„Schön, dass Sie über das Renteneintrittsdatum weiterarbeiten möchten.“
„Sehr gern, geht ja auch mit dem Wunsch der Regierung konform und Sie wissen ja, Wissenstransfer, Behalten von Leistungsträgern im Beruf und so weiter.“
„Wir können Sie jedoch nicht weiter beschäftigen.“
„Aus welchem Grund?“
„Wir beschäftigen grundsätzlich keine Rentner.“
„Ich gehe nicht in Rente, ich werde weiterarbeiten.“
„Das macht keinen Unterschied.“
„Sie suchen seit Jahren erfolglos Mitarbeitende in genau meiner Tätigkeit und lassen mich gehen?“
„Wir beschäftigen grundsätzlich keine Rentner.“
„Dann bewerbe ich mich eben auf die ausgeschriebenen Stellen. Ich erfülle ja dank meiner Berufserfahrung in diesem Fachgebiet alle Voraussetzungen perfekt.“
„Wir müssen Sie ja nicht zum Vorstellungsgespräch einladen.“
Das nennt man dann wohl mal die perfekte Altersdiskriminierung. Klage zwecklos, da nichts gerichtsfest nachweisbar. Ich suche ab dem 01.03.2026 oder früher einen neuen Job.
Es ist zum Kotzen, Herr Bundeskanzler Merz, wie weit Sie mit Ihren Forderungen weg von der Realität sind. Denn dieses obige Gespräch fand kürzlich im öffentlichen Dienst statt, also in einer Behörde, die im Auftrag der Bundesregierung Dienste am Bürger leistet und somit eigentlich eine Vorbildfunktion haben sollte.
Da ich es gewohnt bin, mein Leben um die wirklich wichtigen Dinge kämpfen zu müssen, werde ich also wieder einmal wehrhaft. Ich werde Bewerbungen versenden müssen und wünsche mir wieder einmal, dass wir auch in Deutschland lernen könnten, auf das Foto, das Geschlecht und die Altersangabe verzichten zu können. Denn Diskriminierung jeglicher Art ist zwar verboten, jedoch alltäglich und nicht nachweisbare Praxis. Ebenso wie Rassismus.
Die Kernfrage für mich als hoffnungslos „überqualifizierte“ und „multifunktional einsetzbarer“ Mitarbeitender ist jetzt: „Wer stellt mich in meinem Alter noch ein?“ ergänzt mit „Und hegt nicht die üblichen Vorurteile gegen Alte wie zu kaputt, zu teuer, zu langsam?“.
