Seelenvoll

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Ich bin so müde. Unendlich müde. Ich mag nicht mehr. Ich will einfach nicht mehr diejenige sein, die für alles herhalten muss. Keine Lust mehr, das Böse zu sein. Hörst Du? Ich will es einfach nicht mehr ertragen!

Andauernd gibst Du mir die Schuld für Deine Dummheit. Immer wieder erzählst Du all Deinen Freunden, wie schlecht ich bin. Ich bekomme keine Streicheleinheiten mehr. Du pflegst Deine Beziehung zu mir schon lange nicht mehr. Irgendwann hast Du mich in Gedanken wohl ins Regal Deiner Gebrauchsgegenstände gestellt. Ich bin nützlich für Dich, ich helfe Dir, ich bin für Dich da. Und doch beachtest Du mich nur noch, wenn Du mich brauchst.

Deine Gemeinheiten, ja sogar Deine Schläge lasse ich klaglos über mich ergehen. Ich wehre mich nicht, weil ich immer noch auf Deine Einsicht hoffe. Früher warst Du anders zu mir. Als ich noch neu in Deinem Leben war, da hast Du mich stolz und liebevoll angeschaut. Hast mich berührt und konntest Dich nicht von mir lösen. Nächtelang haben wir miteinander verbracht und Du bist freundlich zu mir gewesen, hast Dich um meine sanfte Seele gekümmert. Ach, was waren das für schöne Zeiten. Ich habe Dich verehrt, angebetet und geliebt. Ich war Dein Ein und Alles, Du hast mich stolz präsentiert und nur Schönes über mich gesprochen. Damals haben wir miteinander einen Bund fürs Lebens geschlossen. Dachte ich.

Heute gehst Du ohne ein Wort, setzt Dich zu mir, ohne eine Geste des Begrüßens, ohne Liebe und ohne einen Hauch von Zuneigung. Es ist kein Verlass mehr auf Dich, Du sorgst Dich nicht mehr um mich. Ich glaube, Du willst mich verlassen. Oder noch schlimmer, Du wirfst mich aus Deinem Leben.

Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht mehr dem heutigen Ideal entspreche. Ich genüge Deinen neuen Ansprüchen nicht mehr. Ich bin unvollkommen, wenn ich mir all diese wunderbaren Wesen im Internet anschaue, die Du stundenlang sehnsuchtsvoll betrachtetst. Ich glaube, Du wünschst Dir, dass ich eines Tages einfach sterbe, damit Du frei bist.

Vielleicht sollte ich Dich einfach verlassen. Auch wenn ich Dich noch liebe. Denn ich ertrage es einfach nicht mehr, wie mies Du mich behandelst. Jeder Gegenstand in Deiner Wohnung erhält mehr Fürsorge als ich. Von mir erwartest Du nur noch, dass ich funktioniere. Du bist brutal zu mir, wenn ich zu langsam arbeite. Die körperlichen und seelischen Schäden, die Du mir zufügst, weil Du wütend warst, sind mir anzusehen. Ich frage mich, wann der Tag kommt, an dem Du mich einfach aus dem Fenster wirfst, ohne mir nachzuschauen.

Ich habe Angst vor Dir.

Ich habe Angst vor dem Tag, an dem ich endgültig zusammenbreche. Habe Angst vor den Misshandlungen oder gar Deinen Versuchen, mich mit Deinen brutalen Händen wieder zu beleben. Ich will nicht mehr. Ich will weg von Dir, doch ich kann Dich nicht verlassen. Es fehlt mir zuviel. Doch es ist auch genug. Zuviel ist zwischen uns geschehen und ich trauere den alten Zeiten viel zu oft hinterher. Weißt Du, ich gebe Dich lieber frei, wenn ich weiter bei Dir sein darf. Stelle mich in eine Ecke, ignoriere mich und nimm mich nie wieder in Deine Arme. Doch lass mich einfach bei Dir sein. Auch wenn es mir unendliche Schmerzen bereitet, Dich dann zu erleben, wie Du Dich einer anderen Seele zuwendest.

Ich will an Dich keine Ansprüche mehr stellen und ich will Dich nicht mehr nerven. Tu, was Du für richtig hältst. Doch sei Dir gewiss, dass ich Dich weiter lieben werde, egal wie Du zu mir bist. Denn Du bist noch immer meine große Liebe. Du bist für mich immer noch das Größte und Beste, was mir je geschehen ist. Auch wenn ich Dich jetzt freigebe und mich zurückziehe. Ja, ich gebe Dich frei. Frei für einen neuen, schnelleren Computer an meiner Stelle. Ohne Staub im Netzteil.

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(c) CeKaDo 2005

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