Es ist Ende des Monats und es schon länger mal wieder Ende des Geldes 🙁
Ich weiß nicht, ob es Bestimmung oder einfach fortwährende Dummheit ist, aber ich kenne keinen anderen Zustand als diesen. Ich kann mich nicht entsinnen, jemals am Ende eines Zahlmonats noch sagen zu können: „Jetzt habe ich noch richtig gut Geld über.“
Als Kind habe ich zunächst ohne Taschengeld gelebt und später dann mit 10 DM im Monat. Das Geld war schnell verbraucht, auch wenn Süßwaren damals noch Pfennige gekostet haben. Mit 15 Jahren wurde mein Taschengeld auf 20 DM im Monat erhöht und es wurde mir einmal im Monat so um den 10ten herum ausgezahlt. Ich hatte so keine Not, das kann ich nicht behaupten. Aber da ich einen Teil der Schulhefte selbst kaufen mußte und mir jegliche Nascherei und Trinkerei selbst zu finanzieren hatte, wurde es eng. Ich habe dann versucht Zeitungen auszutragen und war einfach nicht in der Lage, die Zeitungen auszuliefern und zu kassieren, die den Leuten von Drückerkolonnen aufgeschwatzt wurden. Der Zusatzverdienst war nur von kurzer Dauer und endete im Chaos.
Dann habe ich mit 16 mit der Ausbildung und 365 DM Einkommen monatlich wahnsinnig viel Geld verdient, so dachte ich. Davon haben mir meine Eltern monatlich 200 DM Kostgeld abgenommen und mein Vater hat sich in regelmäßiger Weise jeden Monat gut 50 DM geliehen, die irgendwie sehr selten zurückkamen. Es blieben gut 100 DM, die ich in Ausgehen mit anderen Azubis und Schallplatten angelegt habe. Und eben in zusätzlichem Essen und Kantinenessen zum Mittag. Das Geld war regelmäßig bereits in der Mitte des Zahlraums weg.
Mit 18 und noch in der Ausbildung bin ich mehr oder minder aus der elterlichen Wohnung ausgezogen worden und habe mir mit 421 DM monatlich eine Wohnung für 180 DM kalt gemietet. Die war auch oft sehr kalt. Denn ein Zentner Kohlen kostete damals um die 19 DM und hielt für knapp 3 Wochen. Diese Wohnung wurde von meinem Vater und meinem Großvater gegen Zahlung der Materialien mit neuen Stromleitungen versehen, die Kosten von 1.000 DM habe ich als Kredit erhalten. Später hat sich rausgestellt, daß das Material nichts gekostet hat (man mag sich denken warum) und mein Vater sich das Geld in die Tasche gesteckt hatte. Ich kann heute behaupten, daß ich mich von diesem Kredit nie wieder erholt habe. Denn es wurde mir einfach zu leicht gemacht, Geld zu leihen und ich hatte später arge Probleme, diese Einstellung wieder loszuwerden.
Ich habe nach der Ausbildung gut verdient, den Umgang mit Geld jedoch nie erlernt. Es gab keine Vorbilder für mich, vermögenswirksame Leistungen habe ich nicht gekannt und es gab keine Anleitung für mich, wie ich mein Leben geregelt finanziell gestalten sollte oder könnte. Meine erste Freundin „schwamm“ im Geld und ich wollte mithalten. Die nächste Freundin besaß garnichts und lebte von mir. Meine erste Frau arbeitete nicht und lebte von mir, hatte große Ansprüche und ihre angesparten Reserven waren schnell weg.
Die zweite Frau hat viel gearbeitet und wir haben in insgesamt teilweise 6 Jobs eine unglaubliche Menge Geld erarbeitet und wieder ausgegeben. Dank der Banken und unserem Bedürfnis, eigene Defizite mit Kauflust auszugleichen haben wir uns unglaublich hoch verschuldet. Letztendlich war auch dort am Ende eines Monats nichts mehr da, was zurückgelegt werden konnte.
So versuche ich nun seit 2 Jahren, mit den gegebenen Mitteln wenigstens auszukommen. Ich habe mich erzogen, indem ich 2 Jahre lang kein Konto mehr besessen habe. Es gibt für mich keinen Ratenkauf mehr und auch keine Kredite mehr. Sowas habe ich endgültig aus dem Leben gestrichen.
Ich habe monatlich einen festen Betrag zur Verfügung und ich versuche heute, alle anfallenden monatlichen Kosten sofort zu bezahlen. Das ist eine Einstellung, die ich erst erlernen mußte. Mit dem dann übrig bleibenden Geldern muß ich auskommen. Es klappt auch, keine Frage. Doch wenn es dann noch 2 Tage bis zum Zahltag ist, dann wird es eng, dann darf nichts mehr passieren.
Das ist ein grausiges Gefühl.
Und vielleicht jetzt, nachdem ich es geschrieben habe, auch ein Anfang zu einer anderen Art der Einteilung. Ich habe es mit Briefumschlägen versucht, mit Haushaltsbuch und vielen anderen Tricks. Und ich gebe zu, Disziplin ist nicht so meine Stärke 😉
Jedenfalls werden die nächsten Monate ein wenig enger als sonst, weil die Steuern fällig sind. Man wird an Mahlzeit! sehen, wie es sich bemerkbar macht. es wird sicher öfters mal Eintopf geben. Und ich bin froh, daß ein Sack Kartoffeln nur 99 Cent kostet.
Ich weiß ja, daß es einige Menschen hier gibt, die knapp bei Kasse sind. Wie teilt Ihr Euch das ein, was so im Monat reinkommt?