Tja, Herr Bundeskanzler Merz

In vier Arbeitstagen werde ich meinen Arbeitgeber mit Abgeltung von Resturlaub verlassen müssen. Da kann der Bundeskanzler und all seine Parteimitglieder noch so viel über die Verlängerung der Lebensarbeitszeit krakelen und Gesetze ankündigen, Forderungen stellen und Ermahnungen aussprechen. Die Arbeitgeberschaft ist einfach nicht bereit, ältere Mitarbeitende über das Renteneintrittsalter hinaus zu beschäftigen. Und ganz besonders ist hier der Öffentliche Dienst als ausführendes Organ der Bundesregierung an erster Stelle angeführt.

Klar, nicht jeder ist so irre und will einfach weitermachen. Da bin ich jedoch keine Ausnahme, wie ich aus Kollegenkreisen vernommen habe. Doch „die Haushaltslage“ wird als übermächtige Ausrede angeführt, wenn es um den zart verpackten Rausschmiss der Leistungsträger aus der Boomer-Generation geht. Verbunden mit der stets gleichen Absage der älteren Neubewerber auf ausgeschriebene Stellen (übrigens der gleichen Art wie sie vorher freigegeben wurden), dass man „besser passende Mitarbeitende gefunden habe“. Und ja, wer sich das Lohhn- und Gehaltsgefüge angestellter Mitarbeitender im öffentlichen Dienst anschaut, der wird feststellen, dass neu Eingestellte deutlich weniger verdienen (weil geringere Erfahrungsstufe und somit weniger Bruttogehalt) als die erfahrenen Mitarbeitenden mit eben höherer Einstufung.

Wie auch immer, Herr Bundeskanzler, Ihr lauthals in die Welt gesandten Worte stoßen auf taube Ohren in ihrer eigenen Verwaltung. Da sehe ich deutlichen Aufklärungs- und Handlungsbedarf.

Ich bewerbe ich nun fleißig weiter und werde mal eine Bewerbung mit gelöschten Angaben zum Vornamen, Alter, den Beschäftigungsdaten und ohne Bild versenden. Sodass niemand vor einem Gespräch mit mir mein Alter und mein Geschlecht erfährt. Ich bin gespannt, ob ich tatsächlich eingeladen werde. Das ginge übrigens auch über das Kontaktformular des Bundeskanzler.

Zwischenzeugnis

9 Arbeitstage plus zweieinhalb Wochen Urlaub vor meinem Ausscheiden habe ich vom jetzigen Arbeitgeber mein Zwischenzeugnis erhalten. Angefordert im November, angekommen nach mehr als zwei Monaten und kurz vor dem ohnehin notwendigen Ausstellen des endgültigen Zeugnisses. Auf dem ich trotz Rentenbeginn bestanden habe. Ich suche ja nun einen Job ab dem 01.03.2026.

Das Zwischenzeugnis ist übrigens drei Seiten lang. Ebenso wie mein Lebenslauf.

Was bleibt ist Unsicherheit

Ich hatte gestern ein Vorstellungsgespräch. Beworben hatte ich mich für eine Tätigkeit als Arbeitsvermittler in einer Maßnahme bei einem sozialen Bildungsträger. Teilzeit, ab sofort, kirchlicher Tarifvertrag, gute Maßnahme und für mich ein bekannter, solider Träger.

Im Gespräch stellte ich fest, dass die Entscheiderinnen für dieses Projekt voller Begeisterung sind und für ihre Arbeit brennen. Ich hingegen habe mich aller gebotenen Begeisterung für meine Arbeit dargestellt und meines Erachtens gut verkauft.

Ich habe noch weitere Bewerbungen laufen, es steht nun seit gestern doch noch ein Gespräch mit der Chefetage an und ich bin mir nicht sicher, ob ich wirklich nahtlos für 1.100 €uro brutto weniger im Monat für 6 Monate und danach für weitere 12 Monate befristet angestellt sein möchte. Im schlimmsten Falle bin ich dann fast 68, wenn ich wieder einen Job suchen müsste. Leichter wird es mit den Jahren sicher nicht.

