Unser hiesiges Energieversorgungsunternehmen versorgt dank großartiger Politik alle Haushalte mit Gas und viele Haushalte mit Strom. Es hält einen großen bis fast kompletten Marktanteil und diesen insbesondere beim Gas.
Nun gibt es in letzter Zeit einmal im Jahr eine Abrechnung und mehrmals im Jahr eine Preiserhöhung. Der Kunde murrt, regt sich auf und zahlt. Wer allerdings mal etwas genauer auf die Abrechnungen schaut, findet dort eine seltsame Gepflogenheit. Diese nennt sich "allgem. Tarifänderung, maschinelle Errechnung".
Daraus ergeben sich nachträglich und pünktlich zur jeweiligen erhöhungen recht seltsame Berechnungen, die in den meisten Fällen wohl rein zufällig zugunsten des Energieversorgers durchgeführt werden.
Schauen wir mal näher hin und insbesondere in meinem (sicherlich jetzt sehr offensichtlichen) Fall:
Ich habe am 16.04.2008 meinen Gaslieferungsvertrag begonnen und habe auch ein paar Tage darauf, nämlich am 20.04.2008 einen Probelauf der Heizung gestartet. Dabei wurde genau ein Kubikmeter Gas verbraucht. Dank guter Witterung habe ich seitdem die gesamte Anlage abgeschaltet und brauchte nicht einen Hauch von Gas mehr. Warmes Wasser wird per Strom bereitet.
Nun bekomme ich heute die Rechnung für das letzte Jahr und dort tummeln sich dann:
16.04. – 30.06.08, 76 Tage, 0,9 m3 = 10 kWh (allg. Tarifänderung, maschinelle Errechnung)
01.07. – 07.07.08, 7 Tage, 0,1 m3 = 1 kWh (Turnusablesung, Ablesung durch Energieversorger)
Interessanterweise hatte ich ja im Mai, Juni und Juli kein Gas verbraucht. Da die Erhöhung jetzt dennoch auf diesem kalten Wege durchgesetzt wird, zahle ich für den rechnerischen Spaß des Energieversorgers 2 Cent mehr, als wenn korrekt abgelesen und gerechnet worden wäre.
Sicherlich könnte ich lässig auf 2 Cent verzichten. Aber gehen wir mal von einer anderen Rechnung aus, nämlich der von Schatz. Diese schaltete ebenfalls sehr früh im April ihre Heizungsanlage ab und zahlt jetzt dank dieser seltsamen Rechnungsweise 7 Cent mehr, die sich "rein rechnerisch" ergeben.
Anhand leider nur alter Zahlen kann ich dann mal ausrechnen, was da an Geld zu Lasten der Kunden gescheffelt wird.
Im Jahre 2004 hat der Energieversorger an seine Kunden Gas im Werte von 3,3754 Millarden kWh ausgeliefert. Bleiben wir bei dieser (sicherlich inzwischen dank seltsamer Witterungen mehr gewordenen) Lieferung, dann errechnet sich am Beispiel des Singlehaushaltes folgender Gewinn:
Der sparsame Singlehaushalt verbrauchte im Jahr 2007/2008 6.069 kWh. Diese 6.069 kWh hätten mit einem Arbeitspreis von brutto 6,34 Cent pro kWh berechnet werden müssen. Allerdings wurden 18 kWh einfach abgespittet und mit insgesamt 6,70 Cent betrügerisch berechnet, obwohl sie nicht verbaucht wurden. Es sind nun dank weniger Tage von der Erhöhung bis Ablesung nur wenige Cent. Doch wenn wir das jetzt mal hochrechnen, sieht das Bild schon anders aus.
18 kWh von 6.069 sind 0,3 Prozent. Diese 0,3 Prozent von den insgesamt gelieferten 3,3754 Millarden sind 10.126.200 Euro Gewinn aus "maschineller Errechnung". Die Masse der doofen Kunden macht es eben aus!
Ein Tagegeldkonto bringt derzeit 4,5 Prozent Zinsen und den Rest mag sich ausdenken, wer will. Wundert es da, wenn sich die Rendite des Unternehmes laufend erhöht, die Vorstandsgehälter ständig steigen und das monopol zwanghaft gehalten werden soll?
Eine einzige Jahresabrechnung schafft einen warmen Regen von täglich 1.248 Euro für Nichtstun. Das macht locker die Gehälter der mit dem Ausdruck der Abrechnung betrauten Mitarbeiter wett. Und so macht man Kohle als Energieversorger.