… fehlt mir das tägliche Bloggen.
In den Anfangszeiten dieses Blogs, damals noch unter der Url tagesblog.de ohne Bindestrich, schrieb ich täglich auf, was ich den Tag über erlebt habe oder was mich bewegte.
Dann rannte mir die Zeit davon, ich begann die intensive Vollzeittätigkeit mit Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Ich hätte genügend blogbares Material, doch der Datenschutz, Schutz der Persönlichkeit und all diese Dinge hemmten mich. Na klar, es hätten auch weiterhin die Mahlzeiten sein können, Urlaubsberichte und das ganze Blablabla des Lebens drumherum. Doch irgendwie war die Luft raus und, Blogger kennen das, es stellte sich die Frage für wen und aus welchem Grund überhaupt noch bloggen.
Irgendwann im vorletzte Jahr habe ich dann meine ganzen facebook-Äußerungen hier ins Blog übertragen und in täglicher Kleinarbeit zumindest mit vernünftigen Überschriften versehen. Und nun, so kurz vor der erzwungenen und nicht gewollten Rente, habe ich mir überlegt, dass ich doch noch einmal den Versuch starten werde, wieder täglich etwas zu schreiben. Denn immerhin habe ich dieses, diesen Blog einst auch als Tagebuch und Erinnerungsbuch für mich genutzt. Als Rechtfertigung für mein Leben, als geschriebene, erlebte Geschichte für mich und am Ende für die kurze Zeit zwischen dem Moment meines Todes und dem des Löschens, weil mein Provider kein Geld mehr für den Serverplatz bekommt.
Dabei fällt mir die absichtliche oder unabsichtliche Weisheit eines früheren Freundes ein, der seinem Provider in einer Zeit, als es ihm finanziell gut ging, derart viel Geld überwiesen hat, dass er vermutlich noch 20 Jahre nach seinem Tod noch virtuell am Leben bleibt. Es sei denn, der Provider geht pleite. Das digitale Erbe ist so eine Sache, die bei uns hier im echten Leben ungeklärt und in Gesprächen unerwünscht ist. Tod bedeutet gleich Abschaltung des digitalen Seins, abgesehen von den laufenden (kostenlosen) Accounts. Die werden dann sicher irgendwann gelöscht.
Ich gehe da sehr pragmatisch an die Sache heran. Wo ich mir früher ein Grab mit Grabstein, eine ewige Erinnerungsseite und mehr gewünscht hatte, ist es mir inzwischen egal, was von mir übrig bleibt. Die Erinnerung an mich wird bleiben. Und zwar bei denen, die sich gern an mich erinnern. Mehr braucht es nicht. Und für das digitale Leben gibt es letztendlich auch die wayback machine des Internets. Und die NSA vermutlich. Aber das ist eine andere Geschichte.
Nun, wir werden lesen, was aus meinem Vorhaben geworden ist.