Nun, man führt jetzt weitere Bewerbergespräche und wird sich melden. Was in mir zurückbleibt, ist die Unsicherheit.

Dankbar

Gestern hat das Auto nach den neuen Sommerreifen im Frühjahr nun auch neue Winterreifen bekommen.
Die Aktion an sich war bemerkenswert unspektakulär.
Was mich jedoch immer wieder dankbar und zufrieden sein lässt, ist die schlichte Tatsache, dass ich die knapp noch dreistellige Rechnung ohne Erschrecken und Not einfach bezahlen konnte. Das Trauma aus der Zeit vor 20 Jahren hat sich so tief in die Seele eingebrannt, dass ich noch heute glücklich über diesen kleinen Luxus bin.

Die Werkstatt suche ich auch bereits seit 20 Jahren auf und gestern kam das Gespräch auf eben diese schlechten Zeiten. Verrückt ist, dass ich noch heute, auch wenn es überhaupt nicht nötig und üblich ist, ein reines Guthabenkonto führe. Das irritiert bei jedem Beratungsgespräch die Mitarbeitenden in der Bank und führt zu seltsamen Versuchen, mir einen Disporahmen einzuräumen. Kostenlos versteht sich, harhar. Nein danke, nie wieder.

Und die einzigen Kredite, die ich seit dieser Zeit jemals wieder bedient und pünktlich bzw. vorzeitig abgezahlt habe, waren eben dieses Auto und nach dem Umzug die neue Einbauküche. Wobei uns inzwischen Beides gehört.

Ich habe aus diesen üblen Zeiten gelernt. Dennoch bin ich jeden Tag dankbar, dass ich heute so unbeschwert durch das Leben gehen kann, ohne bei jedem Brief im Postkasten zusammen zu zucken.

Nur noch vier Monate

Und dann sind es seit heute nur noch vier volle Monate bis zum Erreichen des Renteneintrittsalters. Meine Güte, ist das gruselig.

Da sitze ich hier und habe in den letzten Tagen für die Nebentätigkeit noch einen Haufen Arbeit vorbereitet und die wiederum habe ich unbefristet, also ohne automatischem Ende bei Erreichen der Regelaltersgrenze. Warum der Tarifvertrag meines Arbeitgebers einen solchen Quatsch aus uralten Zeiten noch enthält, weiß wohl niemand mehr.

Perspektivisch bin ich also gefühlt ab dem 01.03.2026 wieder einmal arbeitslos und könnte alternativ die volle Rente beantragen. Was ich aber nicht will, da ich erstens gern arbeite und zweitens einen monatlichen Vermögens- bzw. Einkommensschaden von mehr als 1.000 € erleiden würde. Das ist schlicht und einfach inakzeptabel.

Ab Montag bin ich ja wieder im Dienst und werde dann massiv meine dienstlichen Kontakte nutzen, um mir eine Arbeitsperspektive im Konzern zu schaffen.

Es klingt völlig bekloppt, wenn ich in Zeiten, wo jeder lieber heute als morgen in Rente gehen würde, vorzeitiger Rentenbezug als goldenes Ziel im ganzen Verwandten- und Bekanntenkreis im Raume steht und ich hingegen nicht aufhören will. Gern natürlich in Teilzeit, es geht letztendlich nur um diese 1.000 € monatlich, wobei ich gern auch mehr nehme und natürlich auch rentenwirksam meine Beiträge abführen lassen will. Denn rein rechnerisch würde ich, wenn ich weiter rentenwirksam arbeite, meine Rente nach drei Jahren der weiteren Tätigkeit um 20 Prozent erhöhen. Was bei mir immerhin brutto schon eine mächtige Entspannung verschaffen würde. Mal ganz abgesehen von der geplanten Steuerfreiheit des Verdienstes, wenn sie denn eingeführt wird.

Also lautet das Fazit für mich: Rente? Nein danke, jetzt noch nicht!