Mißverständnisse?

Um Mißverständnissen im vorigen Beitrag vorzubeugen, erzähle ich mal ein bißchen mehr über die Lebenssituation meiner Mutter.

Sie sitzt seit Jahren im Rollstuhl, leidet unter Diabetes und den damit verbundenen Störungen wie Amputationen, Hauterkrankungen und ähnliches. Sie wurde am Herzen operiert und hat einiges an Krankheitsbildern zu erzählen. Sicherlich sind in der Vergangenheit viele psychosomatische Dinge zu echten Krankheiten geworden.

Sie hat zu drei ihrer Kinder schon länger keinen Kontakt mehr, ich bin der Einzige, der sich immer wieder mit ihr trifft oder telefoniert.

Was ihre Wohnsituation angeht, so lebt sie sauber und hält ihren Lebensbereich ordentlich und aufgeräumt. Sie sorgt für sich, kocht, kauft ein und fährt mit dem E-Rollstuhl spazieren. Naturgemäß fällt es ihr schwer, solche Reinigungen wie eben Fenster und Staubsaugen an den Wänden und unter bzw. hinter den Möbeln vorzunehmen.

Nun ist sie ein wenig sehr anspruchsvoll, um es vorsichtig auszudrücken. Viele ihrer Putzfrauen haben früher oder später das Weite gesucht, weil sie einfach nicht soviel leisten wollten oder konnten, wie gefordert wurde. Allerdings kann ich auch verstehen, wenn meine Mutter über eine bezahlte Arbeitszeit von 1 Stunde pro Fenster entrüstet ist. Da gälte es, beide Seiten zu hören und das ist mir nciht möglich. Ich weiß, daß alte Menschen manchmal ungerecht sind. Ich kenne allerdings auch genug Abzocker, die gern ne schnelle Mark beim Putzen machen.

Ihre Wohnung ist hell und modern eingerichtet, sie fühlt sich darin sehr wohl. Ab und an leistet sie sich neue Dinge und spart dafür. Aus der Ferne betrachtet geht es ihr für eine 69-jährige sehr gut, zumal sie auch im Kopf sehr helle ist. Das altergemäße "Genöle" kann ich ertragen und es ist gut, daß wir nicht in unmittelbarer Nähe zusammenleben. So bleiben alle Kontakte so, daß wir immer wieder miteinander reden können.

Ein Altersheim wäre ihr ein Greuel und sie bleibt so lange sie kann, selbständig und unabhängig. Und das ist gut so. Wie alte Leute manchmal so sind, finden sie früher oder später selbst an den besten Erlebnissen noch ein schlechtes Haar. Allein, um sich mitzuteilen. Da ist dann der von Kindern so bekannte "Mama-Modus" gefragt. Da rein – da raus! :))

Übrigens liegt in meiner Wohnung mehr herum und sie ist nach einer Woche staubiger als ihre Wohnung nach vier Wochen.

Und nun gehe ich zu Schatz und lasse mich bekochen!

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