herumgesprochen, daß der Klassenraum wegen "Elternbeschwerden" geschlossen wurde. Nun mußten Klassenarbeiten verschoben werden, weil die Kinder einen erheblich kleineren Klassenraum vorübergehend nutzen dürfen.
Allerdings frage ich mich, warum die Meldungen des Schulleiters und des Hausmeisters weniger Wirkung zeigen als die Mail eines Elternteils. Weiterhin frage ich mich, wieviel an diesem gräßlichen Bau noch passieren muß, damit endlich das Geld wieder fließt.
Ich möchte gern mal eine AG an der Schule anbieten. Arbeitstitel "Unsere coole Schule – ein deutsches Sparopfer!"