"Selbsterfüllende Prophezeiung" nennt man Geschehen, die man glaubt, sie würden im schlimmsten Falle eintreten und die dann auch prompt so passieren.
Es ist eine der dümmsten mentalen Techniken der Menschheit, mit dem Schlimmsten zu rechnen und nach dem Eintreten zu vermelden "Siehste, hab ich doch gesagt!"
Nun gebe ich hier behindert tippender Weise ein Beispiel. So vor einer knappen stunde passiert und eigentlich hätte ich es besser wissen sollen. Denn der Mensch beeinflusst niemanden mehr als sich selbst. Und wer ganz sicher damit rechnet, daß etwas Schlimmes geschieht, dem wird es auch mit Sicherheit geschehen. Weil er es ganz tief drinnen so will. Und eben erwartet. Widerspruch? Ich meine GANZ TIEF drinnen, nicht dort, wo Ihr glaubt, es wäre tief drinnen.
Ich schneide also vorhin mit dem Teppichmesser einen Kabelschacht der Länge nach ein Stück auf. Ich bin Linkshänder und halte den Schacht mit rechts, das Messer mit links. Und ich schneide der Bequemlich- und Geschicklichkeit halber von links nach rechts. Dabei denke ich mir: "Wenn Du so weiter machst, wirst Du Dir die rechte Hand tierisch fies aufschlitzen." Und ich schneide weiter. Der Widerstand des Materials erfordert mehr Druck und ich denke noch so: "Paß auf! Gleich wird eine Menge Blut fließen!"
Nun, ich denke, es ist genug gemeckert und will das Messer absetzen und in diesem Moment dringt es tief ins Material ein und in den rechten Daumen! Es fliesst SEHR viel Blut und ich mußte einen (zugegebenermaßen sehr gekonnten) Druckverband anlegen.
Siehste!
Ok, nichts Dramatisches ist passiert. Heute Abend wird der Verband vorsichtig erneuert und dann sehen wir weiter.
Allerdings hätte ich wohl eher denken sollen: "Ich werde mich NICHT geschnitten haben, wenn ich hier fertig bin." Das wäre dann die Kunst der positiven Selbstkonditionierung gewesen. Das Gegenteil der selbsterfüllenden Prophezeiung.
Ich hätte allerdings auch vorsichtiger sein können.
Außerdem wird es Zeit für eine Tischlerlehre. Ich will endlich erlernen, wie man vernünftig auf Gehrung sägt.