Die Überschrift klingt übel und ist auch nicht so ganz korrekt. Als Satiriker bin ich jedoch Übertreibungen gewohnt und erkläre meist nach der Provokation, was gemeint ist. So also auch hier.
Ich werde am Montag am rechten Auge operiert. Meine Augen haben sich den „Grauen Star“ eingefangen oder besser gesagt, ihn entwickelt. Früher sind die Menschen daran erblindet und im Alter hilflos geworden. Heute schneidet man mit einem Präzisionslaser-Roboter die defekte Linse unter der Hornhaut heraus und setzt eine passende künstliche Linse ein. Der Rest ist Heilung und Gewöhnung.
Der Graue Star sieht von innen so aus, dass ich zunächst nur bemerkte, dass ich ungern bei Regen in der Dunkelheit Auto fahre. Die Blendungen wurden stärker und mit der Zeit bekamen die Rücklichter und die Scheinwerfer der entgegen kommenden Fahrzeuge einen „Heiligenschein“, also einen Kranz aus Licht. Das betraf und betrifft nur das rechte Auge. Autofahren darf man damit noch, denn solange noch insgesamt 70 Prozent Sehkraft vorhanden sind, ist auch versicherungstechnisch alles im grünen Bereich.
Was ich nur empfand und empfinde, ist das lästige Gefühl, nicht richtig scharf sehen zu können und ich bemerke die Überlastung des linken Auges durch den stetigen Versuch des Ausgleichs des erkrankten Auges. Ich habe viel früher als sonst „müde Augen“ und bekomme Schmerzen. Das muss geändert werden.
Natürlich operieren die Augenärzte gern und noch lieber für viel Zuzahlung. Wobei ich jetzt sagen muss, dass die von der Krankenkasse finanzierten Leistungen bei Weitem nicht für eine vernünftige Diagnose und später normales Sehfeld ausreichen. Wundern tut mich das nicht, wissen wir doch alle, dass Krankenkassen grundsätzlich nur die zum Überleben notwendigen Maßnahmen bezahlen. Alles andere ist Luxus, auch wenn der Luxus dem früheren Zustand entspricht.
Ich wurde also beim Augenarzt umfangreich und mit einer Mappe für das Lesen daheim über alle Vorgänge und Risiken zur Operation aufgeklärt. Wer sich gern gruselt und Horror liebt, dem empfehle ich diese Lektüre als Betroffenen. Bei mir ist jedoch der Leidensdruck derart hoch, dass die Angst vor der Operation darunter bleibt. Für im Moment rund 480 € plus 60 € für die etwas bessere Linse haben ich nun eine umfangreiche Untersuchung an insgesamt 10 Geräten hinter mir (das tut übrigens tatsächlich nicht weh und ist hochinteressant). Ein Gespräch mit dem zuständigen Anästhesisten habe ich ebenfalls hinter mir und der gute Mensch hat mich in 10 Minuten mehr beruhigt, als alle anderen davor.
Geplant ist der folgende Ablauf:
Ich werde am Monat in der Praxis eintreffen und muss natürlich mit dem Bus anreisen. Mit Autofahren ist dann erst einmal eine Weile nichts. Bevor ich daheim losfahre, gebe ich mir vorher ausgehändigte Augentropfen ins Auge. In der Praxis angekommen, wird mir ein Zugang gelegt (das sind diese Dauernadeln im Handrücken, worüber Infusionen gegeben werden) und ein Medikament gegeben, das mich in einen relativ kurzen Schlummer versetzt. In der Zeit des Schlafens wird neben (!) mein Auge ein Medikament eingespritzt, dass meine Augenmuskulatur des rechten Auges für 24 Stunden lähmt. Das linke Auge bleibt beweglich und unangetastet. Danach liege ich für 10 Minuten unter einem Laser, werde nichts spüren und nur Licht sehen. Anschließend bekomme ich einen Verband über das Auge und muss warten, bis sich mein Kreislauf wieder in gewohnten Bahnen stabilisiert hat. Das war es dann auch schon für diesen Tag.
Am Dienstag fahre ich wieder in die Praxis, mir wird der Verband entfernt und ich erhalte das erste Mal die den Heilungsprozess unterstützenden Augentropfen. Die muss ich dann in den kommenden Tagen selbst auftragen, damit der Tränenfluss auch wieder in die Gänge kommt. Meine volle Sehschärfe erreiche ich innerhalb von etwa zwei Wochen. Das bedeutet, dass ich bis dahin meine Brille nicht tragen kann und auf dem linken Auge eben nur wenig scharf sehen werde. Da sich dort ebenfalls schon der Graue Star bemerkbar gemacht hat, wird zwei Wochen nach der Operation am rechten Auge auch das linke Auge operiert. Der Plan ist dann, dass ich Ende August meine volle Sehkraft habe und nur noch für die Nahsicht eine Brille brauche. Ob ich das über eine Gleitsichtbrille regele oder mir eine Lesebrille beschaffe, kann ich heute noch nicht sagen.
Ich werde mich also am Montag von meinem bisherigen Sehen und meinem seit Geburt bei mir gebliebenen Auge verabschieden und habe dann ein weiteres Ersatzteil in meinem Körper. Als alter Science Fiction-Fan grüße ich alle Cyborgs. Solche Linsen wie in den Filmen sind übrigens für den allgemeinen Markt noch nicht verfügbar. Ich habe nachgefragt. 🙂