Über Fast-Food-Blogging

Blogs sind das Fast-Food des Internets. Oder die Klowände, wie man ja aus berufenem Werbemunde lesen kann.

Als Fast-Food wird geringschätzig bezeichnet, was sofort verfügbar, nahrhaft bis zum Übermaß und preisgünstig an jeder Straßenecke angeboten wird. Fast-Food gilt als Nahrung für Faule, Kulturbanausen und Gleichgültige.

Wer Fast-Food herstellt oder vertreibt, der trägt das Bild des gierigen Billigproduzenten mit Gerümpelausstattung und ausgebeuteten Angestellten mit sich rum.

Somit habe ich hoffentlich alle Vorurteile mal ausgebreitet.

Übertrge ich dies nun auf Webseiten und Blogs, dann ist Fast-Food-Internet das schnelle Drüberlesen, sofort aufgebaute Seiten und kostenlos. Der Inhalt ist leicht und schnell überschaubar, gedanklich innerhalb von Sekunden auszusortieren und an jeder Straßenecke sichtbar.

Wer Fast-Food-Webseiten betreibt, der will mit seiner Seite viel Besucher locken und lässt viele Mitmenschen an seiner Seite mitarbeiten, ohne sie zu bezahlen.

Das lassen wir jetzt mal sacken.

Was wäre nun das Gegenteil von Fast-Food-Internet?

Webseiten mit anspruchsvoller Seitengestaltung durch verschiedene Schriften und viele unterschiedliche Buttons (damit lange verweilt und gesucht werden muß), langen Ladezeiten wegen allerlei anspruchsvoller Plugins und enorm großer Hintergrundgrafiken und Bilder (wegen der Detailtreue!), Angebote mit Bezahlfunktion und natürlich Weseiten, die erst nach langem Suchen gefunden werden (wegen der Wertigkeit durch Rarität).

Selbstverständlich dürfen die Inhalte nur extrem lang sein, schwer verständlich und optisch schwer lesbar sein.

Der Betreiber muß den Anspruch des Perfektionismus besitzen, jedwede Klugscheisserei von erfahrenen Webmastern und Autoren ablehnen (Individualismus ist Trumpf!) und selbstverständlich Kritik und Anmerkungen nur dann annehmen, soweit sie positiv im Sinne der Internetpräsenz sind.

Auch das lassen wir nun sacken.

Wir lehnen uns entspannt zurück und denken darüber nach, wie es kommt, das Fast-Food-Internet die weltweit geforderte und geförderte Norm ist. Wir denken auch darüber nach, warum Blogs so beliebt sind. Desweiteren denken wir darüber nach, warum Heavy-Food-Internet nur noch etwas für Menschen mit intellektuellem Starrsinn sind. Und warum diese Menschen langsam aussterben.

Vielleicht denken wir ja auch daran, daß wir jeden Tag unzählige Informationen aufnehmen müssen. Und wir hätten gern möglichst viele Informationen auf den ersten Blick verfügbar. Doch wenn unser Interesse geweckt ist, dann wollen wir mehr wissen. Genau dafür gibt es Fast-Food-Internet.

Wenn ich eine Überschrift und einen kurzen Satz am Anfang (oder am Ende) lese, dann entscheide ich, ob ich den Rest lesen will. Habe ich kein Interesse, dann kann der Autor des Beitrags sicher damit leben, wenn er ein guter Autor ist, der hitner seinen Beiträgen selbstbewußt steht. Denn so ist bisher kein Buch der Welt an jeden Menschen der Welt verkauft worden.

Ich entscheide im Internet, im Buchladen, im CD-Regal oder auch im Supermarkt, was ich haben will. Zwangsläufig entscheide ich mich binnen Bruchteilen von Sekunden anhand weniger Informationen und meinen Erfahrungen. Ebenso zwangsläufig bleiben die Produkte liegen, die ich nicht erwählt habe.

Fast-Food-Shopping?

Was wäre, wenn mich der Leiter des Supermarktes anmaulen würde, weil ich nicht alle seine angebotenen Artikel gekauft habe? Nun, diesen Supermarkt würde ich nie wieder betreten!

Wenn ein Leser meine Geschichten nicht mag oder garnicht erst liest und mir erklärt, er würde sich lieber für einen anderen Autor entscheiden, dann ist das sein gutes Recht. Ich bin selbstbewußt genug, um damit leben zu können. Ich wäre dumm und vermessen, wenn ich diesem Leser erklären würde, er wäre arrogant.

Denn dann habe ich das Prinzip dessen, was uns Menschen zu innovativen und kreativen Geschöpfen macht, nicht verstanden. Das Prinzip der Freiheit und gegenseitigen Motivation.

Ich bin gern ein Fast-Food-Blogger.

Und ich lasse mich gern mit guter Kritik auf andere und neue Wege bringen! Es ist immer ein Chance für meine Weiterentwicklung.

Doch das sieht nicht jeder so. Und solche Menschen tun mir leid. Wegen ihres eingeschränkten Sichtfeldes.

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