Nix Kultura?

Nach unserer gestrigen Wanderung zu den Puschelkühen sind wir noch über „Barmen live“ in Wuppertal geschlendert. Doch was heißt geschlendert, man drängelte sich.

Die drei Bühnen waren verwaist, es spielte niemand Musik oder schauspielerte. Dafür gab es die gesamte Fußgängerzone entlang gefühlte viertausend Fressbuden, die stark frequentiert waren.

Und es war später Nachmittag.

Ich will jetzt nicht ins „Früher war alles besser“ verfallen. Doch andererseits fällt mir auf, dass immer mehr der ursprünglich kulturellen Veranstaltungen zu Fressorgien werden, wo eigentlich niemanden mehr interessiert, was eigentlich gespielt wird. Nur am Abend, wenn die Saufbuden zu den Fressbuden in den Mittelpunkt treten, kommt die Musik noch als schmückendes Beiwerk dazu.

Ist es eigentlich nicht mehr möglich, ohne eine Überhäufung an Essen eine Veranstaltung durchzuführen? Ich stelle selbst auf Flohmärkten fest, dass es nicht mehr ohne Verpflegungsstände aller Art geht und, neben den scheinbar unvermeidbaren Billig-Klamottenhändlern, kaum noch echter Trödel gehandelt wird.

Selbst am Arbeitsplatz muss ich rigoros dagegen einschreiten, dass meine Teilnehmer ganz offensichtlich tot umfallen, wenn sie nicht alle 10 Minuten irgendetwas in den Mund schieben. Sie müssen essen und das den ganzen Tag lang. Mal abgesehen von der Mittagspause, wo sie eine große Mahlzeit brauchen, weil sie „völlig unterzuckert“ sind.

Ich bin selbst kein Leichtgewicht und deutlich zu dick. Was ich gestern jedoch alles gesehen habe („Zuckerschnute“ auf einem weiblichen schwabbelnden Teenagerbauch ist momentan wohl der Burner schlichthin), lässt mich dann doch ziemlich erblassen.

Und wer jetzt auf den Titel schaut, der wird sich fragen, was denn mangelnde Kultur mit überhäuftem Essensangebot zu tun hat? Nun, auch die Esskultur liegt inzwischen am Boden. „Fingerfood“ ist inzwischen üblich, da das Essen mit Besteck aus Kostengründen an Imbissständen kaum noch möglich wird. Die „Bratwurst im Brötchen“ spart Besteck und (Papp)Teller und man kann dann ja auch schon mal zum nächsten Stand weitergehen.

Dank der Stöpsel vom mp3-Player hört man ja ohnehin nur wenig von der nicht gespielten Musik.

Merkwürdige Zeiten.

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